Karl Petrikovics zum Immofinanz-Skandal:
"Hätten den Crash vermeiden können"

Ex-Boss Karl Petrikovics spricht erstmals über seine Rolle im Immofinanz-Skandal, über die Vorwürfe der ermittelnden Justiz und über die Wut der Anleger.

Interview: Andreas Lampl

trend: Stimmt der Eindruck, Herr Petrikovics, dass Sie sich zu Unrecht verfolgt fühlen?
Petrikovics: Ich hätte das nicht besser formulieren können. Ja, ich habe schon das Gefühl, dass eine mediale Vorverurteilung gegen meine Person stattfindet. Die letzten Monate waren sehr schmerzhaft für mich. Sie können mir glauben, das ist nicht spurlos an mir vorübergegangen.

trend: Sie stehen ungerechtfertigt am Pranger?
Petrikovics: Eines wird leider oft vergessen: Ich habe 18 Jahre geschuftet wie ein Pferd, auch zulas­ten der Familie. Ich habe die Immofinanz 1990 mit null Immobilien gegründet. Im Jahr 2008 war sie die zweitgrößte Gesellschaft der Branche in ganz Kontinental­europa. Die Constantia Bank (CPB) hatte 1989, wie ich gekommen bin, eine Million Schilling Gewinn. Das sind heute 70.000 Euro. In meiner letzten Bilanz stand ein Ergebnis von 65 Millionen Euro. Von dieser Entwicklung haben viele profitiert: Kunden, Mitarbeiter und Eigentümer.

trend: Die Medien haben ja nichts erfunden. Die Justiz ermittelt wegen des Vorwurfs der Untreue und des Betrugs in der Immofinanz-Affäre. Waren die Hausdurchsuchungen bei Ihnen auch ungerecht?
Petrikovics: Nein. Ich bin selbst am meisten daran inter­essiert, dass alles auf den Tisch kommt. Ich möchte, dass die Gerüchte durch Tatsachen ersetzt werden. In der Öffentlichkeit wird ja sehr viel vermischt.

trend: Zum Beispiel?
Petrikovics: Dass niemand gewusst hätte, wo die viel zitierten 512 Millionen Euro sind (Geld, das den Immoeast-Anlegern gehört, Anm.), obwohl dem Aufsichtsrat bereits im Juli 2008 ein Bericht von Finanzvorstand Thornton vorlag, in dem alles genauestens dokumentiert war. Auch die Behauptung, ich sei der Einzige gewesen, der in der Gruppe Entscheidungen getroffen hat, ist medial eine gute Geschichte. Aber sie stimmt nicht. In einem Konzern mit 14 Milliarden Immobilienvermögen ist eine One-Man-Show doch gar nicht möglich.

trend: Auch ein Verfahren wegen Bilanzfälschung läuft …
Petrikovics: Das stimmt, bezieht sich aber nur auf die Constantia Bank. Mir wird nicht vorgeworfen, dass wir die CPB besser, sondern dass wir sie schlechter dargestellt haben, als wir es vielleicht hätten tun müssen. Das war mit Wirtschaftsprüfer, Aufsichtsrat und Eigentümer abgestimmt. Mir ist aus dem Buchhaltungsunterricht in Erinnerung, dass sich ein sorgfältiger Kaufmann immer ärmer macht, als er ist. Zwischenzeitlich habe ich gelernt, dass auch das verboten sein kann. Aber ich will nichts beschönigen.

trend: Für 100.000 Immofinanz- und Immoeast-Anleger, die Milliarden verloren haben, muss das wie Hohn klingen. Die wollen wissen, warum Sie – ohne die Aktionäre zu fragen – über eine Milliarde Anlegergeld in die Constantia Bank verschoben und dort mit Aktiengeschäften verloren haben. Das ist der Vorwurf, um den sich alles dreht.
Petrikovics: Faktum ist, dass es sich um eine Veranlagung, nicht um eine Verschiebung handelte. Überschüssige Liquidität der Immoeast wurde zum bestmöglichen Zinssatz angelegt. Die CPB hat deutlich bessere Zinsen bezahlt als andere Banken. Für die Aktionäre war ausschlaggebend, ob der Zinssatz und die Bonität passt. Und beides war damals bei der CPB der Fall – ohne jeden Zweifel.

