13 Coaching-Mythen: #3 Hirnnutzung

13 Coaching-Mythen: #3 Hirnnutzung

Wir nutzen angeblich nur zehn Prozent unserer Hirnkapazität. Das ist falsch.

MYTHOS Dass wir nur zehn Prozent - manche behaupten, gar noch weniger - unserer Hirnkapazität nutzen, geistert seit Jahrzehnten durch die Szenerie der Heils- und Glücksversprecher. Kein Wunder, können sie so doch glauben machen, mit ihren jeweiligen Methoden die bislang ungenutzten Ressourcen und Kapazitäten zu erschließen.

FAKTEN Das stimmt schlicht und ergreifend nicht. Selbst bei einfachen Tätigkeiten ist das Gehirn in seiner komplexen Struktur vollständig aktiviert. Das Hirn ist charakterisiert durch ein konstantes gemeinsames Arbeiten aller Nervenzellen, das eine Art Grundrauschen darstellt. Es wäre auch höchst ineffizient, ein Organ, das bei drei Prozent des Körpergewichts 20 Prozent der Energie braucht, größtenteils brachliegen zu lassen.

Genährt wird der Mythos auch von sehr kontrastreichen Hirnscan-Bildern spezieller Magnetresonanztomografen, auf denen die aktiven Areale eingefärbt sind. Das sind aber Differenzbilder, bei denen geringfügige Unterschiede zwischen aktiveren und weniger aktiven Bereichen herausgerechnet und besonders kontrastreich dargestellt werden. Und Gehirntraining nutzt nicht etwa brachliegende Hirnteile, sondern sorgt für bessere Vernetzung von Synapsen.

FAZIT Von diesem Mythos bleibt letztlich nichts übrig. Als Argument für Wundermethoden, die ungenutzte Potenziale erschließen, bricht er in sich zusammen. Er ist widerlegt. Taugt die Zehn-Prozent-Behauptung dann zumindest bildhaft, als Metapher? Nein, sagen Wirl und Ebert kategorisch, "denn auch eine Metapher sollte ein möglichst treffendes Bild eines Sachverhaltes abgeben."


Die Serie "13 Coaching Mythen" ist der trend-Ausgabe 43/2017 vom 27.10.2017 entnommen.

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