
Wenn KI-Agenten mitarbeiten, braucht Führung neue Regeln. Gertrud Götze, HR-Chefin bei T-Systems, über Verantwortung und Vertrauen in hybriden Teams.
von
Führung war immer eine Frage des Umgangs mit Menschen. Nun stellt KI auch hier vieles auf den Kopf: Was passiert, wenn Agenten Aufgaben übernehmen, Entscheidungen vorbereiten und Abläufe eigenständig steuern? Wer macht was, wer kontrolliert, wer trägt Verantwortung? Auftritt Agentic Workforce Leadership. Hinter dem knackigen Anglizismus versteht man die Kunst, menschliche und künstliche Intelligenz so zu kombinieren, dass beide ihre Stärken ausspielen. Es geht ums Zusammenspiel von Mensch und Maschine.
Gertrud Götze beschäftigt sich intensiv mit diesen Fragen. Seit mehr als fünf Jahren verantwortet sie Human Resources bei T-Systems Österreich und ist Mitglied der Geschäftsführung. Beim Global Peter Drucker Forum am 4. und 5. November in der Wiener Hofburg wirkt sie an der Co-Creation-Session „Who’s In Charge Here?“ mit. Dort geht es auch darum, wie Unternehmen in dynamischen Technologie-Ökosystemen handlungsfähig bleiben.
Dafür braucht es klare Spielregeln, erzählt sie. T-Systems nutzt etwa eine Delegation-Matrix, die Aufgaben nach Fehlerkosten und benötigtem Wissen einordnet. Bei risikoarmer Routine kann die KI selbstständig arbeiten. Wo Fehlentscheidungen teuer werden oder Erfahrung und menschliches Gespür gefragt sind, bleibt der Mensch eingebunden. Aber: „Die finale Entscheidung trifft immer der Mensch.“
Im österreichischen Finance- und HR-Bereich bei T-Systems übernehmen bereits zwei KI-Agenten Routineaufgaben und unterstützen Mitarbeitende. Konzernweit helfen weitere Anwendungen bei Recruiting-Fragen, beim Lernen oder bei der Suche nach internem Wissen. Noch sind die Agenten für Götze keine Teammitglieder im engeren Sinn: „Sie arbeiten nicht eigenständig mit einem Team an gemeinsamen Zielen und tragen keine Ergebnisverantwortung.“
Das wird sich aber ändern. Die eigentliche Führungsaufgabe liegt dann nicht allein in der Technologie, sondern im Umgang mit Menschen. Wer Aufgaben an KI abgibt, muss erklären, was das für Beschäftigte bedeutet. „Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass man die Sorgen kleinredet“, sagt Götze. Zukunftsfähige Führung braucht daher ein Modell, in dem KI die Routine übernimmt und Menschen dort Verantwortung tragen, wo Urteilskraft, Kontext und Vertrauen zählen.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 23. Oktober 2026 erschienen.