Millionen-Streit in der Immofinanz: Weitere Manager in Immoeast-Geldflüsse verwickelt?

In die dubiosen Geldflüsse rund um die Immoeast dürften auch bislang unbescholtene Immofinanz-Manager verwickelt sein.

Christine de Castelbajacs Glaube an das Gute dürfte in den vergangenen Wochen ziemlich erschüttert worden sein. Die 61-jährige Turnauer-Erbin sieht sich derzeit nämlich als eine der Hauptgeschädigten in der Affäre rund um die Constantia Privatbank (CPB) und die Immofinanz-Gruppe. Sie sei jahrelang falsch oder gar nicht informiert worden, ließ sie jetzt erstmals über ihren Sprecher Alfred Autischer wissen. Und es sei nicht auszuschließen, dass das Vermögen ihrer Holding, der Constantia B.V., dadurch nun gefährdet sei.

Castelbajac prüft Klagen
Ob dies wirklich eintritt, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Castelbajac kündigte aber bereits an, Klagen gegen den ehemaligen CPB- und Immofinanz-Chef Karl Petrikovics zu prüfen. FORMAT konnte dabei aber ein brisantes Detail in Erfahrung bringen: Neben Karl Petrikovics sollen angeblich bei den dubiosen Geldflüssen rund um die Immofinanz-Tochter Immoeast auch die bisher unbescholtenen, noch amtierenden Immofinanz-Vorstände Christian Thornton und Edgar Rosenmayr verwickelt sein.

Rad im Milliardenkarussell
Das wichtigste Rad im Milliarden­karussell rund um die schwer angeschlagene Immofinanz und die Constantia Privatbank (CPB) ist derzeit eine Gesellschaft namens Immofinanz Beteiligungs AG (IBAG). Die Immofinanz-Tochter Immoeast hat bei der IBAG ursprünglich 900 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung im Mai 2007 veranlagt, jetzt sind noch 520 Millionen Euro offen. Dieses Geld be­findet sich aber nicht mehr bei der IBAG. Die Constantia B.V. hat im August für das Geld eine Haftungserklärung abgegeben. Für die offene Forderung will sie jetzt aber nicht aufkommen. Die Erklärung sei rechtswidrig zustande gekommen, so das Argument. Nur wenn die Immoeast erfolgreich klagt, müsste die Constantia B.V. und damit Castelbajac tatsächlich ­dafür zahlen.

Suche nach 520 Millionen
Wo das Geld derzeit liegt und wofür es verwendet wurde, ist noch unklar. Diese Woche räumten der bereits zurückgetretene Vorstand der IBAG, der frühere Notar Gerhard Pauser, sowie dessen Aufsichtsrat, der ehemalige Raiffeisen-Banker Helmut Falschlehner, ein, dass sie von der millionenschweren Überweisung der Immoeast an die IBAG und deren Weiterüberweisung nichts gewusst hätten. Falschlehner erklärte mehrmals, dass die Geschäfte vom ehemaligen CPB-Vorstand Karl ­Petrikovics ausgegangen sein müssten. Nun bestreitet Petrikovics dies gegenüber FORMAT: „Ich habe keine Kontobewegungen bei der IBAG veranlasst. Diese Buchungen konnte nur ­jemand machen, der zeichnungsberechtigt war.“ Damit belastet Petrikovics seine ehemalige rechte Hand, den jetzigen Immofinanz-Vorstand Christian Thornton. Denn neben IBAG-Vorstand Pauser ist nur Thornton Zeichnungsberechtigter der IBAG-Konten. Der will sich dazu noch nicht äußern.

Liechtensteinische Eigentümerin
Thornton dürfte aber mehr wissen, als bislang bekannt: Er sitzt nämlich als Geschäftsführer in mehreren IBAG-Töchtern. Außerdem vertrat der 39-Jährige bei der letzten Hauptversammlung der IBAG die liechtensteinische Stephanie Stiftung, die neben der Camilla Stiftung Eigentümerin der IBAG ist.
Wer hinter den Muttergesellschaften der IBAG steht, will Thornton nicht sagen. Christine de Castelbajac ließ diese Woche erstmals durch ihren Sprecher Alfred ­Autischer ausrichten, dass weder sie noch die Constantia B.V. Begünstigte dieser Stiftungen sind. Angeblich wurden die Privatstiftungen von einem Vertrauten von Castelbajacs Vater Herbert gegründet. Nach Castelbajacs Wissensstand hätten die Stiftungen gemeinnützige Zwecke.

Darlehen wird geprüft
Unklarklarheit besteht auch bei den Details zu dem 1,8 Milliarden Euro schweren Dalehen, das die Immoeast der Immofinanz im Frühjahr 2007 gewährte. Die damaligen Vorstände der Immoeast – Petrikovics, Thornton und Rosenmayr – tätigten diese Transaktion angeblich am Aufsichtsrat vorbei. „Dieses Darlehen wird noch zu prüfen sein“, heißt es dazu aus der Immofinanz. Rücktrittsreif dürfte Thornton aber dennoch noch nicht sein. „Christian Thornton bleibt“, heißt es dazu von Immoeast-Aufsichtsratschef ­Michael Knap. Ob Thornton und Rosenmayr ihr angebliches Wissen mit dem neuen Immo­finanz-Vorstand Thomas Kleibl teilen, ist nicht überliefert. Kleibl versucht, die schwer angeschlagene Immobiliengruppe zu retten und die Millionen aus der An­leihe zu finden. Demnächst will das Immofinanz-Management eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermitteln, in der es um die Immoeast-Anleihe geht. Brisantes Detail: Bei der Staatsanwaltschaft Wien gingen in den letzten Wochen mehrere, teils anonyme Anzeigen in dieser Causa ein.

Klage gegen Immoeast
Parallel dazu verhandelt Kleibl mit einem Bankenkonsortium, wo auch Morgan Stanley mit an Bord geholt wurde. In den nächsten Wochen soll ein Plan zur Kreditrückführung vorgelegt werden.
Der Prozessfinanzierer Advofin indes wird nun definitiv eine Klage gegen die Immoeast wegen Täuschung, Irreführung und Vertragsverletzung einbringen. Advofin-Chef Franz Kallinger hat bereits seine Argumentation: In der Satzung der Immoeast steht, dass die Immoeast keine Bankgeschäfte tätigen darf. Advofin-Chef Kallinger: „Die Gewährung eines Darlehens widerspricht diesem Punkt.“

Von Barbara Nothegger

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