
Roland Schmid
©Michael Rausch-SchottDie Bundeswettbewerbsbehörde hat den Verkauf seines Unternehmens Immounited an die deutsche Scout24-Gruppe verhindert. Nun spricht der Gründer und CEO des Grundbuchexperten, Roland Schmid, über die teure Erfahrung - und den schweren Imageschaden für Standort und Gründerszene.
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trend: Der Immounited-Verkauf an die Scout24-Gruppe musste nach einer vertieften BWB-Prüfung zurückgezogen werden. Fühlen Sie sich von der Behörde schikaniert?
Roland Schmid: Ich fühle mich blockiert: Ich bin seit mehr als 20 Jahren Unternehmer und habe die Immounited zum Marktführer aufgebaut, was es zum interessanten Übernahmeziel für einen DAX-Player machte. Man würde meinen, dass ich frei entscheiden darf, ob ich mein eigenes Unternehmen verkaufe oder nicht – dem war leider nicht so.
trend: Der Deal war bereits unterzeichnet. Wann war es klar, dass er scheitern würde?
Der Verdacht kam recht spät, obwohl der gesamte Prüfungsprozess von zahlreichen Überraschungen geprägt war. So hat die Behörde immer neue Bedenken genannt, musste allerdings keine Erklärung abgeben, warum ihr etwas nicht akzeptabel erschien. Wir hatten für jedes dieser Bedenken eine vernünftige Auflage, die jedoch nicht angenommen worden ist. Die Umstände sind für uns nicht nachvollziehbar. Es hätte keinen einzigen Verlierer bei diesem Deal gegeben – jetzt gibt es nur solche.
trend: Welche Bedenken hatte die Behörde? Woher kamen diese?
Die BWB hat unsere Kunden angeschrieben, wie sie die geplante Übernahme einschätzen und welche Sorgen sie haben. Dabei gab es meines Wissens mehr als 500 Rückmeldungen. Eine Angst war, dass es zu Preiserhöhungen kommen würde, eine andere, dass Immounited-Leistungen nur mehr von Scout24-Kunden abrufbar wären. Wir konnten sämtliche Einwände jederzeit widerlegen, da kam wieder ein neues Thema auf. Schließlich lief uns die Zeit davon, sodass die Transaktion zurückgezogen werden musste. Es war für mich offensichtlich, dass etwas faul war und keine Genehmigung kommen würde.
trend: Was sind die Auswirkungen auf den Markt, Scout24 sowie Immounited?
Die Auswirkungen sind massiv: Es sind viele Ängste in der Immobilienbranche geschürt worden, es gibt eine starke Verunsicherung – am Markt sowie bei den Kunden und bei den Mitarbeitenden. Viele fragen sich, wie es mit uns und unseren Produkten und Dienstleistungen weitergehen würde. Für den Markt heißt das vor allem eines: fehlende Planbarkeit und keine Klarheit. Dadurch ist die Grundstabilität geschwächt.
trend: Es geht auch um Geld: Wie hoch ist der finanzielle Schaden?
Wir reden von Kosten im siebenstelligen Bereich – die gesamte Angelegenheit hat sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite ein Vermögen gekostet, zudem ist der Steuerzahler ein wirtschaftliches Opfer, weil die Behörde und die Gerichte bezahlt werden müssen. Wie mir jemand vor einigen Monaten gesagt hat: Einen Unternehmensverkauf muss man sich in Österreich erst mal leisten können! Dazu kommt, dass dadurch internationale Investoren wie in unserem Fall ein DAX-Unternehmen das Interesse an Österreich verlieren und dem Standort somit viele Chancen entgehen könnten.
trend: Wie geht es mit Immounited jetzt weiter?
Wir sind ein gesundes Unternehmen auf einem Markt, der sich gerade mit Riesenschritten erholt – auch aufgrund dessen wäre der Verkaufszeitpunkt ideal gewesen. Unser Ziel lautet jetzt, Vertrauen, Sicherheit und Klarheit wieder herzustellen. Dafür werden wir uns erstens auf unsere bestehenden und neuen Geschäftskunden konzentrieren. Zweitens wollen wir das Umsatzpotenzial konsequent ausschöpfen und auch den Endkundenmarkt bedienen. Wir haben die beste und umfassendste Datenbasis des Immobilienmarkts in Österreich – von der Transparenz, die unsere Daten schaffen, können auch Endkunden besonders stark profitieren, indem sie relevante Immobilieninformationen zum heimischen Markt erhalten.
trend: Was bedeutet der abgeblasene Verkauf für Sie persönlich? Müssen Sie jetzt private oder unternehmerische Zukunftspläne ad acta legen?
