Goldene Zeiten am Immobilienmarkt

Goldene Zeiten am Immobilienmarkt
Goldene Zeiten am Immobilienmarkt

Viele Immobilienbesitzer nutzen die hohe Nachfrage und bringen ihre Liegenschaften auf den Markt. Topobjekt am Wiener Immobilienmarkt ist derzeit das Einkaufszentrum Wien-Mitte (Bild). Die Eigentümerin Bank Austria möchte mehr als eine halbe Milliarde Euro damit erlösen -das ist ein absoluter Spitzenwert für Österreich.

Investitionen in Immobilien könnten 2015 europaweit einen neuen Rekord erreichen. Auch Österreich liegt in der Gunst heimischer und internationaler Käufer ganz oben.

Gespannt schielen Wiener Makler derzeit auf ein Objekt: den Gebäudekomplex Wien-Mitte. Viele Jahre war das Bauwerk mit angeschlossener U-und S-Bahn am Beginn der Landstraßer Hauptstraße ein schmuckloses Haus, bis die Eigentümerin Bank Austria das Objekt umbaute. Vor gut zwei Jahren dann eröffnete dort das schicke Einkaufszentrum The Mall, dazu 62.000 Quadratmeter neue Büros.

Nun steht Wien-Mitte zum Verkauf. Mehr als eine halbe Milliarde Euro will die Bank Austria für das Gebäude - eine absolute Spitzensumme für den Wiener Immobilienmarkt.

Vor ein paar Jahren noch galten Transaktionen von mehr als 100 Millionen Euro in Wien als herausragend. Schon der Verkauf des Millenium Tower an den US-Fonds Morgan Stanley vergangenes Jahr um 320 Millionen Euro sprengte dieses Bild. Gelingt nun der Wien-Mitte-Deal und damit eine Transaktion jenseits einer halben Milliarde Euro, katapultiert sich Wien in eine höhere Liga am europäischen Immobilienmarkt. "Es wäre ein sehr positives Signal, das zeigt, dass die Märkte liquide sind", sagt Franz Pöltl, verantwortlich für Investment Consulting bei EHL Immobilien.

INVESTMENT-REKORD Drei Milliarden Euro wurden 2014 in Bürohäuser und Einzelhandelsimmobilien investiert.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank befeuert seit Längerem die Immobilienmärkte. In Österreich wurde das Transaktionsvolumen von Gewerbeimmobilien (Büros, Einzelhandelsobjekte, Wohnhäuser und Hotels) vergangenes Jahr im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und erreichte drei Milliarden Euro, ein Rekordwert. Heuer könnten gar bis zu vier Milliarden Euro umgesetzt werden.

Auch in anderen europäischen Ländern wie Deutschland und Großbritannien zeigt sich ein ähnliches Bild. In einer internationalen Investorenumfrage des Maklerunternehmens CBRE gaben 58 Prozent der Befragten an, dass sie heuer mehr kaufen werden als 2014. Und der Branchendienstleister Savills schätzt, dass 2015 europaweit mehr als 210 Milliarden Euro in Immobilienveranlagungen fließen - das wären zwischen fünf und zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

"Gold ist volatil und das Vertrauen in europäische Staatsanleihen gemischt. Bleiben nur mehr Immobilien als relativ sichere Assetklasse. Sie sind immer noch ein heißes Thema", resümiert Peter Weinzierl, Vorstand der Meinl Bank im FORMAT-Interview.

SHOPPING ZIEHT. Am beliebtesten bei Investoren in Österreich sind Einkaufszentren, gefolgt von Bürohäusern.


Franz Pöltl, EHL Immobilien: "Heuer im Topsegment des Gewerbemarkts mit gut fünf Prozent Preisanstieg."

"Die EZB treibt uns die Käufer geradezu in die Arme. Zwar sind die Preise in den vergangenen Jahren gestiegen, andererseits sind die Kreditzinsen so niedrig wie nie zuvor, Finanzierungen also extrem günstig", ergänzt Wolfgang Sedelmayer, Vorstand bei Wienwert Immobilien.

