Aufstieg, Fall und Comeback des Immofinanz-Konzerns

Aufstieg, Fall und Comeback des Immofinanz-Konzerns

Mit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 fand der 15 Jahre lange Höhenflug der Immofinanz-Gruppe ein jähes Ende. Eine kurze Geschichte der größten Kapitalvernichtung der II. Republik. Allerdings: Ein Happy-End für Anleger zeichnet sich ab.

Im Grunde genommen kann man die Geschichte der Immofinanz auf einen Spleen der österreichischen Unternehmer-Legende Herbert Turnauer zurückführen. Dieser ließ sich 1986 von seinem damaligen Top-Manager Josef Taus zur Gründung der kleinen, feinen Constantia Privatbank AG (CPB) überreden. Deren Ziel: eine Mischung aus Investmentbanking und Vermögensberatung, also die Paarung eines smarten Hauchs von Wall Street mit diskreten Geldgeschäften in eleganter britischer Clubatmosphäre.

Allein: Taus verabschiedete sich bald, die Vermögensberatung warf bloß 0,2 Prozent der veranlagten Summen ab, das erhoffte "Merger & Acquisition“ war mau. So stellte Turnauer, der die CPB nach seinem Tod seiner Tochter Christine de Castelbajac vermachte, seinem damaligen Bankmanager Christoph Kraus 1990 einen aufstrebenden Jungspund zur Seite: den damals 36-jährigen Eggenburger Karl Petrikovics.

Petrikovics hatte nach dem Jus- und BWL-Studium 1985 bei der damaligen Creditanstalt angeheuert und für deren Immobilientöchter ein erfolgreiches Produkt entwickelt - das bei kleinen und großen Investoren extrem beliebte Bauherrenmodell - und galt damit als der kommende Star der Immo-Szene. Für Turnauer, der ihn mit einer 1,5-Millionen-Schilling-Jahresgage, üppiger Erfolgsbeteiligung und einem später fünfprozentigen Aktienanteil in den Vorstand der CPB lockte, sollte Petrikovics ein noch lukrativeres Immobiliengeschäft aufbauen.

Als Basis diente eine bereits damals börsennotierte "C&S Immobilien Anlagen AG“, die ursprünglich fifty-fifty der Schoellerbank und der Constantia Privatbank gehörte und nach dem Schoeller-Ausstieg 1994 in "Immofinanz“ umbenannt wurde. Schnell hatte sich unter diesem Dach und dank bis heute kritisierter Managementverträge mit der CPB ein beachtliches Sammelsurium an Häusern angesammelt, darunter etwa das 800-Millionen-Schilling-Großinvestment Business Park Vienna (Bild) am Wienerberg (1997). Kurz nach der Jahrtausendwende verfügte die Immofinanz bereits über rund 1,5 Millionen Quadratmeter Nutzfläche, die zu 97 Prozent vermietet waren.

Liebling der Anleger

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Immofinanz-Aktie zu einem heißen Anlegertipp geworden. Mindestens 100.000 österreichische Privatinvestoren, höchstwahrscheinlich aber mehr, haben im Zuge von insgesamt sieben Kapitalerhöhungen ihr sauer Erspartes in die Papiere der Immofinanz und in deren seit 2003 ebenfalls börsennotierte 50-Prozent-Tochter Immoeast (sechs Kapitalerhöhungen) gesteckt. Viele von ihnen nutzten das vermeintlich todsichere Investment als Tilgungsträger für die zu dieser Zeit sehr verbreiteten Schweizer-Franken-Kredite. Ein fataler Fehler, der nun im Rahmen von über 8.000 Zivilverfahren beklagt wird.

Für den Run auf diese beiden Immobilien-Papiere war zum einen Teil natürlich deren bis zum Höchststand von 12,54 Euro im April 2007 beeindruckende Kursperformance verantwortlich. Zu einem guten anderen Teil waren das aber auch die bisweilen am Rande der Legalität agierenden Keilertruppen des Strukturvertriebs AWD, der 1993 vom CPB-Vorstand Norbert Gertner engagiert worden war. Ganze Bündel von Sammelklagen, bei denen die AWD-Methoden im Mittelpunkt stehen, werden wohl über Jahre hinaus die Gerichte beschäftigen.

Im Jahr 2004 erwarb die Immofinanz um exakt 961,29 Millionen Euro etwas über 60.000 Bundeswohnungen. Die Umstände dieses Buwog-Deals, die durch die Ermittlungen nach dem Zusammenbruch der Gruppe im Herbst 2008 sukzessive ans Tageslicht durchsickerten, haben die Republik nachhaltig erschüttert und letztlich zur Aufdeckung etlicher weiterer Skandale geführt. Für Petrikovics & Co war dies jedoch ein ganz wunderbarer Deal, mit dem sie ihre Geschäftsbasis neben der inzwischen erfolgten Ost-Expansion deutlich ausdehnen konnten. Petrikovics meinte in einer späteren Untersuchungsausschuss-Vernehmung: "Der Kauf der Buwog war für die Immofinanz das beste Geschäft, das sie jemals gemacht hat.“

Ab 2006, im Zuge der bis dahin größten Kapitalerhöhung der Immoeast, wurde über Tochtergesellschaften der Constantia Privatbank erstmals in die eigenen Titel investiert. Und zwar mit dem Geld, das im Zuge früherer Kapitalerhöhungen von den Anlegern eingesammelt worden war. Dieses Spiel wiederholte sich, wie ein Bericht der Oesterreichischen Nationalbank penibel ausführt, auch 2007. Als Vehikel dazu diente der sogenannte "IBAG“-Bond, eine äußerst umstrittene gruppeninterne Anleihe in der Höhe von deutlich über einer halben Milliarde Euro, die juristisch Christine de Castelbajac zuzurechnen war und diese letztlich im Zuge eines Vergleichs mit dem bis heute amtierenden Sanierungsmanager Eduard Zehetner 2010 fast ihr gesamtes Vermögen kostete.

Ab Herbst 2007 geriet das interne Finanzierungskarussell durch die sich ankündigende Finanzkrise und die damit immer schwierigeren Refinanzierungen ins Stottern. Der Verkauf der Constantia Privatbank und die Abtrennung der Immobilienteile sollte retten, was zu retten war. Doch interne Zögerlichkeiten und schließlich die Lehman-Pleite machten diesen Plan zunichte. Innerhalb von nur fünf dramatischen Wochen stürzte im Herbst 2008 der Kurs der Immofinanz-Aktie auf den Tiefstand von 28 Cent. Am 16. Oktober 2008 zog die OeNB die Notbremse und verdonnerte fünf Großbanken über Nacht zu einer "Auffanglösung“.

Erfolgsfaktor Zehetner

Heute steht der Immofinanz-Kurs bei 3,28 Euro je Aktie. CEO Eduard Zehetner trimmte den Konzern auf Profitabilität und erwirtschaftet längst wieder solide Gewinne. Allerdings hat auch Zehetner unter der unrühmlichen Geschichte der Immofinanz zu leiden, denn die Aktie wird bei Anlegern noch immer mit einem gehörigen "Vertrauens-Abschlag" gehandelt. Immerhin notiert die Immofinanz an der Börse mit einem rund 50-prozentigen Abschlag zum Buchwert. Und das, obwohl das Unternehmen laufend Bestandsimmobilien über Buchwert verkauft. Das Vertrauen kehrt nun aber langsam zurück, denn die Immofinanz-Aktie gehörte im abgelaufenen Jahr zu den stärksten Kursgewinnern an der Wiener Börse und ist bei Analysten mittlerweile zum Liebling mutiert .

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