trend: Ich hatte Sie in der Vergangenheit mehrfach damit konfrontiert, dass mit dem Geld Aktien von Immofinanz und Immoeast gekauft wurden. Wieso haben Sie das lange bestritten?
Petrikovics: Mit Verlaub, weil das zuerst den Staatsanwalt etwas angeht und nicht die Medien. Ich habe es bei meiner Einvernahme auch bestätigt. Abgesehen davon durfte ich wegen des Bankgeheimnisses und anderer rechtlicher Vorschriften dazu gar nichts sagen.

trend: Mit Verlaub, Ihre Aktionäre hätte das auch interessiert. Was hat Sie geritten, noch 2007, als sich die Krise schon ankündigte, eine Milliarde in Immofinanz- und Immoeast-Aktien zu pumpen?
Petrikovics: Damals wusste niemand, dass wir in die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg schlittern, sonst hätte ich mich anders verhalten. Aus damaliger Sicht hat die Bank in zwei Papiere investiert, die wir sehr gut kannten und von denen wir überzeugt waren. Das Risiko war kalkulierbar, das Potenzial hoch, und viele Analysten haben ein Kursziel von 14 bis 16 Euro bestätigt. Übrigens habe ich persönlich zum gleichen Zeitpunkt 250.000 Aktien gekauft, die ich bis heute besitze.

trend: Ihre Strategie hat sich als kolossale Fehleinschätzung herausgestellt. Die Bank kann die noch offenen 512 Millionen Euro nicht zurückzahlen, die Constantia B. V., die dafür haftet, auch nur teilweise. Wer zahlt? Die Aktionäre?
Petrikovics: Ende September 2008, als ich weggegangen bin, war eine Vereinbarung fixiert, wonach Immofinanz und Immoeast die gesamten 512 Millionen bekommen hätten – gegen Verrechnung der mit der Bank abgeschlossenen Managementverträge, die ein Gutachten von Ernst & Young mit 380 Millionen bewertet hatte. Den Rest hätte die ­Constantia B.V. in Cash beglichen.

trend: 380 Millionen für damals schon fast wertlose Managementverträge? Das ist doch Abzocke!
Petrikovics: Nein, das ist einfach falsch. Die Bewertung bezog sich auf die gesamte Immobilien­sparte der CPB: Immobilienmanagement, Hausverwaltung, Maklerbereich, zusammen über 450 Leute. Dazu Bauherrenmodelle, Vorsorgewohnungen und 40 Millionen Euro Bargeld: Das kann doch nicht nichts wert sein.

trend: Tatsache ist, dass der Deal gescheitert, dass kein Geld geflossen ist ...
Petrikovics: Leider. Beginnend mit der Antrittspressekonferenz meines Nachfolgers bei Immo­finanz, Thomas Kleibl, begann am 13. Oktober eine Reihe medienwirksamer Aussagen, die offenbar wider besseres Wissen getätigt wurden. Das löste eine massive Verunsicherung bei den Kunden der CBP und dann einen Run auf die Bank aus. Der Abfluss von Kundengeldern führte zu Liquiditätsschwierigkeiten. Die Constantia B.V. musste die Bank für einen Euro abgeben. Darin sind auch die fünf Cent enthalten, die ich für meinen 5-Prozent-Anteil erhalten habe. Und dadurch scheiterte die bereits fixierte Transaktion. Denn aus dem Verkauf der CPB sollte der Cash-Teil bezahlt werden, das war leider nicht mehr möglich.

trend: Sie meinen, der Totalcrash wurde herbeigeredet?
Petrikovics: Zwei Wochen später trat der neue Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer wieder zurück. Bei einer Pressekonferenz am 7. November erhob Kleibl Anschuldigungen gegen mich. Und fragte, wo die 512 Millionen geblieben sind, obwohl durch den bereits erwähnten detaillierten Bericht an den Aufsichtsrat völlig klar war, wohin das Geld gegangen war. Erst daraufhin wurde die Aktie zum Pennystock. Zuvor lag sie noch bei 2,40 Euro, worauf ich wohlgemerkt auch nicht stolz bin.

trend: Heißt das: Ihrer Meinung nach sind Ihre Nachfolger schuld daran, dass die Aktionäre der Immofinanz-Gruppe um Geld, das ihnen gehört, umfallen?
Petrikovics: Zumindest war eine sehr ungeschickte Kommunikation im Spiel. Die Fragen nach dem Verbleib der 512 Millionen wurden wider besseres Wissen gestellt und waren völlig unnötig. Ich meine, man hätte das Crash-Szenario vermeiden können.

