
Eine neue Wohnung in einem zertifizierten Green Building: Das wollen immer mehr Immobilienkäufer in Österreich. Denn von Nachhaltigkeit profitiert nicht nur die Umwelt. Solche Objekte locken aufgrund ihrer sicheren Zukunftsperspektive auch mit einer deutlich besseren Wertentwicklung.
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Es ist fix: Ab 2027 soll in die Europäische Union kein russisches Erdgas mehr fließen. Verbunden mit der Verpflichtung Österreichs, bereits rund ein Jahrzehnt nach diesem Datum die Wirtschaft auf Klimaneutralität umgestellt zu haben, ist es klar: „Raus aus Gas“ ist kein Schlagwort und keine Zukunftsvision mehr, sondern ein Wandel, der mit Riesenschritten auf die Immobilienwirtschaft zukommt. Denn der Gebäudesektor ist derzeit noch für etwa die Hälfte des gesamten heimischen CO2 -Ausstoßes verantwortlich – damit sind Immobilien neben dem Verkehr jene Branche, wo es am meisten schädliche Treibhausgase einzusparen gilt.
Werttreiber Nachhaltigkeit
Wer die Zahlen zum Immobilienmarkt im Detail ansieht, merkt davon heute zwar noch wenig. Den Wert bestimmt die Lage – eine Wohnung mit Gastherme im Stadtzentrum kostet meistens mehr als eine mit Wärmepumpe am Stadtrand. Doch das ändert sich: Schon bald wird die ökologische Nachhaltigkeit einer Immobilie über die ökonomische bestimmen, erwarten Marktbeobachter. Denn das Umdenken hat am Immobilienmarkt bereits begonnen. Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage im Auftrag von Raiffeisen Immobilien Österreich ist es für mehr als zwei Drittel der Befragten besonders wichtig, in einem nachhaltigen Gebäude zu leben.
Nachhaltigkeit sei heute kein Kostenfaktor mehr, sondern ein Werttreiber, sagt Peter Weinberger, Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich: „Energieeffiziente Gebäude zeichnen sich durch bessere Verkaufspreise und kürzere Vermarktungszeiten aus. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehören heute zusammen – und wer das erkennt, profitiert doppelt: Wer in Umweltaspekte investiert, steigert den Wert seiner Immobilie und senkt gleichzeitig die laufenden Kosten.“
Millennials wollen grüne Immos
Besonders die jüngeren Generationen treiben den Wandel voran. Sie sind laut der Studie schon jetzt bereit, höhere Kaufpreise für eine energieeffiziente Ausstattung zu zahlen. Weinberger ist das besonders wichtig, denn schließlich sind die Millennials die Käufergruppe der Zukunft: „Die Generation unter 30 will nachhaltig wohnen – ökologisch, energiesparend und gut angebunden. Diese Nachfrage wirkt sich unmittelbar auf den Markt aus. Vor allem im Neubausektor haben nachhaltige Immobilien einen klaren Verkaufsvorteil.“
Wie sehr das stimmt, können jene Immobilienentwickler bestätigen, die bereits heute nur mehr zertifizierte Green Buildings errichten. So hat der an der Börse Wien notierte, auf Ökologie spezialisierte Immobilienentwickler UBM Development in den ersten neun Monaten heuer um 25 Prozent mehr Wohnungen verkauft als in der Vergleichsperiode des Vorjahres – mehr als 100 davon sogar „vom Plan weg“, noch bevor der erste Spaten gesetzt wurde. Mit dem Leopold Quartier errichtet das Unternehmen am Donaukanal Europas erstes Stadtquartier in Holz-Hybrid-Bauweise. „Eine Wohnung in einem Holz-Hybrid-Haus zu erwerben, ist wie Eier von freilaufenden Hühnern zu kaufen. Es bedeutet Wohnen ohne schlechtes Gewissen“, sagt CEO Thomas G. Winkler. „Die Holz-Hybrid-Bauweise reduziert langfristig Emissionen und schont Rohstoffe. Wir sind stolz, an einem so beeindruckenden Projekt beteiligt zu sein“, meint auch Karl-Heinz Strauss, CEO des Baukonzerns Porr, der das Projekt ausführt. Die ersten der insgesamt rund 250 Wohnungen wurden bereits übergeben. Die Preise sind trotz der nachhaltigen Bauweise lageüblich, zudem können sich Käufer langfristig an niedrigen Betriebskosten erfreuen, denn die Energieversorgung erfolgt aus erneuerbaren Quellen und zu 100 Prozent frei von Erdgas.
