Immobiliengruppe Pema holt Werner Faymann an Bord

Kunst- und Geschäftssinn: Pema-Gründer Markus Schafferer (vor einem Bild von Peter Kogler in seinem Wiener Büro) hat im Kunsthandel begonnen.

Kunst- und Geschäftssinn: Pema-Gründer Markus Schafferer (vor einem Bild von Peter Kogler in seinem Wiener Büro) hat im Kunsthandel begonnen.

Markus Schafferer will mit seiner Tiroler Pema-Gruppe in den nächsten fünf Jahren eine Milliarde Euro in Immobilienprojekte investieren. Dazu hat er den nach dem früheren CA-Immo-Chef Bruno Ettenauer nun auch Ex-Bundeskanzler Werner Faymann an Bord geholt.

Alt-Bundeskanzler Werner Faymann hat einen neuen Job: Er hat, wie der Kurier berichtet, bei der Immobiliengruppe Pema des Tiroler Unternehmers Markus Schafferer als Berater angedockt. Faymann, der vor seiner Zeit als Bundeskanzler über viele Jahre im Wiener Wohnbau Erfahrungen gesammelt hat, soll sein Know-How aus dieser Zeit in das Unternehmen einbringen und gemeinsam mit dem schon im September an Bord geholten, früheren CA-Immo-Chef Bruno Ettenauer, die Expansion des Unternehmens auch in die Nachbarländer vorantreiben.

Faymann war von 1988 bis 1994 Geschäftsführer und Landesvorsitzender der Wiener Mietervereinigung und ab 1994 Stadtrat für Wohnbau und Stadterneuerung, ehe er im Jänner 2007 von Alfred Gusenbauer zum Infrastrukturminister ernannt und später, nach der Nationalratswahl 2008 Bundeskanzler wurde.

Schafferer will mit Pema hoch hinaus. Alleine die Wiener Adresse von Pema ist schon ein Statement: Im noblen Palais Equitable, gelegen an der Ecke Kärntner Straße/Graben, genau vis-à-vis des Stephansdoms, erstreckt sich über 300 Quadratmeter das Büro des Tiroler Immobilienentwicklers. An den Wänden hängen Kunstwerke von Zeitgenossen wie Christian Ludwig Attersee oder Peter Kogler. Und der 38-jährige Pema-Alleineigentümer Markus Schafferer, der zwischen Innsbruck und Wien pendelt, legt auch Wert auf exquisite Gesellschaft: Im Oktober hat dort Bruno Ettenauer, der frühere Chef der CA Immo, als Berater für Schafferer zu arbeiten begonnen, "überwiegend exklusiv", wie Ettenauer das selbst ausdrückte. Bald wird auch Ex-Kanzler Faymann dort ein- und ausgehen.

"Wir wollen in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro investieren", kündigte der offensiv-heitere Tiroler dem trend bereits im September an. Ein Großteil dieses Investments soll sich auf den Großraum Wien konzentrieren. Dort hat Schafferer vor knapp zwei Jahren um einen zweistelligen Millionenbetrag den Porr-Tower im zehnten Bezirk gekauft, den Mietvertrag mit dem Baukonzern von ursprünglich zehn auf 18 Jahre verlängert und den Pema-Anteil im Frühjahr an Kika-Gründer Herbert Koch weiterverkauft. Der ehemalige Möbelhändler, bestätigt Schafferer, ist nun 100-prozentiger Eigentümer des augenfälligen, 80 Meter hohen Turms. Auch bei den nächsten Wien-Projekten wird Koch, der seine Kette 2013 um mehr als eine halbe Milliarde Euro an den südafrikanischen Steinhoff-Konzern veräußert hat, mit an Bord sein, versichert Schafferer, ein studierter Jurist. Und Koch war es auch, der Schafferer mit Faymann zusammenbrachte

Große Pläne

Wer den Werdegang des Tirolers studiert, dem drängen sich unweigerlich Parallelen zur Vita des anderen, berühmt gewordenen Innsbrucker Immobilien- Mannes auf: René Benko.

Als Immo-Quereinsteiger hat Schafferer sein Unternehmen ebenfalls extrem jung, mit 27, gegründet. Davor hat er - -ie sein Vater - mit Kunstwerken gehandelt, von Albin Egger-Lienz bis Roy Lichtenstein. "Das ist ein sehr intimes Geschäft", sagt er, "du lernst viele Leute von einer völlig anderen Seite kennen." Unter anderem die Süditroler Holzhaus-Dynastie Rubner, die auch für Schafferers erste Immo-Projekte Geld lockermachte. Noch heute sind die Rubners und Schafferer gemeinsam Gesellschafter im Brenner Outlet Center an der Grenze zwischen Nord-und Südtirol.

