Jamal al-Wazzan – Der Meister der City

Jamal al-Wazzan – Der Meister der City

Jamal al-Wazzan ist seit dem Einstieg in die Handelsfirmen seines Rivalen Rakesh Sardana Wiens unangefochtener Innenstadt-König.

Sein iPhone läutet, ein Geschäftspartner ist dran und fängt gleich an, einen Witz zu erzählen. "Bitte ruf später an, jetzt ist es gaaanz schlecht“, sagt der kahlköpfige Mann hinter dem Schreibtisch. Sein Blick fällt auf eine Galerie mit Fotos von Familienmitgliedern rechts, auf einen hölzernen Buddha und den aktuellen Pirelli-Kalender links und durchs Fenster auf die Kärntner Straße. "Nein, das wäre zu peinlich“, quittiert er den trend-Vorschlag, dort unten ein Foto von ihm, dem König der Wiener Nobel-Einkaufsstraßen, zu machen. Lieber doch oben vor dem Fenster. Noch ist die Sache ja nicht über die Bühne.

Jamal al-Wazzan, 54, hat schon wieder zugeschlagen. Nachdem er erst im April das Kaufhaus LaStafa in der Mariahilfer Straße gekauft hat, ein geschätzter 30-Millionen-Euro-Deal, ist er mit seiner Schöps AG Ende Juli mit je 50 Prozent bei den insolventen Firmen seines Konkurrenten Rakesh Sardana eingestiegen - dazu gehören unter anderem ein Swarovski-Store oder auch die legendäre Reissbar. Bis zur nächsten Tagsatzung am 7. November soll klar sein, ob sich die angestrebte Konkursquote ausgeht; rund sechs Millionen Euro sollen es sein. Auch an der von Sardana gegründeten, nicht insolventen Souvenirkette Mostly Mozart ist al-Wazzan nun mit seinem Partner Joachim Knehs beteiligt: Dort werden Mozartkugeln ebenso feilgeboten wie T-Shirts mit "I love Vienna“-Aufdruck.

40 Geschäftslokale in der Wiener City sind schon jetzt unter seiner Regie, 15 allein in der Kärntner Straße. In ganz Österreich sind es rund 140, neben Wien auch in Graz, Linz und Klagenfurt.

Immobilien-Profis wie Georg Muzicant von Colliers International, der im Namen von Kunden selbst Interesse an einigen Standorten deponiert hatte, sind überzeugt, dass der jüngste Einstieg für al-Wazzan "ein sehr guter Deal“ war: "Da stecken ziemliche Assets drin.“

Deshalb muss alles andere, etwa die Neukonzeption von LaStafa, derzeit warten, die Verhandlungen mit Masseverwaltern, Lieferanten & Co haben Vorrang. Das iPhone läutet im Minutentakt. Jetzt schon wieder: "Hallo Rakesh, nein, nicht jetzt, treffen wir uns in einer Stunde?“

Handel mit Mietrechten

Der gebürtige Iraker al-Wazzan, der etwa als Franchisenehmer der Modekette Stefanel selbst viele Jahre lang Händler war, hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt. Er betreibt heute kaum noch einen Laden selbst, sondern handelt mit Mietrechten. Seit 2004 hat er intensiv damit begonnen, Geschäfte in guten Lagen zu kaufen oder zu mieten. Diese entwickelt er, um sie weiterzuvermieten - vorzugsweise an internationale Handelsketten wie H&M, die so fertig aufbereitete Flächen bekommen. Als "mit Abstand größten Player am Wiener Markt“ bezeichnet ihn Muzicant.

Unter den Herren der City herrscht zwar beinharter Wettbewerb, aber auch die Regeln der Ehre werden hochgehalten. "Ich will niemanden untergehen sehen, das liegt nicht in meinem Naturell“, begründet al-Wazzan, warum Sardana an Bord bleibt. Schon vor drei Jahren habe er mit dem nunmehrigen Partner, dessen Leerstandsrate ihm nicht entgangen war, über einen Einstieg verhandelt. Doch Sardana weigerte sich bis zum bitteren Ende - und hofft dennoch nun auf eine neue Chance an der Seite von al-Wazzan: "Nur mit Erfolg kann ich meine Feinde beschämen.“

Offene Feindschaften kann sich in dem Metier ohnehin niemand leisten. Das Verhältnis zwischen al-Wazzan, der sich selbst als "Arbeiter“ und "konfliktscheu“ bezeichnet, mit den Mitbewerbern am Markt gilt als intakt - einzig mit Kleiderbauer-Eigentümer Peter Graf gebe es "kein Verhältnis“, sagt er selbst. Und das hat wiederum mit Schöps zu tun.

