trend goes school: Ein Königreich geht, Europa bleibt

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 © APA-Images/Reuters/Kylie Cooper

Der britische Premierminister Andy Burnham schloss zuletzt eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs in die EU nicht aus - zu schwer wiegen die Folgen des Brexits.

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Andy Burnham ist Nummer sieben in der Liste der britischen Regierungschefs nach dem Brexit. Nicht nur an den Personalrochaden in der Downing Street erkennt man, wie weit die Brexit-Nachwehen reichen, schreibt der Schüler Jonas Scheikh für den trend.

Den Start machte David ­Cameron, der unmittelbar nach dem Referendum zurücktrat, das er eigent­lich ins Leben gerufen hatte, um zu beweisen, dass die Brit:innen einem Austritt niemals zustimmen werden. In den sieben Jahren zwischen 2019 und 2026 gab es anschließend sechs verschiedene Premierminister:innen (Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss, Rishi Sunak, Sir Keir Starmer und Andy Burnham), deren Amtszeit mitunter nicht länger als zwei Monate dauerte. Keine:r von ihnen hat es bisher geschafft, die Massen hinter sich zu vereinen und die Beliebtheit des Brexits zu retten.

Das Migrationsdebakel

Die größte Unterstützung bekam der Brexit damals von Migrationsgegner:innen, die – von den offenen EU-Regelungen frustriert – die Kontrolle über die eigenen Grenzen zurückforderten. Doch gerade in diesem Punkt ist das Vorhaben am deutlichsten gescheitert. Waren es im Jahr 2019 netto noch etwa 180.000 Nicht-EU-Bürger:innen, die die Grenze in das Vereinigte Königreich jährlich übertraten, so ist diese Zahl im Jahr 2023 auf einen Rekordwert von knapp einer Million geklettert. Grund dafür war unter anderem der Verlust des Zugangs zum europäischen Arbeitsmarkt. Nach 2020 haben viele europäische Arbeitskräfte das Land wieder verlassen und in einigen Branchen brach ein akuter Fachkräftemangel aus. Um diese Lücken zu füllen, wurden über Jahre hinweg Millionen Nicht-EU-Bürger:innen als Arbeitskräfte und Studierende ins Land gelassen. Zur Eindämmung dieser Zahlen wurden die landeseigenen Migrationsregeln deutlich strenger, wodurch sich der Wert bis 2025 auf 350.000 reduzierte – etwa das Doppelte des Vor-Brexit-Niveaus.

Migrationstechnisch gilt das Versagen in beide Richtungen. Nicht nur ist es der politischen Führung nicht gelungen, das selbst gesetzte Ziel zu erfüllen, Ausländer:innen außer Landes zu halten, auch konnte sie die wohlhabende Elite nicht vom Verbleib überzeugen. Laut Prognosen von Henley & Partners sollen 2025 netto rund 16.500 Millionär:innen aus dem Vereinigten Königreich ausgewandert sein. Obwohl das weniger als ein Prozent der wohlhabenden Bevölkerung ist, besitzen diese ein geschätztes Vermögen von rund 66 Milliarden Pfund. Ein Teil dieses Vermögens – etwa Immobilienbesitz – bleibt dabei im Land gebunden. Bereits abgewanderte britische Millionär:innen zeigen jedoch, dass beliebte neue Wohnsitze wie die Schweiz, Italien oder die Vereinigten Arabischen Emirate künftige Investitionen und Steuerzahlungen ins Ausland verlagern könnten.

Der Lerneffekt

Nicht alle Teile Großbritanniens waren allerdings vom Brexit überzeugt. Als Vorreiter im Pro-EU-Block gilt Gibraltar. Das Britische Überseegebiet an der Südküste Spaniens hat beim Referendum 2016 zu 95,9 Prozent mit gerade einmal 823 Gegenstimmen für den Verbleib in der EU gestimmt – die höchste gemessene Unterstützung für das europäische Projekt. Abgeschottet vom Kernland haben die Menschen Gibraltars so sehr wie keiner vor ihnen die Vorteile der Gemeinschaft erkannt. Gerade in einem so kleinen Land ohne die Industriekapazitäten, seine Bedürfnisse vollständig selbst zu erfüllen, kommen die Möglichkeit der EU-weiten Kooperation, des freien Binnenmarkts und die Option, Spezialist:innen aus einem gesamten Kontinent für die eigene Wirtschaft zu nutzen, am meisten zum Vorschein.

Aber was kann Österreich daraus lernen? Der Öxit ist eine schlechte Idee. Der Einfluss der Europäischen Union reicht so viel weiter als nur in unsere Handelsbeziehungen. Die Demokratie, die regelbasierte Weltordnung und die Reisefreiheit sind hart umkämpfte und unerlässliche Werte. Großbritannien hat gezeigt, in was für ein Chaos eine Gesellschaft nach so einer Entscheidung fallen kann. Österreich ist, wie Gibraltar, ein kleines Land und auf die Industrien von Ländern aus der gesamten Union angewiesen. Wir brauchen Europa und Europa braucht uns.

Schülerzeitungsprojekt

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 9. Oktober 2026 erschienen.

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