Überwiegend ist es aber inzwischen sein eigenes Kapital, das er investiert, versichert der Vater eines kleinen Sohnes -er habe es im Laufe der Jahre durch seine Immobilienaktivitäten schlicht geschickt vermehrt. Im Jahresabschluss der Pema Holding für 2015 hat sich ein Bilanzgewinn von 30,7 Millionen Euro aufgetürmt.

Nicht immer waren seine Projekte von Erfolg gekrönt. Im niederösterreichischen Vösendorf wollte die Pema nach Plänen des Architekten Heinz Neumann einen 160 Meter hohen Büroturm bauen. Der bereits fertig projektierte und von der Gemeinde befürwortete "Südtower" wurde jedoch vom Land zu Fall gebracht. Im Juli gewann Schafferer nun den Schadenersatzprozess und erhielt ein dickes Trostpflaster von 18 Millionen Euro zugesprochen.

Die spektakulärsten Projekte hat die Pema-Gruppe bisher in Innsbruck entwickelt. Etwa den Pema-Turm 1, das erste Hochhaus in der Tiroler Hauptstadt seit den Olympischen Spielen 1976. Derzeit in Bau ist der zweite Pema-Turm (P2), und für den geplanten P3 ist sogar ein 300-Zimmer-Hotel der Kette Motel One vorgesehen -ein für Innsbruck gigantisches Volumen, das erhebliche Widerstände der alteingesessenen Hoteliers hervorgerufen hat.

Doch Schafferer, dessen Pressemann der ehemalige "Tiroler Tageszeitung"- Chefredakteur Frank Staud ist, verfügt über glänzende Kontakte zur Stadtpolitik. Im P2 hat ihm etwa die Stadt bereits eine Fläche von über 4.000 Quadratmetern für die Stadtbibliothek abgekauft. "Ich bin inzwischen der führende Einzelinvestor in der Landeshauptstadt", frohlockt der Immo-Entrepreneur.

Ein weniger glückliches Händchen hatte er in der Personalpolitik. Versuche, Politiker wie den Ex-ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch einzuspannen, zeitigten bisher kaum Wirkung. Rauch steht zwar nach wie vor auf der Payroll von Pema, ist aber kaum aktiv. Die Holding ist personell mit 24 Mitarbeitern extrem schlank aufgestellt. Schafferer gibt auch an, keinen Beirat oder Aufsichtsrat mit prominenten Fädenknüpfern zu brauchen wie Benko, der Gründer der milliardenschweren Signa-Holding. Als Kreativ-Konsulent tritt bei Pema-Projekten immer wieder Andreas Braun in Erscheinung, der frühere Chef der Swarovski-Kristallwelten in Wattens.

Marktbegleiter & Co

Mit dem angesehenen Ettenauer dürften die Chancen, den geeigneten Türöffner am oft holprigen Wiener Parkett gefunden zu haben, nun jedenfalls signifikant gestiegen sein. Ettenauer selbst dekretiert schon einmal, dass "Innsbruck zu klein für die Pema geworden ist". Auch das erinnert an den Werdegang von Benko, der nach dem Kaufhaus Tyrol in Innsbruck das viel diskutierte Goldene Quartier in der Wiener City entwickelt hat.

Den Vergleich mit dem nicht einmal ein Jahr älteren Signa-Boss hört Schafferer übrigens gar nicht gern. Dass das Verhältnis zwischen den beiden Tirolern erheblich unterkühlt sein soll, will er hingegen nicht so stehen lassen: "Er ist einer von vielen Marktbegleitern. Es gibt überhaupt keine Berührungspunkte."

Privat gibt sich der Immo-Entwickler extrem zugeknöpft. Er ist mit einer Italienerin verheiratet und deshalb auch viel in Mailand unterwegs. An der Costa Smeralda in Sardinien besitzt er ein Feriendomizil. "Ich bin ein Tiroler und liebe die Natur", sagt er, und es klingt inmitten der modernen Kunstwerke in seinem Wiener Büro schon fast unwirklich.

Verleihung des trend Austrian Financial Communications Award 2017. V.l.n.r: Franz C. Bauer (trend), Willy van Riet (Finanzvorstand Wienerberger), Klaus Ofner (IR-Chef Wienerberger) und Henning Zülch (Leipzig Graduate School of Management).

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