trend: So klar waren die Geldflüsse offenbar nicht. Sie erfolgten völlig freihändig. Auf Druck des Wirtschaftsprüfers KPMG wurde im Sommer 2008 im Nachhinein eine Anleihe konstruiert. Der Vorstand der zu diesem Zweck aktivierten Gesellschaft IBAG wusste aber gar nicht, dass Geld transferiert wurde?
Petrikovics: Diese Anleihe war ein Blödsinn, den wir uns hätten sparen können. Die Immo­finanzgruppe hat 18 Jahre lang Geld bei der CPB angelegt, und kein Aufsichtsrat hat je eine Frage danach gestellt. Wir haben das nicht groß formalisiert, weil sonst 0,8 Prozent Kreditvertragsgebühr fällig geworden wären. Aber sämtliche Veranlagungen waren nachvollziehbar und völlig unbestritten – und es gab einen genauen Plan für die Rückzahlung. Bei meinem Ausscheiden stand die Einbringlichkeit außer Zweifel.

trend: Okay, aber die angelaufenen Verluste sind derartig hoch, dass die Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac mit ihrer Constantia B. V. nicht mehr in der Lage ist, ihre Haftungen gegenüber den Immoeast-Aktionären und gegenüber dem Immofinanz-Investor Rudolf Fries zu erfüllen. Beide werden laut einem vorbereiteten Vergleich rund 200 Millionen Euro verlieren.
Petrikovics: Erstens stand die Bonität der Constantia B.V. noch außer Zweifel, als die Haftungen vereinbart wurden. Zweitens ist die Frage, ob wirklich jemand Geld verliert. Soweit ich den Vergleich kenne, würden die Immoeast-Aktionäre Werte erhalten, die weit über die 512 Millionen Euro hinausgehen. Da soll u. a. ein großes Immoeast-Paket inkludiert sein: Das Management selbst beurteilt den Wert pro Aktie mit sieben Euro, was alleine etwa 260 Millionen entsprechen würde. Das Gleiche gilt für Herrn Fries. Er hat zu sieben Euro gekauft, was sich zwar im derzeitigen Kurs nicht widerspiegelt. Aber auch seine Aktien werden steigen, vielleicht nicht in sechs oder zwölf Monaten, aber irgendwann ganz sicher.

trend: Glauben Sie wirklich, dass sich die Aktien von Immofinanz und Immoeast noch einmal wirklich erholen werden?
Petrikovics: Ich bin überzeugt – wie offenbar auch der neue CEO Eduard Zehetner, der einen inneren Wert von rund sieben Euro bestätigt. Die neuen Manager müssen sich jetzt überlegen, was zu tun ist. Wenn ich aber höre, dass die Immofinanz ein Portfolio Zinshäuser auf den Markt wirft und der Käufer die Objekte unmittelbar danach mit 30 Prozent Aufschlag weiterverkauft, dann ist das vielleicht nicht die richtige Strategie. Da müssen sich die Anleger ja verhöhnt vorkommen.

trend: Frau Castelbajac hat ihre Bank schon verloren, am Ende wird sie fast ihr gesamtes Vermögen verloren haben. Da kann man doch nur von Super-GAU reden?
Petrikovics: Herbert Turnauer hat die CPB mit drei Millionen Euro gegründet. Fakt ist, dass die Eigentümer im Lauf der Jahre mehr als 300 Millionen Dividende ausbezahlt bekamen. Unterm Strich haben sie in meiner Ära also immer noch ein sehr gutes Geschäft gemacht.

trend: Hat Ihre frühere „Chefin“ eigentlich von Ihren Transaktionen gewusst?
Petrikovics: Natürlich war sie darüber informiert.

trend: Und spricht Christine de Castelbajac jetzt noch mit Ihnen?
Petrikovics: Ich hatte außer bei Aufsichtsratssitzungen nie Kontakt zu ihr, so auch jetzt nicht.

trend: Herr Petrikovics, Sie vermitteln irgendwie den Eindruck, als würden Sie heute wieder alles genauso machen.
Petrikovics: Mit dem heutigen Wissensstand dieser schweren Wirtschaftskrise würde ich natürlich einiges anders machen: Ich würde weniger rasch in Osteuropa expandieren. Und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass die Infrastruktur für das Expansionstempo zu langsam nachgezogen wurde.