Österreich steht in der Investorengunst hoch

In Österreich ist die Situation derzeit günstig: Das Land profitiert vom internationalen Ansturm auf den als sicher geltenden deutschen Immobilienmarkt, weil es als deutschsprachig wahrgenommen wird. Und das Angebot an Immobilien steigt: Viele Eigentümer nutzen das positive Marktumfeld zum Verkauf. Neben Wien-Mitte ist derzeit eine Reihe anderer größerer Liegenschaften am Markt oder wird in den nächsten Monaten zum Kauf angeboten. Die Bank Austria veräußert sieben weitere Immobilienpakete.

Der Entwickler UBM bietet eine Handvoll Objekte um mehrere Hundert Millionen Euro an, darunter das Village-Cinema-Gebäude gegenüber von Wien-Mitte. Und die Signa-Gruppe soll den Verkauf zweier Bürohäuser, die jeweils mehr als 200 Millionen Euro kosten, vorbereiten. Außerdem mutmaßt man in der Branche, dass auch andere Banker ihr Familiensilber zu Geld machen werden. "Der Markt erwartet weiter steigende Preise. Ich rechne heuer im Topsegment des Gewerbemarkts mit gut fünf Prozent Preisanstieg", sagt EHL-Experte Pöltl.

Mittlerweile sind in Österreich die heimischen Käufer in der Minderheit - sie stellen nur mehr 45 Prozent der Investoren. Vor allem offene Fonds und Private sind auf der Käuferseite. 34 Prozent der Investoren kommen aus Deutschland. Und der Rest, mehr als 20 Prozent, sind Käufer aus Regionen wie Osteuropa, dem arabischen Raum und Asien. Vor allem betuchte Araber und Staatsfonds aus dem Nahen Osten sind sehr aktiv: Traditionell steigen bei Ölpreisschwankungen die Immobilieninvestitionen dieser Gruppe in Europa. 2014 machten sie gut zehn Milliarden Dollar aus. Zwar treten Investoren aus dem arabischen Raum meist nicht offen auf. Doch Branchenkenner sind sich sicher, dass in Österreich hinter Immo-Deals von US-Fonds wie Morgan Stanley arabisches und fernöstliches Geld steht.

Dieselbe Entwicklung lässt sich auch in Deutschland ablesen, das mittlerweile nach London, Paris und New York der viertbeliebteste Markt für arabische Immobilieninvestitionen ist: 2014 stieg das Investmentvolumen um 42 Prozent und belief sich auf 900 Millionen Euro.

GEMISCHTES BILD. Während Russland ein Minus bei den Transaktionen verzeichnet, geht es in anderen osteuropäischen Ländern aufwärts.

Derzeit ist im Nachbarland vor allem der Wohnungsmarkt außerordentlich dynamisch. Riesige Fusionen und Übernahmen machen Schlagzeilen - wie jene von Gagfah durch die Deutsche Annington Anfang des Jahres. Die Aktionäre hoben mit diesem Schritt den nach der französischen Unibail-Rodamco-Gruppe zweitgrößten Immobilienkonzern Europas aus der Taufe. Immobilienvermögen: 21 Milliarden Euro. In diesem Tempo könnte es durchaus weitergehen.

Nach mehr als 14 Milliarden Euro Investitionsvolumen 2014 am deutschen Wohnimmobilienmarkt erwarten Experten heuer einen neuen Rekord. Allerdings gehen Investoren auch immer höhere Risiken ein: Während die Mehrheit der Deals lange Zeit im süddeutschen Raum und Berlin stattfand, sind nun auch kleinere Städte auf dem Radar - sogar solche, die langfristig ungünstige Bevölkerungsprognosen haben.

