Leitgeb und die Immofinanz – Der späte Fluch der Villa Esmara

Leitgeb und die Immofinanz – Der späte Fluch der Villa Esmara

Es war eine fürstliche Sause über den Dächern von Monte Carlo. Zur Eröffnung des "Champ Fitness“ im April 2003 kam Albert Grimaldi, der heutige Fürst von Monaco, um Königsmuscheln und Champagner zu schlürfen. Do&Co-Chef Attila Dogudan sorgte persönlich für das leibliche Wohl der erlauchten Gäste, darunter die Formel-1-Legenden Niki Lauda und Gerhard Berger.

Als Ex-Tennis-Champ Thomas Muster die neuen Beinpressen in der Villa Esmara testete, standen dessen früherer Manager Ronnie Leitgeb und der damalige Immofinanz-Boss Karl Petrikovics stolz dabei. Die Immofinanz hatte den Wellnesstempel in der Rue Roquebrune umgebaut und um 32.000 Euro pro Monat an Leitgeb vermietet. Diesen Deal feierten Petrikovics und Leitgeb damals groß.

Zehn Jahre später beschäftigt das spektakuläre Immobiliengeschäft an der französischen Riviera Staatsanwälte und Kriminalpolizisten in Wien. Die Soko Constantia, die mit der Aufarbeitung der Immofinanz-Affäre betraut ist, prüft fragwürdige Immofinanz-Provisionen an Leitgeb in der Höhe von 800.000 Euro. "Das Verfahren ist nicht abgeschlossen“, sagt Staatsanwalt Thomas Vecsey und bestätigt: "Ronald Leitgeb wird als Beschuldigter geführt.“

Die brisanten Vorwürfe gegen den Präsidenten des Österreichischen Tennisverbandes werden im FORMAT exklusiv vorliegenden Polizeibericht vom 29. Oktober 2009 beschrieben. Leitgebs Not wurde durch Hubert Griessnig und Martin Schweiger ausgelöst. Die beiden Ex-Immofinanz-Mitarbeiter brachten die Justiz 2009 auch auf die Spur der Buwog-Provisionen der Immofinanz für Peter Hochegger, Walter Meischberger und Ernst Plech. Darum werden sie ernst genommen.

"Herr Leitgeb hätte das Objekt mieten sollen, hat aber nicht sehr oft Miete gezahlt“, heißt es im Polizeibericht. "Die Immofinanz hätte sich dann bemüht, das Objekt notgedrungen zu verkaufen, um Schaden zu minimieren.“ Der Verkauf war Ende 2006. Nur durch Zufall hörten Griessnig und Schweiger was danach geschah: "An Herrn Leitgeb soll eine Vermittlungsprovision bezahlt worden sein, wovon er die rückständige Miete bezahlt haben soll.“

Dem Vorwurf widerspricht Ronnie Leitgeb gegenüber FORMAT: "Es wurden alle Mieten bezahlt. Insgesamt 842.464,50 Euro bis August 2006, sowie alle Betriebskosten. Darüber hinaus hat die Immofinanz eine Bankgarantie von mir bekommen.“ Dass er einen Großteil verspätet bezahlt hat, verschweigt er.

So erinnert sich die mit der Abwicklung betraute Ex-Immofinanz-Managerin Andrea Herbeck laut Polizeibericht: "Seit Mai 2005 wurde die Miete nicht bezahlt. [...] Der Mietzinsrückstand betrug damals rund 300.000 Euro.“ Außergewöhnlich daher: Wahlmonegasse Leitgeb wurde trotz vieler Zores von der Immofinanz mit der Käufersuche betraut. Ende 2006 vermittelte Leitgeb den Schweden Frederik Halmström, der 5,6 Millionen Euro für Esmara anbot. Immofinanz feierte das als tolles Geschäft. Herbeck laut Polizeibericht: "Im Zuge der Endabrechnung ergab sich für Leitgeb ein Anspruch gegenüber der Immofinanz von 800.000 Euro. [...] Es handelte sich um eine berechtigte Provision.“

"Die Immofinanz hat mir keine Provision bezahlt“, betont Leitgeb. Er habe ein "vertragliches Vorkaufsrecht“ gehabt, die Immobilie um 4,8 Millionen Euro zu erwerben. Das habe er ausgeübt.

Wie er dieses Vorkaufsrecht erhielt, wird untersucht. Zumal im Dezember 2005 Immofinanz-intern die Kosten für Villa Esmara mit 5,59 Millionen Euro kalkuliert wurden. Auch Halmströms Preis lag nur knapp drüber. Karl Petrikovics, der als Beschuldiger geführt wird, wusste das -und fand nichts dabei.

Promischreck Sackmann

Aus Ermittlersicht ist die Sache dubios. Ein börsenotiertes Unternehmen betraut einen säumigen Geschäftspartner damit, einen komplizierten Immobiliendeal abzuwickeln und bezahlt ihn auch noch großzügig. Volkert Sackmann, Staatsanwalt und Promischreck, findet das ungewöhnlich. Darum wird nachgebohrt. Für Leitgeb ist das der späte Fluch der Villa Esmara.

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