Neuer Constantia-Plan: Vergleiche sollen finanzielle Probleme der Immofinanz lösen

Mit einem großen Vergleich will sich Christine de Castelbajac ihrer Immofinanz-Probleme entledigen. CVC soll die Constantia Packaging kaufen, Raiffeisen OÖ bei der AMAG landen.

Am Attersee hält sich Christine de Castelbajac gerne auf. Hier, mit Blick aufs Wasser und auf die Berge, kann die Erbin des Industriellen Herbert Turnauer in Ruhe abwägen, wie sie aus dem belastenden Skandal rund um Constantia und Immofinanz endlich herauskommt. Und, Zufall oder nicht: So wie es aussieht, werden Oberösterreicher im Generalvergleich, den Castelbajac anstrebt, eine zentrale Rolle einnehmen. Geplant ist ein ebenso umfassender wie komplizierter Deal, der neue Eigentümer für die oberösterreichische AMAG und den Verpackungskonzern Constantia Packaging bringen soll: die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB) als Hauptaktionär für den Aluminium-Hersteller in Ranshofen und den britischen Private-Equity-Fonds CVC als Besitzer der börsennotierten Wiener Constantia Packaging.

Der Constantia-Plan
Im Büro von RLB-Chef Ludwig Scharinger will man die Verhandlungen nicht bestätigen – mit Hinweis auf die Verschwiegenheitsklausel. CVC, wo mit Christian Wildmoser ebenfalls ein Oberösterreicher für die Transaktion zuständig ist, ließ eine Anfrage unbeantwortet. Doch FORMAT erfuhr aus Verhandlerkreisen alle Details zum neuen Constantia-Plan. Die Wurzeln für den Deal liegen in der Immofinanz-Krise: Um das Schlimmste zu vermeiden, übernahm Christine de Castelbajac über ihre Holding Constantia BV umfangreiche Haftungen gegenüber der Immoeast (512 Millionen Euro plus Zinsen) und dem Anwalt Rudolf Fries (390 Millionen Euro), einem bei Baden lebenden Oberösterreicher, der in ein Immofinanz-Aktienpaket investierte. Seit Monaten ist die Turnauer-Tochter unter Beschuss. Jetzt wollen sie und ihre Berater reinen Tisch machen.

Komplizierte Konstruktion
Im Detail soll der Vergleich so aussehen: Die BV veräußert ihre 91 Prozent an der Constantia Packaging für 510 Millionen Euro an CVC. Gleichzeitig kauft die Castelbajac-Holding der Packaging aber die AMAG um 408 Millionen ab. 30 Prozent des Aluminiumkonzerns erhält Fries als Kompensation für seine Forderungen gegenüber der BV. 60 Prozent der AMAG gehen für 300 Millionen Euro an die RLB plus einen Partner. Die restlichen zehn Prozent wird weiterhin eine Mitarbeiterstiftung halten. Die Immoeast erhält aus den Verkaufserlösen der BV knapp 170 Millionen Euro in Cash. Des Weiteren überträgt die BV noch 37 Millionen Immoeast-Aktien (aktueller Wert: gut 100 Millionen) und sonstige Vermögenswerte (etwa Bauherrenmodelle) für ebenfalls rund 100 Millionen). Der Schaden für die leidgeprüften Immoeast-Aktionäre würde sich so auf zirka 200 Millionen reduzieren. So steht es in den Konzepten. Aber die Konstruktionen sind kompliziert, entsprechend mühsam die Verhandlungen. Die Fries-Gruppe bestätigt, „dass Vorschläge auf dem Tisch liegen. Entscheidungen werden aber noch dauern.“

Vergleich mit Verspätung
Eigentlich hätte ein Vergleich schon im Mai erzielt werden sollen. Den neuen Plan wollen die Beteiligten nun bis Ende September umsetzen. Die Alternative zu der Einigung wären aufreibende Auseinandersetzungen vor Gericht. Zumindest was die Haftung der BV gegenüber der Immoeast betrifft, hätte Castelbajac laut Insidern zwar recht gute Chancen, einen Prozess zu gewinnen. Aber eine Schlammschlacht will die Millionenerbin vermeiden. Der 62-Jährigen ist es unangenehm, in der Öffentlichkeit zu stehen. Die distinguierte Lady will endlich ihre Ruhe haben. Zudem würden ihr bei diesem Deal noch 177 Millionen Euro bleiben.

