Westis zweites Leben: Das Enfant terrible
der Politik wird Immobilienmakler

Peter Westenthaler bereitet nach 22 Jahren seinen Ausstieg aus der Politik vor. Vor wenigen Wochen hat er die Prüfung zum Immobilienmakler abgelegt, absolviert nun weitere Kurse und will sich im kommenden Jahr mit einer eigenen Firma selbständig machen. Auch sein Büro hat Westenthaler schon von den BZÖ-Räumlichkeiten nachhause nach Favoriten verlegt. Zum Interview lädt der 42-jährige Wiener nicht in ein Innenstadtcafé, sondern in die Kurkonditorei Oberlaa, nur wenige Minuten von seiner Wohnung entfernt. Im Interview zieht der ehemalige Haider-Pressesekretär und FPÖ-Klubobmann politische Bilanz und verrät seine beruflichen Zukunftspläne.

FORMAT: Herr Westenthaler, Sie bauen sich mit 42 Jahren „einen zweiten Beruf“ neben der Politik auf. Warum ausgerechnet Immobilienmakler?
Westenthaler: Ich habe eine ruhigere politische Phase genutzt, um mich beruflich weiterzubilden. Nach sechs Monaten habe ich fast unbemerkt von der Öffentlichkeit die Immobilienmakler-Prüfung abgelegt. Und jetzt geht es weiter mit den nächsten Kursen.

FORMAT: Wie soll Ihr zweites berufliches Standbein aussehen?
Westenthaler: Ich habe eine klare Vision meiner beruflichen Zukunft. Dabei sind Immobilien nur eines meiner Portfolios. Ich möchte nicht ausschließlich Immobilienmakler werden. Ich habe die Vision, Menschen über Projekte zusammenzuführen. Es gibt ja schon das berühmte Berufsbild des Lobbyisten, das halte ich aber für ausgereizt. Mein Motto wird sein: „connecting people“. Ich möchte dabei helfen, Erfolg zu vermitteln. Dabei sollen zwei oder mehr Menschen zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Bereich zusammengeführt werden. Diese Projektvermittlung soll in vier Bereichen passieren: in der Wirtschaft, in der Managemententwicklung, im Sport und als viertem Bereich in der Immobilienbranche. Das ist die Umsetzung meines persönlichen Netzwerkes, das ich mir in 25 Jahren Politik, Wirtschaft und Sport geschaffen habe. Ich sehe mich in Zukunft als Netzwerker und Vermittler von Erfolg.

FORMAT: Gibt es irgendwelche Reaktionen darauf?
Westenthaler: Seitdem bekannt geworden ist, dass ich jetzt etwas mit Immobilien zu tun haben werde, läutet das Telefon pausenlos. Einige gefinkelte Geschäftsleute aus der Branche wissen genau, dass ich viele Kontakte habe, und wollen die jetzt nutzen. Ich sage dazu: So weit bin ich noch nicht. Ich mache einen Schritt nach dem anderen und werde mich auch weiter spezialisieren. Spätestens 2011 möchte ich dann entweder eine eigene Firma gründen, oder es kommt ein interessanter Unternehmer auf mich zu, bei dem ich mein Netzwerk einbringen kann. Das wird man sehen.

FORMAT: Haben Sie nach 22 Jahren genug von der Politik?
Westenthaler: Nein, nicht grundsätzlich. Aber das Niveau von Parteipolitik wird immer schlimmer. Was ich an der Parteipolitik kritisiere, ist, dass Parteimanager wie Frau Rudas von der SPÖ oder Herr Kaltenegger von der ÖVP am Morgen aufstehen und darüber nachdenken, wie sie den politischen Gegner schlechtmachen können.

FORMAT: Das haben doch gerade Sie auch so gemacht.
Westenthaler: Ja, ich habe das selber viele Jahre mit viel Spaß und Enthusiasmus gemacht, aber ich sehe es nicht als Lebensaufgabe. Es kann nicht erfüllend sein, den anderen immer nur schlechtzumachen. Ich glaube auch nicht, dass das die jetzigen Akteure als Lebensaufgabe sehen. Das ist eine Etappe. Ich habe mich weiterentwickelt, bin reifer geworden, war immer ein flexibler Mensch, und es warten noch spannende neue Aufgaben auf mich. Das hat aber nichts mit Frust über die Politik zu tun. Ich bleibe ja der Politik erhalten, aber nicht auf parteipolitischer Führungsebene. Ich werde Sachpolitik machen und mir daneben ein zweites berufliches Standbein aufbauen. Ich hatte schon einige Jahre die Ehre, bei Magna mit Frank Stronach in eine andere Welt hineinzuschnuppern, und das möchte ich jetzt intensivieren.

