Dichand: Bewertung von Kunst & Immobilien verzögert das Verlassenschaftsverfahren

Das Verlassenschaftsverfahren nach Hans Dichands Tod wird viel Zeit kosten. Die Bewertung der Kunstsammlung und die Aufteilung der Immobilien werden noch für heiße Diskussionen im Clan sorgen.

Auf Ulrich Klimscha kommt viel Arbeit zu. Der Döblinger Notar soll sich in den nächsten Monaten um einen ebenso prominenten wie komplizierten Nachlass kümmern: das Erbe des Hans Dichand. Als Gerichtskommissär ist er für die Ermittlung der Erben, die Erhebung des Vermögensstandes und die Durchführung des gesamten Verlassenschaftsverfahrens zuständig.

Nur eine Woche nach dem Tod des „Krone“-Gründers steht fest, dass Klimschas Job nicht leicht sein wird. Denn der im Alter von 89 Jahren verstorbene Dichand hinterlässt nicht nur den Hälfteanteil an der größten Tageszeitung Österreichs, sondern auch eine teure Kunstsammlung und mehr als ein Dutzend Immobilien. Verteilungskämpfe um das auf mehr als 500 Millionen Euro geschätzte Vermögen sind vorprogrammiert.

Zumindest die Erben stehen fest. An erster Stelle steht Dichands 73-jährige Ehefrau Helga, gefolgt von den Kindern Michael, Johanna und Christoph. Sie alle hat der Patriarch im Testament bedacht.

Tatsächlich hat Dichand für die Zeit nach seinem Ableben vorgesorgt. Ein Beleg dafür sind etwa die „Krone“-Syndikatsverträge mit dem deutschen Medienriesen WAZ, dem 50 Prozent der „Krone“ gehören. Dort steht zwar geschrieben, dass mit dem Tod Dichands dessen fixer „Vorweggewinn“ von zuletzt 708.000 Euro im Monat gestrichen wird. Doch zahlen muss die WAZ auch weiterhin. Denn anstelle der Vorschussdividende tritt eine ergebnisabhängige „Mindestgarantie“ ein. Die liegt zwischen 1,5 und 3 Prozent des Gruppenumsatzes und sichert der Erbgemeinschaft aktuell rund fünf Millionen Euro Cash im Jahr. Zahlungen aus der „Mindestgarantie“-Klausel erfolgen monatlich und dürfen frühestens im Jahr 2017 eingestellt werden, geht aus dem 1987 abgeschlossenen WAZ-Kontrakt hervor.

Christoph soll allein herrschen

Per Notariatsakt designierte der alte Herr seinen jüngsten Sohn Christoph als seinen Nachfolger im Boulevardblatt. Bei der Gründung der Dichand Medienbeteiligungs GmbH (DMG) im Juni des Vorjahres wies Dichand seinem 45-jährigen Sohn Christoph eine Sonderstellung unter den DMG-Gesellschaftern zu, wie FORMAT vergangene Woche exklusiv berichtete. Er wählte ihn als Alleingeschäftsführer aus. Die Personalie ist beachtenswert, weil die DMG künftig die 50 Prozent an der „Krone“ (Wert: 160 bis 200 Millionen Euro) sowie die Beteiligung am Radiosender „Krone Hit“ halten wird. Denn Helga, Johanna und Michael Dichand sollen sich darauf geeinigt haben, ihre geerbten „Krone“-Anteile in die DMG einzubringen und Christoph als Familiensprecher gegenüber der WAZ einzusetzen. Seinen ersten Auftritt in seiner neuen Rolle wird Christoph Dichand am 14. Juli haben, wenn der Gesellschafterausschuss tagt. Dort will er auch das Angebot an die WAZ, die „Krone“-Anteile zurückzukaufen, erneuern.

Sowohl die Raiffeisen-Gruppe unter Christian Konrad als auch ein Konsortium aus Wiener Städtische Versicherung und Erste Group haben den Dichands bereits mehrfach signalisiert, als Partner bei dem Deal zur Verfügung zu stehen.

Die einvernehmliche Vorgangsweise der drei Geschwister im Zusammenhang mit der „Krone“ darf aber nicht über Meinungsverschiedenheiten bei der Aufteilung des restlichen Dichand-Erbes hinwegtäuschen. So empfindet sich die 46-jährige Johanna als legitime Erbin der kolossalen Kunstsammlung. Als frühere Leiterin der Galerie Würthle teilte sie nicht nur die Leidenschaft ihres Vaters, sondern stand ihm auch bei Kunstauktionen zur Seite.

Kolossale Kollektion

Über Jahrzehnte entstand so eine der bedeutendsten Gemälde-Kollektionen des Landes, die von Albin Egger-Lienz über Alfred Kubin bis hin zu Egon Schiele alle bedeutenden Künstler der klassischen Moderne umfasst. Für den Verlassenschaftsnotar wird es nicht leicht sein, den wahren Wert des Kunstportfolios zu ermitteln. Die Schätzungen schwanken stark zwischen 150 und 250 Millionen Euro. Fakt ist: In der Sammlung schlummert viel Geld, wie am Beispiel des Gemäldes „Danae“ (1907) deutlich wird. Das Hauptwerk von Gustav Klimt wird mit
40 Millionen Euro taxiert.

Erschwerend für den Schätzgutachter kommt hinzu, dass die Kunstwerke auf mehrere Standorte verstreut sind und ein vollständiges Inventar fehlt. Die lückenlose Katalogisierung wird wohl noch viel Zeit in Anspruch nehmen.

Unkomplizierter scheint es, den Immobilienbesitz zu erheben, der weit mehr als 100 Millionen Euro auf die Waage bringen soll. Der ist vollständig dokumentiert. In Österreich verfügt Hans Dichand laut Grundbuch etwa über eine 15.344 Quadratmeter große Latifundie in Schrötten in der Steiermark. Außerdem besitzt er rund 8.000 Quadratmeter Grund in Wien-Döbling, wo er mehrere Villen sein Eigen nennt. „Ihm gehört die halbe Kaasgrabengasse“, sagt ein prominenter Dichand-Nachbar. Ein edles Anwesen an der Costa Smeralda auf Sardinien, eine Wohnung in Paris, ein Feriendomizil in Lech am Arlberg und ein Attersee-Grundstück, wo die Präsidentenfamilie Waldheim Zaunnachbar ist, stehen ebenfalls in Dichand-Besitz.

Doch einen Großteil seines Immobilienvermögens hat Dichand bereits zu Lebzeiten überschrieben. Beispielsweise stehen die drei Dichand-Kinder bei sechs Seegrundstücken („Am Ufer“) in der Gemeinde Nussdorf am Attersee zu gleichen Teilen im Grundbuch. Damit er auch nach der Eigentumsübertragung an Christoph und Co seiner Segelfreude nachgehen konnte, ließ er ein lebenslanges „Fruchtgenussrecht für Hans und Helga Dichand“ (Grundbuch) eintragen.

Zweifellos dürfte Ehefrau Helga den Löwenanteil erben. Für den Fall eines nicht gänzlich auszuschließenden Erbstreits kann ihre Meinung viel Gewicht haben – und möglicherweise die Machtverhältnisse im Dichand-Clan ändern. Bis dato waren Christoph Dichand und seine Ehefrau Eva die Lieblinge des alten Herrn. Witwe Helga favorisiert hingegen den 48-jährigen Michael. Und der soll, so ist zu hören, nicht abgeneigt sein, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Ashwien Sankholkar

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff