CSI: Constantia: Forensic Accounting Team prüft CBP-Immofinanz-IBAG-Konglomerat

Ein Expertenteam für Forensic Investigations stellt die Constantia Bank samt Immofinanz komplett auf den Kopf. Der Auftrag: verschwundenes Geld finden und mögliche Rechtsbrüche der Vergangenheit aufdecken.

Wirtschaftskriminalität ist ihre Spezialität. Für ­Dorotea-Elisabet Rebmann, die Leiterin der Abteilung Forensic Accounting & Investigations beim Wirtschaftsprüfer PwC, sind Anlegerbetrug, ­illegale Schmiergeldzahlungen und Veruntreuung von Firmenvermögen das tägliche Geschäft. Dieser Tage landete ein neuer Fall auf dem Tisch der Juristin: die Suche nach verschollenen 520 Millionen Euro. An drei Schauplätzen hat Rebmanns dreiköpfiges Expertenteam die Arbeit bereits begonnen: in der Constantia Privatbank (CPB), der Immofinanz-Gruppe und der ominösen Immo­finanz Beteiligungs AG (IBAG).

Verspekulierte Aktionärsgelder
Die Ermittler von „CSI: Constantia“ prüfen nicht nur die dubiosen Geldflüsse innerhalb der Gruppe. Auch die Rolle früherer Vorstände und Aufsichtsräte wird genau unter die Lupe genommen. Die Auftraggeber dafür sind die fünf Großbanken, welche die CPB übernahmen, um sie vor dem Aus zu retten. Betroffen sind etwa Ex-CPB-Präsident Prinz Michael von und zu Liechtenstein oder Guido Schmidt-Chiari, der Vertraute der bisherigen CPB-Eigentümerin Christine de Castelbajac. „Es gibt viele Hinweise, dass mit Aktionärsgeldern privat spekuliert wurde“, sagt ein in die Causa involvierter Banker: „PwC soll die Beweise liefern.“ Strafrechtlich Relevantes, das Rebmanns Spürnasen ans Tageslicht bringen, soll umgehend an die Staatsanwaltschaft Wien weitergeleitet werden, die bereits seit Wochen ermittelt.

900-Mio-Kredit im Ermittlungsfokus
Im Zentrum der Investigationen steht jener Kredit über 900 Millionen Euro, den die börsennotierte Immoeast der IBAG eingeräumt hat. Die PwC-Ermittlungen erhärten nun, was FORMAT vor mehreren Wochen exklusiv berichtet hat: dass die Gelder offenbar größtenteils zum Kauf von Aktien der Immoeast (oder Immo­finanz) verwendet und auf verschiedene CPB-Töchter verteilt wurden. Drei dieser Gesellschaften wurden im Februar an das Investorenduo Rudolf Fries und Walter Scherb veräußert. Mit dem Erlös wurde ein Teil des Immoeast-Darlehens getilgt. Offen blieb eine Schuld der IBAG von 520 Millionen Euro.

Kursziel: null Euro
Dieses Geld dürfte nun aber endgültig weg sein, weil die ­Immo-Papiere aktuell nichts mehr wert sind. Das Investmenthaus Kempen & Co empfiehlt die Immoeast selbst beim aktuellen Kurs von 35 Cent noch zum Verkauf. Das Kursziel im neuesten Company-Report von Kempen: null Euro. Die Behauptung von Exvorstand Karl Petrikovics, dass die Immoeast nicht um ihr Geld bangen müsse, weil die 520 Millionen Euro durch eine Garantieerklärung der Constantia B.V., der Holding von Christine de Castelbajac, abgesichert sind, wird von den Prüfern ebenfalls infrage gestellt, denn diese Haftung soll alles andere als sicher sein. Die Constantia B.V. wird jedenfalls nicht zahlen und lässt es auf eine Klage ankommen. „Die Erklärung ist widerrechtlich zustande gekommen und daher nichtig“, sagt ein Castelbajac-Sprecher.

Fragwürdige Garantien
Tatsächlich steht die Garantie auf wackeligen Beinen. Ers­tens ist unklar, ob die Schulden überhaupt bei der IBAG entstanden sind. Entsprechende Organbeschlüsse über die Aufnahme des Kapitals fehlen. Zweitens steht nicht fest, wer die Haftungserklärung überhaupt unterschrieben hat und ob sie auch gültig ist. Das von IBAG-Aufsichtsrat Christian Nowotny verfasste Papier weist zwar eine Unterschrift auf, doch die ist unleserlich. Auch der Name des Unterzeichnenden fehlt. Ob die Person überhaupt zeichnungsberechtigt war, steht auch in den Sternen. Diese fragwürdige Garantieerklärung bildet aber die Grundlage für das KPMG-Testat für die Immoeast-Bilanz 2007. Ohne Garantie hätte die KPMG die Bilanz nicht bestätigt. Bilanzprüfer Helmut Kerschbaumer ist auf Tauchstation gegangen. Eine FORMAT-Anfrage blieb bis ­dato unbeantwortet.

