Sind Roboter die besseren Immobilienmakler?

Sind Roboter die besseren Immobilienmakler?

Chatbots sind die Verkäufer der Zukunft: Die Programme chatten über Skype oder Facebook Messenger mit den Kunden und greifen dabei auf gewaltige Datenmengen zu - so können sie etwa Immobilien verkaufen, Jobs vermitteln oder das trendigste Cafe der Stadt ausfindig machen. Wien entwickelt sich zum europaweiten Hotspot dieser neuen Technologie.

Mica ist eine schwarze Katze mit Hipster-Brille und Schnurrbart. Wer mit Mica über Skype oder im Facebook Messenger chatted, der kann sie nach den lässigsten Cafes und Bars fragen – da Mica ein echtes Hipster-Tier ist, schickt sie sogleich Links zu angesagten Locations der Stadt.

Mica ist ein sogenannter Chatbot. Darunter versteht man eine Software, die mit Hilfe von Kurmitteilungsdiensten wie WhatsApp, Skype oder dem Facebook Messenger auf Fragen der Nutzer vorprogrammierte Antworten gibt. Das Wissen der Bots stammt aus dahinterliegenden Datenbanken – Mica zum Beispiel durchforstet auf der Suche nach hippen Lokalen den Datenfundus entsprechender Bewertungsplattformen.

In diesem Video wird anschaulich gezeigt, wie ein Gespräch mit Mica, der Hipster-Katze, abläuft.

In der IT-Branche haben Chatbots eine neue Goldgräberstimmung ausgelöst, viele Marktteilnehmer sehen in ihnen ein ähnliches Potenzial wie einst in der App-Ökonomie. „Die Nutzung von Computer, Handy und Internet wird sich mit Chatbots für jeden fundamental verändern“, sagt etwa Microsoft-Chef Satya Nadella: „Computer werden die menschliche Sprache beherrschen und Lösungen bieten. Die Sprache wird die neue Schnittstelle.“

zoomBot: Ein Roboter sucht die richtige Immobilie

So setzt auch das auf Immobiliensuche spezialisierte Wiener Start-up Zoomsquare auf die neue Technologie: Mit dem „zoomBot“ will das Team nichts Geringeres tun, als „die Wohnungssuche im Netz drastisch zu verändern“. Dazu schließen Facebook-Nutzer mit dem zoomBot eine virtuelle Freundschaft ab, nennen ihm Details zu ihrer Wunschimmobilie – etwa Größe, Lage und Preis – und bekommen anschließend entsprechende Angebote von ihm geliefert.

Zoomsquare-Gründer Andreas Langegger betont, dass sich der zoomBot in seiner aktuellen Form noch in einer Beta-Phase befindet und weiter ausgebaut wird: „Unser Ziel war es, aus mehreren Gründen frühestmöglich am Markt zu sein,“ sagt er, unter anderem mit Blick auf den stark umkämpften Markt der Online-Immobilienvermittlung: „Wir sehen riesiges Potential in Bots. Fast noch wichtiger aber, mit jedem einzelnen Suchenden und jeder Anfrage lernt der zoomBot dazu, erkennt Ähnlichkeiten, Zusammenhänge und arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten. Er wird also dank bestimmter Algorithmen und Machine Learning immer besser.“

Wien, die Chatbot-Hauptstadt

Der Standort Wien hat in Sachen Chatbots nach Ansicht der hiesigen Community europaweit die Vorreiterrolle übernommen. Deutlich wird das unter anderem durch weitere Projekte, die in den vergangenen Monaten entstanden sind: Ähnlich wie Mika, die Hipster-Katze, und zoomBot, der digitale Immobilienmakler, hilft der Chatbot von Hokify bei der Jobsuche, und der trend@venture2016-Gewinner Swell hilft seine Kunden per Chatbot, die richtigen Entscheidungen im Alltag zu treffen.

„Es gibt hier verhältnismäßig die meisten Early Adaptors im Bereich Chatbots und Messaging-Plattformen“, sagt David Pichsenmeister, Co-Founder des Start-ups oratio, über den Standort Wien. Oratio bietet eine Plattform an, die es Unternehmen ermöglicht, Kundensupport über Messenger wie WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram oder Kik anzubieten. In weiterer Folge ist es dann auch möglich, eCommerce-Shopsysteme mit oratio zu verbinden, um Artikel automatisiert über Messenger zu verkaufen.

Durch Maßnahmen wie den europaweit ersten "BotsHackathon", der "ChatbotConf" im Oktober 2016 wird den Branchenvertretern zufolge weiter an dieser Führungsrolle gearbeitet. Laut Jakob Reiter, Co-Organisator des Vienna BotsMeetup, wächst in Wien dieser Tage ein komplettes Bot-Ökosystem: „Dank gerade entstehender Chatbot-Inkubatoren und Accelerator-Programmen wird weitere, notwendige Expertise für die erste Welle der Artifical Intelligence-Revolution nach Wien geholt und von hier aus mitentwickelt,” sagt er. Ein Beispiel dafür ist lemmings.io - das weltweit erste Chatbot-Inkubator-Programm, das ebenfalls in Wien angesiedelt ist.

Eine Frage der Sicherheit

Auffallend ist bei all dem, dass vor allem junge Unternehmen auf die neue Technologie setzen – bei Österreichs etablierten Banken und Versicherungen sind die digitalen Berater derzeit noch Mangelware. Hintergrund dessen könnte unter anderem sein, dass die Konzerne entsprechende Sicherheitsbedenken hegen. Unter anderem hatte vor ein paar Monaten Candid Wüest, Sicherheits-Experte bei Symantec, vor einem Missbrauch durch Kriminelle gewarnt: Würden Kunden etwa einem falschen Bot vertrauen und diesem ihre Kontodaten anvertrauen, so wären diese im Nu in den Händen der Cyber-Verbrecher. Hier seien die Betreiber der Kurmitteilungsdienste in der Pflicht, für die Sicherheit der Nutzer zu sorgen, so Wüest: Denn die Menschen müssten erst das nötige Gefühl für Sicherheit und Warnzeichen in dem für sie neuen Geschäftsumfeld entwickeln.

Indes feilen Jungunternehmer bereits am nächsten Entwicklungsschritt, wie Felix Häusler, Geschäftsführer des Wiener Start-ups Grape erläutert: Mit der vom Team entwickelten Lösung namens "NLP (Natural Language Processing)" kann eine Software die natürliche Sprache von Menschen innerhalb von Firmenchats verstehen und daraufhin die richtigen Handlungen setzen - also zum Beispiel Aufgaben in den Terminkalendern der Mitarbeiter koordinieren oder das richtige Dokument aus einem Cloud-Speicher suchen. Damit wird der intelligente Chat-Partner nicht nur für den Vertrieb eine interessante Lösung - sondern auch als Assistent im alltäglichen Büro-Chaos.

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