Schweizer Franken und Immobilien: Reiche Chinesen schaffen Geld außer Landes

Schweizer Franken und Immobilien: Reiche Chinesen schaffen Geld außer Landes

Der Einbruch der chinesischen Börsen zwingt reiche Landsmänner, ihr Geld im Ausland zu parken - in Form von US-Staatsanleihen, Schweizer Franken oder gewaltigen Immobilienprojekten. Die Angst vor einer Überhitzung macht sich breit.

Makler in Australien, Großbritannien und Kanada reiben sich bereits die Hände: Nach den Turbulenzen an der Schanghaier Börse legen immer mehr reiche Chinesen ihr Geld in ausländische, vermeintlich sichere Immobilien an. Makler Michael Pallier aus Sydney erzählt, er habe allein in der vergangenen Woche zwei Wohnungen in der australischen Metropole an chinesische Anleger verkauft und ein Luxus-Haus im Wert von über zehn Millionen Euro einem Interessenten aus dem Reich der Mitte gezeigt. "Es gibt große Mengen an Geld in China und voraussichtlich wird viel davon in den australischen Immobilienmarkt fließen", sagt Pallier, Chef der Sydney Sotheby's International Realty. "Viele Chinesen haben ihr Geld bereits von der Börse zurückgezogen, als der Markt zu heiß wurde."

Was Pallier aus Down Under berichtet, gilt auch für andere Länder. "Es ist ungewöhnlich, dass Chinesen so groß einkaufen", sagt Makler Ed Mead vom britischen Immobilienkonzern Douglas & Gordon. "Das ist eher ein Zeichen für Kapitalverschiebung als dass nur Einzelne nach Parkgelegenheiten für ihr Geld suchen." Seine Firma habe kürzlich Anfragen von zwei chinesischen Investoren bekommen, die ganze Wohnblöcke in London suchten. Auch Alex Newall von Hanover Private Office registriert wachsendes Interesse, vor allem an Spitzenobjekten: "Sie wollen es versuchen und große Mengen Geld anlegen. Ich spreche von 25 bis 150 Millionen Pfund."

Die Aktienmärkte in China haben seit Mitte Juni rund 20 Prozent verloren. Doch bereits von Januar bis Mai haben Aktionäre laut Berechnungen der Bank of America Merrill Lynch Papiere im Gesamtwert von 58 Milliarden Dollar verkauft - das war etwa doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2014. Der Großteil des Geldes dürfte in US-Staatsanleihen oder Devisen wie den Schweizer Franken gelangt sein.

Ultrareiche Chinesen verlassen das Land

Seit 2000 fliehen die Ultrareichen aus der Volksrepublik. Rund 91.000 vermögende Chinesen beantragten zwischen 2000 und 2014 eine zweite Staatsbürgerschaft, wie aus einem Bericht der Maklerfirma Lio Global hervorgeht. Die meisten dieser Menschen, die ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar besitzen, zieht es in die USA, nach Hongkong, Singapur und Großbritannien.

Laut Brian Ward von Colliers International haben Chinesen im ersten Halbjahr 2015 rund fünf Milliarden Dollar in US-Häuser investiert. Im gesamten Jahr 2014 seien es rund vier Milliarden Dollar gewesen. Nach Australien und Kanada zieht es die Chinesen weil dort die Währungen schwächeln. Dadurch werden die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preise für Immobilien wieder etwas günstiger.

Die nächste Immobilienblase?

Der Trend bleibt aber nicht ohne Widerspruch. In London, Sydney und Vancouver wird Kritik laut, die Chinesen trieben die Preisspirale weiter nach oben. Die australische Regierung hat sich der Sache angenommen und neue Geld- und sogar Haftstrafen für jene eingeführt, die sich nicht an die Investitionsregeln für Ausländer halten. Der chinesische Besitzer einer 26 Millionen Euro teuren Villa wurde Anfang des Jahres zum Verkauf gezwungen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er das Anwesen illegal über eine Reihe von Strohfirmen gekauft hatte.

Zudem wächst die Sorge, dass Anleger, die ihr Geld nicht rechtzeitig von den taumelnden Börsen bekommen haben, eine Belastung für die Immobilienmärkte werden könnten. Naomi Heaten von London Central Portfolio berichtet von Investoren, die den Kauf von Neubauten platzen ließen, weil ihnen das Geld ausgegangen war. Auch in Vancouver verzeichnen die Experten erste Ausfälle, wie Makler Andrew Hasman erzählt: "Letzte Woche rief mich ein Kollege an und wollte wissen, ob ein Verkäufer ein gerade erst eingefädeltes Geschäft zurücknehmen könnte, weil der Käufer Unsummen beim chinesischen Börsencrash verloren hat."

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