Martin Kwauka - Geldtipp der Woche: Wiener Immoaktien ein Viertel billiger als Londoner

England wird derzeit von einer massiven Immobilienkrise in Atem gehalten.
Überall stehen Häuser und Bürobauten zum Verkauf, die Preise rutschen auf breiter Front ab, und der große Hypothekenfinanzierer Northern Rock konnte nur durch Verstaatlichung gerettet werden. Dagegen herrschen in Österreich fast paradiesische Zustände: Die Nachfrage ist nach wie vor ungebrochen,
die Preise entwickeln sich im Großen und Ganzen stabil, und die Banken stehen solide da. Ganz anders ist die Situation bei den Immobilienaktien:
Während die Kurse der Wiener Papiere heuer im Schnitt um 28 Prozent
einbrachen, gaben British Land und andere in London gelistete Real-Estate-Aktien gerade einmal 12 Prozent ab.
Das macht sich beim inneren Wert entsprechend bemerkbar: Während britische Immoaktien an der Börse im Mittel zu 68 Prozent ihres Buchwertes gehandelt werden, notiert die österreichische Konkurrenz nach Berechnungen der RCB gerade einmal zum 0,53fachen des Schätzwertes. Mit anderen Worten: Die Gebäude, die die Wiener Immo-Unternehmen halten, kann man derzeit an der Börse mit 47 Prozent Rabatt kaufen.

28 Prozent mehr Kurspotenzial als in London
Natürlich muss man Buchwerte, die ja allesamt auf Schätzungen beruhen, generell mit Vorsicht genießen. Das gilt ganz besonders für Osteuropa, wo viele österreichische Gesellschaften tätig sind. Trotzdem dürfte der Grad der Verlässlichkeit in Wien und London ähnlich sein. Das bedeutet: Die österreichischen Werte könnten um 28 Prozent steigen, bis das gleiche Kurs-Buchwert-Verhältnis wie in Großbritannien erreicht ist. Die österreichische Immobilienbranche trägt eine gute Portion Mitschuld daran, dass ihre Aktien besonders arg zerzaust wurden. Erstens wurden in der Euphorie der Jahre 2006 und 2007 viel zu viele junge Aktien auf den Markt geworfen. Oft – und nicht nur bei Meinl-European-Land-Papieren – wurde suggeriert, die Aktien seien so sicher wie ein Sparbuch.
Das musste zwangsläufig zu Enttäuschungen und einer entsprechenden Verkaufslawine führen. Letztlich setzen sich aber an den Börsen immer fundamentale Werte durch, auch wenn es manchmal Jahre dauern kann. Die kommenden Monate werden für Immoaktien wohl noch schwierig bleiben. Wenn sich die globale Finanzkrise entspannt und die kurzfristigen Zinsen wieder sinken, ist aber eine nachhaltige Erholung zu erwarten.
Deshalb sollte man jetzt nicht die Nerven wegwerfen und zur Unzeit verkaufen. Besser ist es, die tiefen Kurse zu nutzen, um schon heuer zu beginnen, schrittweise einzukaufen. Man kann auch versuchen, mit tiefen Kurslimits zu ordern und so vorübergehende Preislimits auszunutzen. Grundsätzlich haben alle Titel Fantasie. Am vielversprechendsten sind die betont konservative conwert und – für etwas risikofreudigere Anleger, die im Osten Chancen suchen – die Immoeast.

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