trend: Aber Sie würden in der CPB wieder mit Immofinanz-Geld in Immofinanz-Aktien spekulieren?
Petrikovics: Wir haben nicht spekuliert, sondern inves­tiert, weil wir absolut an diese Papiere glaubten. 2006 hat die Bank damit 56 Millionen Euro verdient.

trend: Und dann riesig verloren. Genau das ist spekulieren. Aber eine andere Frage: Wollten Sie mit dem Aktienkauf auch den Kurs der Immofinanz stützen?
Petrikovics: Nein. Die gehandelten Volumina an der Wiener Börse waren immer enorm hoch. Das hätten wir mit unserem Einsatz gar nicht beeinflussen können. Und Sie sehen ja auch, dass die Kursentwicklung im fraglichen Zeitraum parallel zu den Aktien­indizes verlaufen ist.

trend: Tun Ihnen die Kleinanleger leid? Viele Menschen haben mit Immofinanz ihre Ersparnisse, ihre Erbschaft, ihre Altersvorsorge verloren.
Petrikovics: Selbstverständlich tun mir die Aktionäre leid. Ich wollte immer das bestmögliche Ergebnis für sie erzielen. Und es ist nicht von der Hand zu weisen: Per Sommer 2007 haben die Aktionäre über zehn Jahre eine jährliche Rendite von 9,73 Prozent bekommen. Ich kann nur wiederholen: Der jetzige Kurs hat mit dem wahren Wert der Gesellschaften nichts zu tun. Das wird sich hoffentlich in absehbarer Zukunft ändern. Dazu wird es aber notwendig sein, dass das neue Management wieder stärker mit dem Kapitalmarkt kommuniziert.

trend: Den Anlegern wurden die Aktien als Sparbuchersatz und mündelsicher verkauft – untermauert mit einem Gutachten auf der Homepage. Eine glatte Täuschung?
Petrikovics: Ich weise entschieden zurück, die Immo­finanz-Aktie jemals in die Nähe eines Sparbuchs gerückt zu haben. In dem Gutachten stand: mündelsicher als Teil eines Portfolios. Wir haben auch in der Werbung kein Sparschwein verwendet. Wir haben mit der Rendite geworben, aber mit dem Hinweis, dass aus der Vergangenheit nicht die zukünftige Entwicklung abgeleitet werden kann.

trend: Dennoch: Den Anlegern wurde Sicherheit suggeriert. Der AWD, Ihr Hauptvertriebspartner, hat die Aktien manchen Kunden sogar als Fonds verkauft – und sie als Tilgungsträger für Kredite forciert.
Petrikovics: Ich will mich nicht drücken, aber diese Frage müssen Sie meinem Ex-Kollegen Norbert Gertner stellen. Für den Inlandsvertrieb war im Vorstand ausschließlich er ­zuständig. Nur so viel: Wir hatten 120 Vertriebspartner, darunter viele renommierte Banken. Ich kann nicht beurteilen, was manche Partner ihren Kunden vielleicht erzählt haben.

trend: Im Unterschied zu vielen kleinen Investoren haben Sie keine finanziellen Sorgen. Sie fahren einen Aston Martin. Sie haben sich schätzungsweise 20 bis 30 Millionen ­Vermögen erarbeitet: sehr viel Geld für einen angestellten Manager. Plagt Sie da nicht das schlechte Gewissen?
Petrikovics: Ich habe schon besser geschlafen. Die 20 bis 30 Millionen muss ich leider in die Welt der Gerüchte verweisen. Ich leug­ne aber nicht, dass ich sehr gut verdient habe: Mein Gehalt war sehr erfolgsabhängig. Außerdem habe ich alleine einen Job gemacht, den jetzt zwei oder drei Manager machen. Zum Aston Martin möchte ich auch was sagen, weil das immer wieder kommt: Seit meiner Jugend und den ersten James-Bond-Streifen war es ein Traum von mir, einmal so einen Wagen zu haben. Diesen Traum habe ich mir mit 52 Jahren erfüllt.