FORMAT: Ihr zweites Standbein als Immobilienmakler hat nichts mit Schwierigkeiten mit BZÖ-Chef Josef Bucher zu tun?
Westenthaler: Dieses Gerücht stimmt einfach nicht, ich unterstütze Josef Bucher voll und ganz. Es ist ein beliebtes Spiel in der Politik, dass man Führungskräfte auseinanderdividiert. Das gibt es in der Privatwirtschaft, wo ich mich jetzt sehr wohl fühle, nicht.

FORMAT: Sie haben auch seine Unterstützung?
Westenthaler: Die habe ich, sonst würde er mich nicht in den wichtigsten Gremien der Partei haben wollen. Er könnte auch sagen: „Peter, vielen Dank für deine Mitarbeit. Viel Spaß in der Privatwirtschaft.“ Das tut er aber nicht.

FORMAT: Ihre ehemaligen Regierungskollegen Susanne Riess-Passer und Karl-Heinz Grasser sind auch in die Privatwirtschaft gewechselt und dabei mehr oder weniger erfolgreich. Sind das Vorbilder?
Westenthaler: Ich verstehe mich mit beiden bis zum heutigen Tage gut. Ich habe mir aber abgewöhnt, Vorbilder zu haben. Meine letzten Vorbilder hatte ich als zwölfjähriger Junge. Damals wollte ich noch Fußballer werden, und meine Vorbilder waren Kenny Dalglish, Rob Rensenbrink und Gary Lineker.

FORMAT: Sie verteidigen Grasser gegen die Vorwürfe der persönlichen Bereicherung und Freunderlwirtschaft in den Causen Buwog, Hypo und Meinl. Warum glauben Sie an die Unschuld Grassers?
Westenthaler: Das ist alles Parteipolitik. Karl-Heinz Grasser hat in seinem Leben einen großen „Fehler“ gemacht. Er war Finanzminister einer schwarz-blauen Koalition. Dieses „Verbrechen“ hat die SPÖ ernst genommen und verfolgt ihn daher bis heute. Grasser ist bis heute weder verurteilt, noch kann man ihm irgendetwas vorwerfen. Es wird auch in der Buwog-Causa an ihm nichts hängen bleiben. Ich habe Grasser als jemanden kennen gelernt, der in allen Agenden sehr korrekt gehandelt hat. Davon bin ich überzeugt, und deshalb nehme ich ihn auch jederzeit vor allen Angriffen in Schutz.

FORMAT: Was wird von Ihnen politisch übrigbleiben. Die Halbmonde auf den Gipfelkreuzen?
Westenthaler: Was übrig bleibt, entscheide nicht ich. Aber in einem langen politischen Leben gibt es manche Fettnäpfchen, in die man steigt. Schauen Sie den Vorgänger Faymanns an! Der war nur zwei Jahre Bundeskanzler und ist jeden zweiten Tag ausgerutscht.

FORMAT: Würden Sie auch heute noch sagen, dass 300.000 Ausländer abgeschoben werden sollen?
Westenthaler: Das habe ich auch damals nie so gesagt. Sie werden diese Aussage von mir nicht finden. Ich habe erklärt, dass 30 Prozent der hier lebenden Ausländer in jene Gruppe fallen, die sich nicht integrieren will. Das heißt, die nicht arbeiten wollen, die Sprache nicht lernen wollen und keine Verantwortung übernehmen wollen oder gar kriminell werden. Diese 30 Prozent bereiten den anderen 70 Prozent
Probleme. Ich war der Meinung, dass man diese 30 Prozent fragen muss, ob sie überhaupt hier bleiben wollen. Daraus wurde die Schlagzeile, ich wollte 300.000 Ausländer abschieben. Für mich gibt es den Ausländer nicht. Das ist wie bei den Österreichern: Da gibt es auch gute und schlechte.

FORMAT: Sie sind rechtskräftig verurteilt wegen falscher Zeugenaussage, lassen das Urteil aber beim EuGH anfechten. Sie halten sich für unschuldig?
Westenthaler: Ich habe einige Experten herangezogen, die diese Eingabe beim EuGH für mich gemacht haben und über dieses Urteil den Kopf schütteln. Wenn man sich das nüchtern anschaut, kommt man zu dem Schluss, dass das eine politische Verurteilung war. Das soll sich jetzt der EuGH anschauen, ich bin da sehr gelassen.

FORMAT: Eine andere Affäre ist die „Knie“-Affäre, wo Sie einen Polizisten angefahren haben sollen. Wie steht es damit?
Westenthaler: Seit zwei Jahren werde ich mittels Rufschädigung als jemand hingestellt, der ein schweres Verbrechen begangen haben soll. Mittlerweile weiß ich, dass das Verfahren eingestellt werden soll, weil nix dran ist. Das empfiehlt bereits der zweite mit der Causa befasste Staatsanwalt. Mir ist das ein Rätsel, warum das so lange verschwiegen wird.

– Markus Pühringer

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