Immofinanz vor Verkauf des Russland-Geschäfts

Immofinanz CEO Oliver Schumy

Immofinanz CEO Oliver Schumy

Immofinanz-Chef Oliver Schumy schließt nicht aus, dass der Konzern das belastende Russland-Portfolio noch heuer in Form einer Verkaufsvereinbarung loswerden könnte. Die Trennung von dem Klotz am Bein ist wichtige Voraussetzung für die geplante Verschmelzung mit der CA Immo, und zuletzt - im Geschäftsjahr 2015/16 - hat allein Russland der Immofinanz rund 470 Mio. Euro an Immo-Abwertungen beschert.

Laut Schumy gibt es "erhebliches Interesse an dem Portfolio", das - mit fünf Shopping-Malls in und um Moskau - nach früheren Angaben 1,2 Milliarden Euro Buchwert inklusive 700 Millionen Euro Schuldenlast aufweist. Einen Verkauf zu Buchwerten "und damit implizit zu einer Bruttorendite von 6,4 Prozent" hatte im Frühjahr ein Analyst als "nahezu unmöglich" bezeichnet. Einen Verkauf oder Spin-off, wie seit März geprüft, begrüßten die Finanzexperten aber umgehend. Schumy bestätigte am Donnerstag die Möglichkeit einer Abspaltung samt IPO - ein Verkauf gehe aber rascher.

"Grundsätzlich ist jeder willkommen, der einen vernünftigen Preis bezahlt", so der Immofinanz-Chef zu einem möglichen Käufer für das Russland-Geschäft. Vor allem von lokalen Retail-Playern komme Interesse. Doch "auch ein Herr Mints" wäre willkommen, so Schumy. Die O1 Group des russischen Geschäftsmanns Boris Mints, die längere Zeit mit einer Sperrminorität Kernaktionär der CA Immo war, hatte im Frühjahr ja angedeutet, dass sie über einen Erwerb der russischen Einkaufszentren der Immofinanz nachdenke.

Verkauf binnen Halbjahresfrist möglich

Aufgrund des Interesses an dem Portfolio hält Schumy eine Verkaufsvereinbarung durchaus in einem halben Jahr für möglich, eventuell sogar früher, also noch heuer. Besonders hob er vor Journalisten das Einkaufszentrum Rostokino im Norden Moskau hervor. Von der Fläche her gehöre es zu den Top-10-Shopping-Centern in Europa, und in dem Teil der Metropole sei es überhaupt fast das einzige Center.

Im Bilanzpressegespräch sprach der CEO zwar von einer "stabileren Entwicklung", die man jetzt in Russland hinsichtlich der Landeswährung Rubel und der Mieterlöse sehe, doch bleibe das Land der bestimmende Faktor für die Ergebnisse des Konzerns. Man habe Kostensenkungen initiiert, und fast 70 Prozent der Mietverträge in den Shopping-Centern würden vier Jahre oder länger laufen - allfällige Mietnachlässe gebe es nur für ein paar Monate.

Stabile Mieteinnahmen

Die Mieterlöse in Russland lägen stabil bei knapp 20 Millionen Euro pro Quartal, auch habe sich die Besucherfrequenz 2015/16 (per 30.4.) mit 36,9 Millionen Menschen nur etwas verringert. Die Mietforderungen der Immofinanz in dem Land hätten sich im Jahresabstand um ein Viertel auf 11 Millionen Euro verringert. Allerdings ging der Rückgang der Mieterlöse 2015/16 im Gesamtkonzern überwiegend auf das Konto des Russland-Portfolio, wie Finanzvorstand Stefan Schönauer vorrechnete. Vom gesamten Rückgang der Mieterlöse um 18,4 Prozent - oder um 71,1 Millionen Euro - auf 314,5 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr waren allein 54,1 Millionen Euro Miet-Entfall Russland zuzuschreiben.

Von dem - per 30.4. - 5,484 Milliarden Euro schweren Immobilienportfolio der Immofinanz entfielen wertmäßig 20,4 Prozent oder 1,119 Milliarden Euro auf Russland und nur etwas mehr, 21,0 Prozent oder 1,151 Milliarden Euro, auf Österreich.

Das Kerngeschäft der Immofinanz umfasst die Bewirtschaftung und Entwicklung von Einzelhandels- und Büroimmos "in ausgewählten Ländern" Zentral- und Osteuropas. So liegen 15,5 Prozent der Immo-Werte in Rumänien, 11,2 Prozent in Polen, 8,7 Prozent in Ungarn und 8,1 Prozent in Tschechien, lediglich 8,8 Prozent in Deutschland. Von den Ende April 385 Immofinanz-Immobilien entfielen 194 auf den Einzelhandel und 110 auf Büros.

Aktien-Information: Immofinanz WKN 80905 bzw. ISIN AT0000809058

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