Widerstand absehbar
Die Umsetzung des Vorhabens ist in der Tat nicht so einfach wie die Planung auf dem Papier. Denn viele Details sind noch ungeklärt und könnten zu Stolpersteinen beim Verkaufsprozess werden. Martin Hoyos, der Chefberater von Castelbajac, Christian Wildmoser von CVC und Ludwig Scharinger werden noch so manche Gesprächsrunde zum Feintuning absolvieren müssen. Problematisch ist zum Beispiel, dass die AMAG bei der Constantia Packaging mit 535 Millionen Euro in den Büchern steht. Wird das Aluwerk nun deutlich günstiger abgegeben, könnte das die Packaging-Kleinaktionäre auf den Plan rufen. Auch der Vorstand würde Widerstand leisten. Die Constantia BV liefe bei dieser Konstruktion Gefahr, wegen verbotener Einlagenrückgewähr an den Großaktionär belangt zu werden.

Heikle Punkte
Diese Gefahr ist umso größer, als die BV ja Teile der AMAG sofort für einen höheren Preis an Raiffeisen Oberösterreich weiterverkaufen will. „Das wird in dieser Form nicht gehen“, meinen Experten trocken. Ein weiterer heikler Punkt ist eine Hybridanleihe der Constantia Packaging im Volumen von 250 Millionen Euro, die von der RLB gezeichnet wurde. Dieses Geld soll im Zuge der Gesamttransaktion an Scharinger zurückgezahlt werden. Es ist relativ niedrig verzinst, also aus heutiger Sicht kein besonders gutes Geschäft für die Bank. Anders stellt sich die Sache aus Sicht der Packaging-Aktionäre dar. Weil das Hybridkapital so günstig ist, hat diese Finanzierung einen Netto-Barwert. Den zu verschenken könnte unangenehme Fragen in Richtung Schädigung der Gesellschaft aufwerfen.

Weg mit Tücken
Umschiffen ließen sich diese Probleme, indem CVC die Constantia Packaging von der Börse nimmt, bevor die AMAG abgegeben wird. Doch auch dieser Weg hat seine Tücken, nämlich einen möglichen Streit um den Preis, CVC zahlt Castelbajac rund 33 Euro pro Aktie, an der Börse notiert die Packaging derzeit bei 31 Euro. Analysten gestehen der Aktie jedoch einen Wert von 43 Euro zu – und das auf Basis eines erwarteten Nettogewinns von 65 Millionen Euro per Ende 2009, der mit Sicherheit klar übertroffen wird. Und selbst wenn eine Einigung mit den Kleinaktionären gelingt, bleiben immer noch die Banken. Die Constantia Packaging hat bei Bank Austria, Erste und RZB 465 Millionen Euro Schulden. Die werden genau aufpassen, ob das Unternehmen möglicherweise ausgeräumt wird. Auf der anderen Seite drücken CVC und Scharinger aufs Tempo. Der britische Investmentfonds hat Angst, die Zeit für den Deal könnte ihm davonlaufen. Seit klar ist, dass Castelbajac bereit ist, komplett aus der Packaging auszusteigen, melden sich auch andere Interessenten – unter anderem die Abu Dhabi Investment Company (ADIC).

Scharingers Vorteile
Ludwig Scharinger will gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens kann er die 250 Millionen Euro Cash aus der Hybridanleihe gut gebrauchen. Zweitens will er sich als Mann feiern lassen, der die AMAG für Oberösterreich gerettet hat – und das am besten noch vor der Landtagswahl am 27. September. 2006, als ebenfalls ein Eigentümerwechsel bei der AMAG anstand, sagte Scharinger, die RLB sei zur Stelle, wenn sie gebraucht werde. Nicht zuletzt, weil 80 Prozent der AMAG-Mitarbeiter ein Konto bei Raiffeisen haben. Drittens ist Scharinger mit CVC-Manager Wildmoser gut bekannt. Dessen Bruder Gerhard Wildmoser ist ein erfolgreicher Linzer Anwalt und Intimus des Bankers. Castelbajac hätte auch eine Alternative, wenn die Sache mit der Oberösterreich-Connection scheitert. Sie könnte Fries auch 20 Prozent der Constantia Packaging geben – und 20 bis 30 Prozent des Verpackungskonzerns an der Börse verkaufen, um damit die 170 Millionen Euro für die Immoeast zu erlösen. Der höhere Streubesitz bei der Constantia Packaging würde sich dann positiv auf den Aktienkurs auswirken. Und Christine de Castelbajac würde noch 40 bis 45 Prozent besitzen.

Von Miriam Koch, Andreas Lampl

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff