Österreichs Immobilienpreise schießen in die Höhe

Österreichs Immobilienpreise schnellen in die Höhe. Vor allem in Reutte in Tirol zogen die Verkaufspreise an – und zwar um knapp 60 Prozent. Hier erfahren Interessenten, woran das liegt und wie sich der Immobilienmarkt in Gesamt-Österreich entwickelt.

Österreichs Immobilienpreise schießen in die Höhe

Noch vor kurzem kostete ein Baugrundstück in Reutte rund 200 Euro pro Quadratmeter, nun zahlen Interessenten etwa 100 Euro mehr. Das berichtete die Tiroler Tageszeitung, die für ihren Beitrag mit mehreren ansässigen Immobilienmaklern gesprochen hat. Mehrere Gründe führten zu dieser Entwicklung, auch die Corona-Pandemie trug dazu bei.

DER CORONA-LOCKDOWN SCHÜRT DEN WUNSCH NACH EIGENTUM

Im Jahr 2020, dem Jahr der Corona-Pandemie, kauften private Haushalte 5,7 Prozent mehr Häuser und Wohnungen als im Jahr zuvor. Dies ermittelte die Statistik Austria. Nun, da die Menschen viel mehr Zeit zuhause verbringen, steigt der Stellenwert des Wohnens deutlich an.

Besonders begehrt waren Häuser in ländlicher Umgebung. Kein Wunder: Haben Kinos, Theater, Cafés und Kneipen aufgrund des Lockdowns geschlossen, schwindet die Attraktivität der Städte. Als Freizeitbeschäftigung bleiben dann meist nur noch Wanderungen und Sport im Grünen sowie die Gestaltung der eigenen vier Wände.

Darüber hinaus entpuppt sich die allgemeine Verunsicherung als Preistreiber. Johannes Larcher, ein Immobilienmakler in Reutte, hält die Preisentwicklung des österreichischen Immobilienmarkts für das Resultat eines gewissen Misstrauens in die Finanzwelt. Ihm zufolge möchten die meisten Sparer, die über ein gutes Budgetpolster verfügen, ihr Geld in sicherere Werte wie Immobilien investieren.

REUTTE: VERKEHRS- UND VERKAUFSWERT DRIFTEN AUSEINANDER

In Reutte allerdings gerät der Markt zum Teil aus den Fugen: Verkehrs- und Kaufwerte driften auseinander. Viele Interessenten sind bereit, deutlich mehr auszugeben als die Immobilie anhand des von Gutachtern ermittelten Preises wert wäre.

In Reutte sind freie Grundstücke rar und die Nachfrage größer als das, was der Markt hergibt. Immobilienmakler Wolfgang Trs argumentiert, dass viele neue Interessenten am Markt aufgetaucht seien, 70 Prozent davon stammen aus Deutschland. Reutte liegt nicht weit von München und Innsbruck entfernt und bietet für sie daher eine hohe Lebensqualität. Bei Grundstückspreisen von rund 300 Euro pro Quadratmeter schlagen viele Deutsche, ohne lange zu fackeln, zu – schließlich sind in Deutschland die Preise oft höher. Hinzu kommt, dass auch Wohnbaugesellschaften nicht vor hohen Grundstückspreisen zurückschrecken. Die Folge: Für Einheimische mit normalem Einkommen wird es immer schwieriger, ein Grundstück mitsamt Haus finanzieren zu können.

ÖSTERREICHS IMMOBILIEN-PREISANSTIEG LIEGT ÜBER DEM EU-DURCHSCHNITT

Betrachtet man den Immobilienmarkt in Gesamt-Österreich, wird auch hier ein preislicher Aufwärtstrend deutlich. Der Häuserpreisindex der Statistik Austria ermittelte, dass im vergangenen Jahr Wohnimmobilien gegenüber 2019 im Schnitt um 7,6 Prozent teurer wurden. Zum Vergleich: Seit 2010 liegen die jährlichen Zuwachsraten in Österreich bei 5,9 Prozent. Auch im internationalen Vergleich ist der Preisanstieg von 7,6 Prozent enorm, denn der EU-Schnitt liegt bei 4,9 Prozent.

Wie in Reutte waren auch in Gesamt-Österreich Häuser und Wohnungen am Land sehr stark von den Preissteigerungen betroffen. Dort gab es rund 20 Prozent mehr Käufe als im Jahr 2019.

Den höchsten Preisanstieg für Häuser verzeichnete Salzburg mit 13 Prozent, dann Tirol mit 9,9 Prozent. Bei den Wohnungen gab es mit 11,3 Prozent in Kärnten den größten Preiszuwachs, gefolgt von Salzburg mit 10,4 Prozent.