13 Coaching-Mythen: #4 Superman-Posing

13 Coaching-Mythen: #4 Superman-Posing

Power-Posing soll zu mehr Selbstbewusstsein führen. Doch stimmt das oder ist das nur eine hormonelle Hypothese?

MYTHOS Wer zwei Minuten eine machtvolle Pose einnimmt, fühlt sich selbstbewusster. Der Testosteronspiegel steigt an, die Konzentration des Stresshormons Cortisol sinkt. Sozialpsychologin Amy Cuddy wollte das in einem Test an der Harvard Business School herausgefunden haben, ihr TED Talk dazu wurde mehr als 50 Millionen Mal angeklickt. Zur Vorbereitung auf Termine oder Präsentation wirft man sich nun also in Superman-Posen.

FAKTEN Die ursprüngliche Studie zum Power-Posing wurde mit 42 Probanden durchgeführt. In einer Wiederholung mit 200 Teilnehmern konnte der Effekt jedoch nicht bestätigt werden. Mittlerweile räumen Mitautoren des ersten Forschungsreports ein, es könnte sich um False-Positive-Ergbnisse bei zu kleinen Stichproben gehandelt haben. Eine an sich plausibel klingende Hypothese wurde also offenbar falsifiziert - so funktioniert Wissenschaft!

FAZIT Die Aussage "Zwei Minuten Posing machen dich zum Winner-Typen" hören viele Menschen nur allzu gern. Kein Wunder, dass diese Botschaft weit mehr Resonanz fand als die Widerlegung. Und wenn das Posing auch ohne hormonellen Nachweis wirkt, als eine Art Placebo? Die Buchautoren Ebert und Wirl dazu: "Wir dürfen uns mit Maskottchen, Glückssteinen und Mut-Ritualen über Verunsicherung hinweghelfen. Aber je aufgeklärter, selbstbewusster und erwachsener wir werden, desto weniger Tricks und magisches Denken sind dabei notwendig."


Die Serie "13 Coaching Mythen" ist der trend-Ausgabe 43/2017 vom 27.10.2017 entnommen.

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