trend: Sie müssen aber sehr vermögend sein. Sie haben gegenüber der CPB eine persönliche Haftung über 15 Millionen Euro abgegeben. Die wurde verlangt, weil Sie dem Investor Rudolf Fries eine Put-Option für seine Wiener Arsenal-Immobilien über 75 Millionen Euro einräumten, obwohl sie angeblich nur 60 Millionen wert sind.
Petrikovics: Ich habe damals diese Haftung übernommen, weil ich eine Lösung für die 512 Millio­nen von der Immoeast ermöglichen wollte. Dazu war, wie gesagt, die Trennung von Bank und Immobilienbereich eine Voraussetzung. Was den Wert des Arsenals betrifft, wird demnächst ein Gutachten auf den Tisch kommen. Wir hatten jedenfalls einen Käufer, der mehr als 74 Millionen zahlen wollte. Der Deal hat sich leider zerschlagen.

trend: Können Sie sich einen symbolischen persönlichen Beitrag als Geste für die geschädigten ­Aktionäre vorstellen?
Petrikovics: Was immer ich gemacht habe, ist besten Wissens und Gewissens im Interesse der Anleger und Eigentümer passiert. Ich möchte auch betonen, dass ich von der Immofinanz nie ein Gehalt bezogen und von Juli bis Oktober 2008 gänzlich gratis gearbeitet habe, um die Situation noch zu bereinigen.

trend: Die jetzigen Verantwortlichen der CPB verweigern den Zugriff auf Ihr dortiges Wertpapierdepot. Offenbar will die Bank an Ihr Vermögen.
Petrikovics: Ich bin Kunde der Bank wie jeder andere und schockiert, dass hier das Bankgeheimnis offensichtlich verletzt wird, indem man Ihnen mehr erzählt als mir. Wenn die Sache mit meinem Depot so ist, wird das rechtlich geklärt werden müssen.

trend: Es ist auch zu hören, dass auf Ihren umfangreichen Immobilienbesitz zugegriffen werden soll.
Petrikovics: Davon weiß ich nichts. Mein Immobilienbesitz wird jedoch sehr überschätzt. Ich habe nur Objekte gekauft, die die CPB errichtet hat, zu 70 Prozent fremdfinanziert.

trend: Würden Sie Ihre Liegenschaften – inklusive Stiftung und Familie – offenlegen?
Petrikovics: Die können schon jetzt im Grundbuch nachvollzogen werden. Ich habe nichts zu verbergen.

trend: Es gibt Gerüchte, dass Sie und andere Organe der Immofinanz-Gruppe Privatgeschäfte getätigt haben: Immobilien gekauft oder entwickelt und dann mit Gewinn an die Firma weitergegeben.
Petrikovics: Für mich kann ich das kategorisch ausschließen. Und auch bei den anderen Herren glaube ich das nicht. Da werden gezielt haltlose Gerüchte gestreut.

trend: Mag sein. Aber verstehen Sie die Emotionen? Managern wie Ihnen wird die Finanzkrise angelastet: jahrelang Gebühren und Provisionen kassiert. Umso mehr Risiko, desto mehr Bonus. Aber das Risiko trifft letztlich nur die Anleger.
Petrikovics: Ich verstehe, dass die Wogen hoch gehen, man braucht sich ja nur die Diskussion über Managergehälter anzusehen. Tatsache ist: Die CPB hat 0,6 Prozent Managementgebühr auf Basis des Immobilienvermögens bezogen. Was machen andere Banken anders? Bei jedem Aktienfonds zahlen Sie höhere Gebühren. Zum Risiko: Wir haben bei der Immofinanz sicher nicht zu viel ­Risiko genommen. Im Gegenteil: Ich wurde jahrelang von institutionellen Investoren beschimpft, weil wir unsere Objekte mit 50 Prozent Eigenkapital unterlegt haben. Man warf mir vor, dass ich den Aktionären Geld stehle, weil die Rendite auf das eingesetzte Kapital höher gewesen wäre, hätten wir mehr fremdfinanziert.

