
Junge Menschen sollten sich von Investment-Tipps aus den Sozialen Medien nicht blenden lassen, warnt die Schülerin Anastasiia Rusyn.
©ISTOCKPHOTOImmer mehr junge Menschen informieren sich auf Tiktok, Instagram und Youtube über Aktien, Kryptowährungen oder ETFs. Doch wo Finanzwissen in wenigen Sekunden vermittelt wird, sind auch Betrüger:innen nicht weit, analysiert die 19-jährige Schülerin Anastasiia Rusyn für das Schülerzeitungsprojekt von trend und campus a college.
19,6 österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) im Jahr 2025 – so viel wie nie zuvor. Gleichzeitig sank die Zahl der gemeldeten Fälle leicht von 853 auf 843. Die Täter:innen werden also nicht mehr, sondern erfolgreicher: Im Durchschnitt verloren Betroffene mehr als 23.000 Euro, im schwersten Einzelfall sogar 830.000 Euro.
Wie groß das Geschäft inzwischen ist, zeigt auch eine Studie der University of Millionen Euro Schaden durch Anlagebetrug verzeichnete die Texas: Zwischen 2020 und 2024 flossen weltweit mehr als 75 Milliarden US-Dollar an die hinter den Betrügereien stehenden Netzwerke, die vor allem in Südostasien operieren.
Aktientipps als Falle
Die FMA beobachtet in Österreich seit einiger Zeit eine neue Masche. Nutzer:innen gelangen über Werbeanzeigen oder über Beiträge auf Social Media in WhatsappGruppen, in denen angeblich erfolgreiche Anleger:innen exklusive Aktientipps austauschen.
Die Tätergruppen wirken professionell. Täglich werden hohe Gewinne präsentiert, vermeintliche Expert:innen beantworten Fragen und vermitteln den Eindruck einer vertrauenswürdigen Community. Tatsächlich stammen viele Nachrichten laut der FMA von KI-Bots oder gefälschten Profilen. Ziel ist es, das Vertrauen der Nutzer:innen zu gewinnen und sie auf betrügerische Handelsplattformen zu locken.
Besonders perfide ist der Ablauf der Betrugsmasche. Anfangs sehen Opfer auf der Plattform scheinbar steigende Gewinne. Manche erhalten sogar kleine Auszahlungen, damit der Betrug glaubwürdig wirkt. Erst wenn größere Summen investiert werden, verschwindet das Geld oder die Täter verlangen plötzlich zusätzliche Gebühren und Steuern. Dieses Vorgehen ist international als „Pig Butchering“ bekannt und gilt als eines der am schnellsten wachsenden Onlinebetrugssysteme.
Vorsicht statt Viralität
Neben professionell gestalteten Handelsplattformen kommen auch Deepfake-Videos mit bekannten Persönlichkeiten, künstlich erzeugte Stimmen und automatisch gesteuerte Chatbots zum Einsatz. Die technische Entwicklung macht es zunehmend schwieriger, echte von gefälschten Empfehlungen zu unterscheiden.
Wer investieren möchte, sollte Informationen in den sozialen Medien deshalb immer kritisch prüfen. Oder, folgt man wissenschaftlichen Studien zum Thema, zumindest überlegen, ob das Gegenteil des lautesten FinfluencerTipps nicht manchmal die bessere Anlagestrategie wäre.
Schülerzeitungsprojekt
Die 19-jährige Schülerin Anastasiia Rusyn ist Teil des Schülerzeitungsprojekts von trend und campus a college. Sieben Schüler:innen aus Schulen von Wien bis Tirol wurden ausgewählt, um mit Unterstützung der trend-Redaktion Artikel zu Wirtschaftsthemen zu verfassen. Die Artikel der Schüler:innen erscheinen regelmäßig im trend sowie online auf trend.at und auf campus-a-college.at.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 25. September 2026 erschienen.