Immofinanz: Petrikovics' Befreiungschlag

Immofinanz: Petrikovics' Befreiungschlag

In einer Anzeige bezichtigt Ex-Immofinanz-Boss Karl Petrikovics nun den Gerichtsgutachter Gerhard Altenberger der falschen Beweisaussage.

Im April wurde der frühere Chef der Immofinanz, Karl Petrikovics, zu sechs Jahren Haft und gemeinsam mit dem Ex-Aufsichtsratspräsidenten der Gesellschaft, Helmut Schwager, zu einer Strafzahlung von 11,2 Millionen Euro verurteilt. Das Urteil wegen des Tatbestands der Untreue ist nicht rechtskräftig. Dennoch versucht Petrikovics nun in die juristische Vorwärtsverteidigung überzugehen. Ziel des Angriffs: Der vom Gericht bestellte Sachverständige Gerhard Altenberger, auf dessen Gutachten die Anklage hauptsächlich beruht.

Am Mittwoch dieser Woche hat Karl Petrikovics eine FORMAT vorliegende Sachverhaltsdarstellung bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eingebracht, worin er Gutachter Altenberger der falschen Beweisaussage bezichtigt. Ein Tatbestand, der einen Strafrahmen von sechs Monaten bis fünf Jahre vorsieht. Petrikovics gewohnt offensiv: „Der Gutachter sagt die Unwahrheit. Das Gutachten ist falsch.“ Erschwerend komme hinzu, dass Altenberger extra noch einmal vereidigt wurde. FORMAT identifiziert sich nicht mit den Vorwürfen.

Ex-Finanzminister erstellt Gutachten für Petrikovics

Grundlage der Anzeige ist ein fünf Zentimeter dickes Gutachten des früheren Finanzministers und renommierten Wirtschaftsprüfers Andreas Staribacher, welches grobe Unzulänglichkeiten in Altenbergers Gutachten bzw. Widersprüche zu dessen Aussagen in der Hauptverhandlung des ersten Immofinanz-Prozesses aufzeigt.

So habe laut Staribachers Expertise der Gerichtsgutachter bei der Überprüfung der Überschuldung der Immofinanz-Enkelgesellschaft CPB IMV grobe Fehler gemacht. Altenberger gab in der Hauptverhandlung selbst zu, buchmäßige Reserven einer ausländischen Tochter der CPB IMV nicht angeschaut zu haben. In dieser wären aber 45,8 Millionen Euro vorhanden gewesen, die die Schulden um neun Millionen ins Plus gedreht hätten.

Der konkrete Vorwurf gegen Altenberger: Bei genauer Prüfung hätte er die wahre Situation erkennen müssen, wodurch der Untreuevorwurf gegen Petrikovics obsolet geworden wäre.

Eine zweite Unrichtigkeit wird in Staribachers Gegengutachten moniert: So habe Altenberger in einem Zwischengutachten für die Staatsanwaltschaft bei einer Immofinanz-Tochter detaillierte Rückzahlungen festgestellt - in der Hauptverhandlung aber das Gegenteil behauptet.

Zuletzt wird Altenberger wegen Falschauslegung von Konsolidierungsregeln bei der Constantia-Tochter CPB CFC angegriffen. Petrikovics: „Entweder hat Altenberger den Bericht des Wirtschaftsprüfers nicht gelesen oder ignoriert.“ Und Staribacher setzt nach: „Im Strafverfahren muss das Sachverständigen-Gutachten aus den Beilagen ableitbar sein - das ist hier nicht der Fall.“

Schadenersatzforderungen

Altenberger selbst gab auf FORMAT-Nachfrage an, von den Vorwürfen nichts gehört zu haben, und wollte dazu weiters keine Stellungnahme abgeben. Die Anzeige bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft könnte aber noch unangenehme Folgen haben. Denn Petrikovics schließt sich der Anzeige als Privatbeteiligter an und fordert fürs erste 30.000 Euro an Wiedergutmachung. Weitere zivilrechtliche Schritte hält sich der frühere Immofinanz-Boss offen. Denn er hält Altenbergs Arbeit für eine Art Gefälligkeitsgutachten für seinen Auftraggeber, die Staatsanwaltschaft. Petrikovics: „Der Auftraggeber des Gutachters lässt sich aus dem Inhalt erkennen.“

Auch wenn die Attacken von Pertrikovics und Staribacher Entlastungsangriffe sein mögen - Altenberger gerät damit weiter unter Druck. Denn die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt schon seit Monaten wegen Beihilfe zur Untreue gegen ihn - auch hier gilt die Unschuldsvermutung. Grund: Altenberger fand das Birnbacher-Millionenhonorar in der Caus Hypo Alpe Adria als angemessen. Ein grober Fehler, wie sich später herausstellte.

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