Als Unternehmer ist man gewohnt, dass Dinge manchmal anders laufen, als man es geplant hätte. Das Vorgehen der Behörde kann ich zwar bis heute nicht nachvollziehen, aber wer mich kennt, weiß, dass ich jemand bin, der nach vorne schaut und schnell neue Motivation findet. Es sind bereits einige neue Projekte in der Pipeline, darunter eine KI-gestützte Lern- und Trainingsplattform namens EDIKA, mit der wir demnächst durchstarten wollen.
trend: Was bedeutet das Scheitern der Transaktion für den Wirtschaftsstandort und für Start-ups?
Mitten in der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten die Glaubwürdigkeit des Wirtschaftsstandorts zu schädigen, indem einem branchenüblichen Deal solche Steine in den Weg gelegt werden, ist ein sehr schlechtes Signal. Ich war immer stolz darauf, Unternehmer in Österreich zu sein. Jetzt habe ich allerdings das Gefühl, dass die Rahmenbedingungen durch überbordende Regulierung und zu starke Einmischung von Behörden ohne fachliches Branchen-Know-how verschlechtert werden. Für die Startup-Szene ist die Optik fatal: Ein Unternehmen zu gründen, es mit enormem Einsatz von Ressourcen und Energie auf den Erfolgsweg zu bringen und anschließend einen Exit zu vollziehen, wünschen sich die meisten. Jetzt ist nicht mehr sicher, ob das in Österreich auch von der Behörde genehmigt wird. Vor dem Hintergrund erfolgreicher Übernahmen anderer unzähliger Unternehmen bleibt offen, warum es gerade bei uns nicht funktioniert hat.
trend: Sie sind bekennender Fußballfan. Hat sich die Behörde mit dieser Aktion ein Eigentor geschossen?
Der Wirtschaftsstandort hat sich definitiv ein Eigentor geschossen. Einer Behörde können die wirtschaftlichen Folgen ihrer Entscheidungen vielleicht egal sein, für den Standort insgesamt sind sie aber höchst relevant. Österreich braucht eine funktionierende Wirtschaft, um den hohen Lebensstandard finanzieren zu können, und dafür braucht es Unternehmer, die an den Standort glauben. Wenn ich mein Unternehmen nicht in Österreich gegründet hätte, hätte ich es wahrscheinlich schon längst verkauft. Aber ich glaube an mein Land und will nicht abwandern, sondern mit meiner Erfahrung dazu beitragen, Dinge zu verbessern. Klar ist auch: Ohne starke Wirtschaft gibt es keinen funktionierenden Sozialstaat. Vielleicht sollten sich manche Entscheidungsträger mehr auf das alte Motto „Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut“ besinnen.
Zur Person
Roland Schmid ist Gründer der Immounited GmbH. 2007 gegründet, ist das Unternehmen heute österreichischer Marktführer in der Bereitstellung von Grundbuch- und Immobiliendaten. Das Produktsortiment umfasst u. a. Transaktions-Landkarten, eine Bauprojektdatenbank, ein Online-Statistik-Tool über Transaktionen, Grundbuch-Eigentumsinformationen, Bewertungsprodukte und eine Immobilien-Angebotsdatenbank. Die Roland Schmid Group hat darüber hinaus Beteiligungen an mehreren Unternehmen, darunter lexunited GmbH, RS Vorsorge GmbH und Hidden Gems Filmproduktion GmbH. Zuletzt hat Schmid das auf Lern- und Trainingslösungen spezialisierte Start-up EDIKA ins Leben gerufen. Mitte Jänner gab das Unternehmen bekannt, dass die im März 2025 angekündigte Übernahme durch die Scout24-Gruppe gescheitert ist.
Der Artikel erscheint im trend.PREMIUM vom 6. Februar 2026.