Immofinanz-Prozess: Geheime Millionengeschäfte der Ex-Manager

Ex-Konzernboss Karl Petrikovics, Helmut Schwager und Norbert Gertner schanzten sich rund 21 Millionen Euro zu.

Immofinanz-Prozess: Geheime Millionengeschäfte der Ex-Manager

Der Immofinanz-Strafprozess hat am 22. Jänner im Wiener Straflandesgericht begonnen. Angeklagt wurden die früheren Manager Karl Petrikovics, Helmut Schwager und Norbert Gertner sowie der Prokurist Christian Thornton und der Treuhänder Ernst Hable. Der Anklagevorwurf des Staatsanwalts Volkert Sackmamnn lautet auf schwere Untreue mit Strafdrohung bis zu zehn Jahren. Petrikovics, Schwager und Gertner wurden auch wegen des "Mafia-Paragrafen", der Bildung einer kriminellen Vereinigung, angeklagt. Richterin Claudia Moravec-Loidolt leitete den Schöffensenat.

Petrikovics, Schwager und Gertner sollen die komplizierte Firmenkonstruktion ausgenutzt haben, um sich im Geheimen selber rund 21 Millionen zuzuschanzen. Petrikovics und Gertner waren Vorstände der Constantia Privatbank (CPB), die wiederum über Managementverträge alle Fäden bei der Immofinanz und Immoeast und zahlreichen Tochtergesellschaften zog. Schwager war Aufsichtsratsvizepräsident der CPB und Aufsichtsratspräsident von Immofinanz und Immoeast.

Über geheimgehaltene Aktienoptionsgeschäfte am Aufsichtsrat vorbei sollen sich die Angeklagten unrechtmäßig bereichert haben. Ohne Einsatz eigenen Kapitals hätten sie diese Geschäfte mit Mitteln diverser Gesellschaften im Konzern gemacht und diese geschädigt. Über den Treuhänder Hable ließen sie sich Ende 2006 und Anfang 2007 die Gewinne aus den Optionsgeschäften überweisen. Die Angeklagten beteuerten, die Millionen stünden ihnen zu. Trotzdem zahlten sie einen Teil als "Schadenwiedergutmachung" zurück, insgesamt 8,66 Mio. Euro.

Am ersten Prozesstag gab es gleich eine Überraschung: Gertner fehlte auf der Anklagebank. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er nicht am Prozess teilnehmen. Fast drei Monate später zu Prozessende, am 14. Verhandlungstag wurde Gertner als Zeuge geladen, er nutzte jedoch sein Entschlagungsrecht.

Staatsanwalt Sackmann wetterte in seinem Anklagevortrag: "Geld wächst nicht auf Bäumen." Die Angeklagten hätten "ohne Risiko und ohne Kapitaleinsatz" Millionen verdient. Die legendäre Frage, "wos woar mei Leistung?" stelle sich auch hier. Die Angeklagten hätten sich mittels geheim gehaltenen Aktienoptionsgeschäften auf Kosten der beteiligten Unternehmen bereichert, ohne selber irgendein Risiko eingegangen zu sein. Petrikovics, Gertner und Schwager hätten über Aktienoptionen, Aktienkäufe und -verkäufe, fremdfinanziert durch Kredite aus dem Konzern Millionen verdient. Die beteiligten Unternehmen seien geschädigt worden bzw. deren Eigentümer.

Die Angeklagten bekannten sich alle nicht schuldig. Petrikovics berief sich auf den Aufsichtsrat, dieser habe im Zuge des Börsengangs der Immofinanz den Vorständen Aktienoptionen eingeräumt. Die Hable-Optionen hätten ihren Ursprung in einem Aufsichtsratsbeschluss 2003. Statt die Aktien zu beziehen, habe man diese der CPB überlassen. Die Gewinne hätten sich aus immer wieder "überbundenen Optionen" ergeben.

Am achten Verhandlungstag kam es überraschend zu einem glatten Freispruch für den mitangeklagten Treuhänder: Der Staatsanwalt zog die Anklage zurück, Hable wurde freigesprochen. Nach den Einvernahmen habe sich ergeben, dass Hable keinen Untreue-Vorsatz hatte bzw. von jenem der Angeklagten wusste, so der Ankläger. "Vielen Dank", kommentierte Hable seinen Freispruch.

Zahlreiche Zeugen wurden vom Gericht befragt. So sagte die ehemalige Eigentümerin der CPB, die Tochter des verstorbenen Industriellen Herbert Turnauer, Christine de Castelbajac, aus. Sie habe nichts von den "Hable-Optionen" gewusst, so die sichtlich enttäuschte Castelbajac. Auch der frühere Aufsichtsratspräsident der Constantia Privatbank (CPB), Prinz Michael von und zu Liechtenstein, belastete Petrikovics, Schwager und Gertner. Von den Optionsgeschäften der Angeklagten mit der Bank habe er ebenso wenig gewusst wie von deren Scheinrechnungen.

Petrikovics verteidigte die Transaktionen: "Der Aufsichtsrat musste das sicher nicht genehmigen, das waren Geschäfte zu Marktpreisen". Eine weitere Problematik der "In-sich-Geschäfte": Petrikovics als Privatmann schloss Vereinbarungen mit Petrikovics als Bankdirektor oder Geschäftsführer. Die Geschäfte habe er auch noch mit Helmut Schwager und Norbert Gertner besprochen - die aber auch jeweils als Privatleute und in ihren Managementfunktionen eine Doppelrolle ausübten. Er habe der CPB nur "helfen" wollen, da sie an Aktien "short" war, beteuerte Petrikovics immer wieder. Diese "Hilfe" brachte ihm persönlich letztlich rund 8,87 Millionen Euro ein: 8,57 Mio. aus Aktiengeschäften, 305.000 aus Scheinrechnungen. Außerdem ersparte er sich 2,5 Mio. Euro an Optionsprämien, so die Anklage.

Ein Teil der Gelder wurde über Scheinrechnungen ausgezahlt: Petrikovics, Gertner und Schwager behaupteten in diesen Rechnungen angebliche Immobilienvermittlungen, es ging jedoch um erste Gewinne aus den Optionsgeschäften. "Da sind drei honorige Herren, und ihnen fallt nichts Besseres ein als Scheinrechnungen zu schreiben? Haben Sie gar kein Unrechtsbewusstsein?" empörte sich die Richterin. "Das war blöd", räumte Petrikovics ein.

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