trend: Sie haben jährlich die Immobilien aufgewertet, eine Rendite von 15 Prozent in Aussicht gestellt. So ein Spiel kann doch auf Dauer nicht gut gehen?
Petrikovics: Wieso? Was die Aufwertungen betrifft, so war das eine zwingende Vorschrift der IFRS-Bilanzierungsregeln. Aber ich bleibe auch dabei, dass sehr wohl hohe Renditen zu erzielen sind. Eine Immobilie im Osten mit acht Prozent Mieterträgen bringt 13 Prozent Rendite, wenn ich die Hälfte auf Kredit finanziere. Plus zwei Prozent Wertsteigerung, das ist bei guten Objekten absolut realistisch. Ein Haus im ersten Wiener Bezirk kostet heute in Euro das, was es vor 20 Jahren in Schilling gekostet hat. Es ist die Aufgabe des Managers, in der besten Lage als Erster zu kaufen. Und wie gesagt: Mit einem größeren Leverage hätten wir noch viel mehr verdienen können. Aber wir waren sehr konservativ – auch wenn der Aktienkurs das nicht widerspiegelt.

trend: Noch einmal allgemein gefragt: Finden Sie ein System richtig, welches Risiko durch Boni belohnt, aber umgekehrt passiert dem Manager nichts, wenn was schiefgeht?
Petrikovics: Es ist nötig, dass die Regeln des Finanz­systems überdacht und grundsätzlich diskutiert werden. Wahrscheinlich müssten Managergehälter noch stärker auf den Unternehmenserfolg abgestellt sein. Praktisch ist das sehr schwierig, weil Managerver­träge ja immer zeitlich begrenzt sind.

trend: Herr Petrikovics, einmal noch zurück zum Cons­tantia-Immofinanz-Komplex. Sie waren Chef der Bank und beider Immobiliengesellschaften, nicht gerade eine gute Corporate Governance ...
Petrikovics: Das war für jeden transparent, stand in ­jedem Geschäftsbericht und in jedem Prospekt. Auch Börse und Finanzmarktaufsicht hatten nie etwas dagegen. Abgesehen davon: Auch Herr Zehetner ist jetzt Chef beider Immobiliengesellschaften.

trend: Aber hätten Sie in dieser grenzwertigen Konstellation nicht besonders vorsichtig sein müssen und keinesfalls als Immofinanz-
Vorstand Geld bei sich selbst veranlagen und damit ausgerechnet Immofinanz-Aktien kaufen dürfen?
Petrikovics: Wir kannten diese Papiere am besten und wollte deren Potenzial für die Bank nutzen. Hätten wir wirklich etwas verbergen wollen, hätten auch wir – wie andere – den Umweg über Jersey oder Curaçao gehen können.

trend: Moralisch bedenklich fanden Sie Ihr Vorgehen den Anlegern gegenüber nicht?
Petrikovics: Schauen Sie, alle Analysten, Investoren und ich persönlich auch waren von diesen Aktien überzeugt: Ich habe damals keinen Grund gesehen, das nicht zu tun.

trend: Aber wohl war Ihnen dabei nicht, sonst hätten Sie die Papiere ja nicht in kleinen Paketen auf viele CPB-Töchter aufteilen müssen?
Petrikovics: Wir mussten das tun, weil die Bank ja Großveranlagungsgrenzen unterliegt. Ob diese gewählte Vorgangsweise bankrechtlich legal war oder nicht, wird gerade geprüft. Aber verstecken wollten wir nichts. So blöd sind wir nicht, dass uns das über Offshore-Gesellschaften nicht gelungen wäre. Genau das wollten wir nicht.

trend: Würden Sie zustimmen, dass Sie nach vielen Erfolgen irgendwann einmal ein zu großes Rad gedreht haben und die Sache dann einfach aus dem Ruder gelaufen ist?
Petrikovics: Ich gebe zu, dass ich einer der Steuermänner dieses Schiffs war und mein Blick immer nach vorne, zum Horizont gerichtet war. Ich habe vermutlich nicht immer darauf geachtet, was an oder unter Deck passiert.

trend: Einen Prozess gegen Sie wird es wohl geben?
Petrikovics: Das entscheidet der Staatsanwalt, dem ich weiterhin alle Fakten offenlegen werde.

trend: Glauben Sie, dass Sie die Justiz von Ihrer Unschuld überzeugen werden können?
Petrikovics: Ich behaupte nicht, keine Fehler gemacht zu haben. Die Entscheidung kann letztlich nur ein Gericht treffen.

trend: Und was haben Sie vor, wenn die Sache einmal ausgestanden ist?
Petrikovics: Ich werde mich privat weiterhin mit Immobilieninvestments beschäftigen. Auch wenn im Moment viele daran zweifeln: Gerade in dieser Krise stellen Immobilien noch immer relativ sichere Werte dar.

Fotos: Philipp Horak

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