Auch der private Immobilienentwickler Winegg hat sich wie UBM freiwillig dazu verpflichtet, bereits heute – und damit lange vor gesetzlich festgelegten Deadlines – nur mehr nachhaltige und nach den strengen Nachhaltigkeitskriterien der EU-Taxonomie zertifizierte Immobilien zu bauen. Dass das nicht nur bei den teuersten Projekten des Unternehmens in der Wiener Innenstadt gelingt, sondern auch in leistbaren Lagen, beweist aktuell das Projekt Grand Garden in Wien-Ottakring. Errichtet werden rund 120 Eigentumswohnungen mit Preisen ab rund 5.500 Euro pro Quadratmeter. Doch die Ausstattung erfüllt höchste Ansprüche: Eichenparkett, moderne Fußbodenheizung, Klimaanlagen in den Dachgeschßen sowie smarte Hausverwaltung via App, Postempfangsboxen und eine digitale Gegensprechanlage garantieren zeitgemäßen Wohnkomfort. Die Energieversorgung erfolgt effizient über Fernwärme und Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Das Green-Building-Zertifikat von DGNB mit der Topnote „Gold“ bestätigt die Werthaltigkeit – Eigentümer werden sich aber noch mehr am Highlight des Projektes erfreuen, einer mehr als 1.000 Quadratmeter großen Grünoase im Innenhof. „Unser Anspruch lautet, Lebensräume zu schaffen, die auch in Jahren noch Bestand haben – für Menschen, die Wert auf Qualität, Nachhaltigkeit und urbanes Wohnen legen“, sagt Gründer und Geschäftsführer Christian Winkler.
„Für Käufer ist Nachhaltigkeit längst mehr als ein Trend: Sie ist ein entscheidender Faktor bei der Wahl des Eigenheims“, meint auch Gerhard Klein, Geschäftsführer der 3SI Makler GmbH. Die Vertriebstochter des privaten Immobilienentwicklers 3SI Immogroup hat heuer wie UBM mehr Wohnungen denn je verkauft. Dabei half der klare Fokus auf Nachhaltigkeit, so Klein: „Unsere Kunden schätzen besonders die Verbindung aus Nachhaltigkeit, Wohnkomfort und Wertbeständigkeit, und unsere Projekte zeigen, dass man heute schon so wohnen kann, wie die Stadt von morgen es erfordert.“
Mit einem Green-Building-Zertifikat in „Gold“ von ÖGNI ausgestattet, ist beispielsweise das Projekt The Temptation in der Vermarktung besonders erfolgreich. „Geothermie, eine hauseigene Photovoltaikanlage und konsequent ökologische Bauweise sorgen nicht nur für ein gutes Gewissen, sondern auch für dauerhaft niedrige Betriebskosten“, erklärt Klein. Das Ensemble aus zwei eleganten Baukörpern in der Währinger Schumanngasse bietet 85 moderne Eigentumswohnungen sowie 14 Büro- und Ordinationsflächen. Einen Monat nach der Fertigstellung sind nur mehr 15 Wohnungen zu haben – zu Preisen ab 6.500 Euro pro Quadratmeter.
Umweltfreundliche Renditen
Mit Preisen ab 6.000 Euro pro Quadratmeter in einer ähnlichen Kategorie befindet sich das Projekt Breeze des Entwicklers Grossmann + Kaswurm. Eigentlich für Altbau-Sanierungen bekannt setzt das Unternehmen diesmal auf Neubau, um umweltbewussten Käufern ein nachhaltiges und zertifiziertes Green Building nach den höchsten ökologischen Standards bieten zu können. Die Kombination aus durchdachtem Design und nachhaltiger Bauweise mache dieses Projekt ideal für Immobilienkäufer, die Wert auf umweltfreundliches Wohnen und beste Qualität legen, meint Geschäftsführer Benedikt Grossmann. „Für uns ist jedes Detail wichtig: Das Wohngefühl steht an erster Stelle.“ Die Besonderheit: Die Wohnungen sind auch als Vorsorgeobjekte für Investoren mit Vorsteuerabzug zu haben, und in einigen davon ist sogar die Kurzzeitvermietung über Buchungsplattformen wie AirBnB erlaubt, was Anleger mit jährlichen Renditen im zweistelligen Prozentbereich lockt.
Erträge auf dem Niveau von Wertpapieren, die Stabilität des Grundbuchs und nachhaltiger Werterhalt dank Green-Building-Zertifizierung – am Immobilienmarkt kann Ökologie auch äußerst ökonomisch sein.
Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 19. Dezember 2025 erschienen.