Prinz Michael steht hinter Stiftungen
Sollten die Nachforschungen ergeben, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, steht Immoeast-Prüfer KPMG vor einem Problem: nämlich, eine fragwürdige Garantie zur Bilanzrettung akzeptiert zu haben. In der Bawag-Affäre wurde das dem Bilanzprüfer vorgeworfen. Zur Erinnerung: Damals rettete der ÖGB die Bawag mithilfe einer Garantievereinbarung vor dem Crash. Abgenickt wurde die wackelige Bawag-Bilanz von der KPMG.
Auf der Spurensuche wurden die Wirtschaftsdetektive von PwC bereits auf ein wichtiges Indiz aufmerksam. Aus den in der Bank sichergestellten Unterlagen geht zweifelsfrei hervor, dass die beiden IBAG-Eigentümer, die liechtensteinischen Stiftungen Camilla und Stephanie, von einem Mann kontrolliert werden: Prinz Michael von Liechtenstein. Denn von seinem Industrie- und Finanzkontor in der Vaduzer Herrengasse 21 werden die zwei Stiftungen betreut.

Private Verwicklungen
Für den öffentlichkeitsscheuen Prinzen und andere Involvierte könnte es noch recht heikel werden. Aus Kreisen der neuen CPB-Eigentümer – Bank Austria, Erste Bank, RZB, Volksbanken AG und Bawag-PSK – ist zu hören, dass frühere Organe von Constantia Bank, Immofinanz und Immoeast privat in die Affäre verwickelt sein könnten. Die Spürhunde von PwC, aber auch der Staatsanwalt gehen diversen Gerüchten nach. Eines lautet, dass die IBAG mit dem Geld der Immoeast nicht nur Aktien von der Börse, sondern auch aus privaten Beständen von Organen erworben hat. Außerdem wird in Finanzkreisen gemunkelt, dass frühere Aufsichtsräte und Vorstände möglicherweise privat Immobilien gekauft bzw. entwickelt – und dann an die Immofinanz weiterverkauft haben.

Constantia Packaging wird verkauft
Auch die Deals der Ex-Immofinanz-Manager Karl Petrikovics und Christian Thornton sollen überprüft werden, ebenso jene der Exaufsichtsräte Schmidt-Chiari und Erhard Schaschl sowie der Castel­bajac-Vetrauten Liechtenstein und Helmuth Schwager. Letzterer hat bereits Konsequenzen zu tragen. Schwager ist auch Vorstand der Constantia Packaging. Aber nicht mehr lange. Laut FORMAT-Informationen muss er den Sessel per Jahresende aufgeben. „Abschied in den Ruhestand“, wird es offiziell heißen. Inoffiziell dürfte er auf Druck der empörten Castelbajac gehen. Schwager saß im Namen der Turnauer-Erbin in den Aufsichtsräten von Immofinanz und Immoeast.

Auffällige Deals unter der Lupe
Der Wirtschaftsprüfer PwC wird demnächst auch bei Immofinanz und Immoeast aktiv werden. Gemeinsam mit den ­Bilanzexperten der KPMG wird für den neuen Boss Thomas Kleibl ein Statusbericht samt Fortbestandsprognose erstellt. Zudem verlangen die Banken einen Tilgungsplan für bald fällige Kredite und eine Liste der Projekte, die kurz vor der Fertigstellung sind. Das Team von Dorotea-Elisabet Rebmann soll aber auch auffällige Deals vor allem in Osteuropa unter die Lupe nehmen. Darunter das Shoppingcenter Rostokino in Moskau. Der inkriminierte Sachverhalt: Im November 2006 übernahm die Immoeast Anteile an einer zypriotischen Gangaw Investments Limited und entwickelt seither gemeinsam mit einem georgischen Partner das 1,3 Milliarden Euro schwere Rostokino-Projekt. Im Zuge der Übernahme soll der Verkäufer einen Vorabgewinn in branchenunüblicher Höhe erhalten haben.

Festplatten- und Email-Überprüfung
Diese Woche wird Rebmann mit dem Neo-Chef der Constantia Bank, Andreas Grünbichler, zusammentreffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine Reihe von Konten soll nach verdächtigen Transaktionen gescannt werden. Ein Teil der Arbeit wurde bereits von der internen Bankrevision erledigt. Die Erhebungen von Rebmann gehen aber noch weiter: Festplatten, Handy-Gesprächsprotokolle und Firmenprotokolle sowie der gesamte auf dem Server gespeicherte E-Mail-Verkehr sollen nächste Woche dupliziert und in der PwC-Zentrale in Wien-Landstraße ausgewertet werden. Das Okay des CPB-Aufsichtsratspräsidenten Walter Knirsch, der die Banken vertritt, hat Rebmann bereits.

Von Andreas Lampl, Barbara Nothegger, Ashwien Sankholkar

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