Vor vier Jahren spazierte Joachim Knehs, Ex-Vorstand von Palmers und Don Gil, Schwiegersohn von Ex-Kanzler Franz Vranitzky, bei al-Wazzan herein und schlug ihm drei Deals vor: einen kleinen, einen mittleren und einen großen.

Aus der Übernahme des Modehauses Fürnkranz mit vier Standorten wurde nichts, aus jener von Don Gil mit 30 Filialen ebenso wenig. Doch bei der traditionsreichen Schöps-Kette mit 120 Shops kam das Duo zum Zug. Seitdem ist die Schöps AG wieder ein Begriff, nicht mehr als Modehändler, denn das Unternehmen wurde bald darauf filetiert - so der Hauptvorwurf von Kleiderbauer-Graf in Richtung al-Wazzan -, sondern als zentrales Vehikel von al-Wazzan und seinem um acht Jahre jüngeren 40-Prozent-Partner.

Wettrennen

Der zuletzt hinterlegte Jahresabschluss für 2010 ist mit 1,4 Millionen Euro positiv, bei Miet- und Pachterlösen von 4,2 Millionen sowie Umsätzen aus Shops (Tally Weijl und sOliver) von 4,8 Millionen Euro. In der Bilanz haben sich über die Jahre allerdings Verlustaltlasten von 33 Millionen Euro angesammelt. "Ich mache nur Dinge, die ich mir leisten kann“, beteuert jedoch Ferrari- und Porsche-Fan al-Wazzan. Seine Bankpartner sehen das auch so: die Bank Burgenland bei Schöps, die RLB Oberösterreich bei LaStafa und die Erste Bank für das Daily Business.

Der Handelsprofi mit gerade einmal drei Mitarbeitern im Büro legt Wert auf die Feststellung, "dass ich meine Geschäfte aus dem Bauch heraus mache“. Nur einen Menschen fragt er immer nach seinem Rat, wenn es um ein größeres Investment geht: seinen um zwei Jahre jüngeren Bruder Haythem in Salzburg, der in der Mozartstadt ebenfalls einer der ganz Großen in der Handels- und Immobilienszene geworden ist (siehe Kasten links). "Die beiden sind fix, extrem schnell und professionell“, zeigt sich Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbands, angetan.

Anders als die Legende es will, sind die al-Wazzans nicht aus ärmlichen Verhältnissen: Der Vater war erfolgreicher Lebensmittelgroßhändler in Bagdad und wollte die Kinder in Europa erziehen lassen. "Sie haben das unternehmerische Talent und die Intelligenz vom Vater“, urteilt Howeda al-Wazzan über ihre Brüder. Die Schwester geht, ebenfalls von Wien aus, vor allem sozialen Aktivitäten nach.

Mit vier Jahren nach Österreich gekommen, ging Jamal al-Wazzan ebenso wie sein Bruder im Kloster der Schwestern vom Armen Kinde Jesu in Maria Enzersdorf zur Schule. Die HTL in Mödling brach er kurz vor der Matura ab.

Als sich die Chance mit Stefanel bot, nahm er Wien, Haythem erst Wiener Neustadt und später Salzburg - damit war die Gebietsaufteilung vorgezeichnet. Aus dem anfänglichen "Wettrennen“ sei inzwischen "mehr als ein brüderliches Verhältnis“ geworden, sagt Jamal. Mutter seiner Kinder und Ex-Frau ist übrigens die Porr-Sprecherin Gabriele al-Wazzan. Sohn Nicolas ist nicht nur Tormann beim FC Gießhübl, sondern kommt mit einer Tourismusausbildung auch als potenzieller Betreiber der Reissbar infrage.

Doch jetzt regiert schon wieder das iPhone, al-Wazzan springt auf. In puncto Geschäftsvolumen, setzt er noch nach, "haben wir jetzt den Plafond erreicht“. Und fügt lachend hinzu: "Aber wer weiß?“

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