Auch Österreicher mischen bei dieser Jagd nach Renditen kräftig mit. Auf Einkaufstour in Berlin und Ostdeutschland befindet sich etwa die börsennotierte s Immo AG. Seit Anfang des Jahres erwarb die Immobiliengesellschaft 100.000 Quadratmeter an Gewerbe- und Wohnfläche. Weitere Zukäufe sind geplant. Der Fokus liegt dabei vor allem auf gewerblich geprägten Gebäuden, die aufgrund von Leerstand, weiteren Baureserven oder möglichen Umnutzungen in Wohnungsbau ein hohes Entwicklungspotenzial versprechen. "In den letzten Jahren konnten wir sehr schöne Erfolge bei Revitalisierungen von Objekten in Berlin realisieren. Dies bestärkt uns darin, in den nach wie vor boomenden Berliner Immobilienmarkt zu investieren", sagt s-Immo-Chef Ernst Vejdovszky.

Durchwachsene Stimmung in Osteuropa

Wesentlich verhaltener als in Deutschland geht es derzeit in Osteuropa zu. Die Entwicklung sei enttäuschend, stöhnen viele Experten. Und das, obwohl das Transaktionsvolumen in der gesamten Region vergangenes Jahr um 25 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro anzog. Schließlich sind Investoren in dieser Ecke Europas ganz andere Zuwächse gewohnt. Und die wichtigen Märkte Russland, Ukraine und die baltischen Staaten verzeichnen ein dickes Minus in ihren Immobilienumsätzen.


Andreas Ridder, CBRE Austria & CEE: "In Osteuropa waren die Preise in den letzten Jahren stabil. Nun zeigt der Trend auf steigende Preise.

"Im Gegensatz zu Westeuropa stagnierten die Immobilienpreise in den letzten drei Jahren in Osteuropa. Der Trend zeigt nun aber auf steigende Preise", sagt Andreas Ridder, Chef des internationalen Maklerunternehmens CBRE Austria &CEE.

Vor allem einzelne Teilmärkte laufen gut: In Tschechien boomen Logistikimmobilien, weil das Land auf einer paneuropäischen Verkehrsachse liegt. Ebenso in der Slowakei aufgrund der dort ansässigen Autozulieferindustrie.

In Polen hingegen fließt nach wie vor viel Geld in Einkaufszentren. Die börsennotierte Immofinanz etwa setzt stark auf dieses Segment und errichtet derzeit unter der Marke "Vivo!" Shoppingcenter quer durch Polen.

Zuletzt in den Städten Piła, Stalowa Wola und Krosno. Weitere Standorte befinden sich in Prüfung. Zuletzt zog auch der in Osteuropa wenig entwickelte Wohnbereich die Aufmerksamkeit österreichischer Investoren auf sich. Die Meinl Bank errichtet derzeit in Prag unter dem Namen "Prague Prime Homes" sieben Projekte für hochwertiges Wohnen. Die Wohnungsverkäufe laufen derzeit auf Hochtouren.

Die Wiener Immobilienfirma 6B47 hat kürzlich den Schritt nach Warschau gewagt: Im südlichen Stadtteil Wilanów baut das Unternehmen 100 bis 150 kleine Familienwohnungen, die ebenfalls später um rund 1.800 Euro pro Quadratmeter abverkauft werden sollen. "Der Bedarf an guten, innerstädtischen Wohnungen ist riesig. Wir sehen das als echte Chance", sagt 6B47-Chef Peter Ulm.

PRAG. Die Meinl Bank verkauft unter der Marke "Prague Prime Homes" luxuriöse Wohnungen in der Innenstadt der tschechischen Hauptstadt.

BERLIN. Die börsennotierte s Immo AG ist derzeit in Deutschland auf Einkaufstour. Unter anderem erwarb sie die Immobilie "Sonnenallee".

POLEN. Einzelhandelsimmobilien, wie das "Vivo!"-Shoppingcenter der österreichischen Immofinanz, versprechen gute Renditen.

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