Genossenschaften: Hier braucht es Geduld - und Glück

Genossenschaften: Hier braucht es Geduld - und Glück

Wer sich beim Erwerb von Eigentum finanziell unter die Arme greifen lassen will, fährt gut mit einer geförderten Wohnung. Ohne Geduld und ein bisschen Glück geht es bei den Gemeinnützigen allerdings nicht.

Damals waren seine Haare noch von einem satten Braun und in ihrer Fülle sicherlich nur schwer zu bändigen. Michael Spindelegger war Ende 20, als sein Vater, der Bürgermeister der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Hinterbrühl, ihn in einem Festakt ehrte: Während die Dorfkapelle spielte, übergab er ihm die Schlüssel zu seiner Gemeindewohnung .

Wer heute in eine geförderte Bleibe zieht, muss sich die Kapelle wohl selbst bezahlen. Doch auch ohne Musik ist die Freude bei vielen Österreichern groß, wenn sie den Zuschlag bekommen - vor allem, wenn es sich um eines der raren gemeinnützigen Eigentumsobjekte handelt. Denn sie stellen für viele Paare und Familien mit begrenztem Einkommen und in Zeiten stark gestiegener Immobilienpreise oft die einzige Möglichkeit dar, unmittelbar vom Mieter zum Wohnungsbesitzer aufzusteigen.

Entsprechend lang sind die Wartelisten bei den gemeinnützigen Bauvereinigungen. "In attraktiven Lagen kommen schnell ein paar Hundert Interessenten zusammen“, sagt Gabriele Aigner-Tax, die Leiterin des Wohnservice Wien, einer Plattform, die über sämtliche Projekte der Gemeinnützigen informiert, die in den nächsten zwei bis drei Jahren in Wien realisiert werden. Aktuell kann Aigner-Tax drei geplante Projekte mit rund 100 Wohnungen anbieten, die alle außerhalb des Gürtels liegen: "In den innenstadtnahen Bezirken gibt es praktisch keinen Neubau mehr.“

Wer seine Chancen auf eine geförderte Eigentumswohnung erhöhen will, sollte sich zusätzlich direkt an die Bauträger wenden. Sie veröffentlichen ihre Projekte in einem viel früheren Stadium und vergeben immerhin auch zwei Drittel der Wohnungen selbst. Nur ein Drittel kommt über das Wohnservice. Insgesamt gibt es in Österreich knapp 200 Bauvereinigungen. Ein bisschen Aufwand ist somit schon erforderlich, bis man die passenden Objekte identifiziert und sich als Interessent registriert hat. Danach heißt es, ruhig Blut zu bewahren. Denn bis zur Vergabe können einige Jahre ins Land gehen.

Einkommensgrenzen

Wer kommt überhaupt für eine geförderte Wohnung in Frage? Das entscheidende Kriterium ist hier das Einkommen. Die Grenzen sind allerdings durchaus großzügig bemessen. So darf ein Ehepaar zum Zeitpunkt des Antrages maximal rund 5100 Euro netto pro Monat (14 Mal) verdienen. Das ergibt eine Summe von über 70.000 Euro netto im Jahr. Bei einer dreiköpfigen Familie kommen nochmals rund 10.000 Euro Jahresverdienst dazu.

Gar nicht so wenige Bewohner in gemeinnützigen Objekten lassen sich somit durchaus als gut situiert bezeichnen. Der Lehrer mit seiner Familie wohnt dort genauso wie der Referent eines Ministeriums und seine berufstätige Ehefrau.

Der Vorteil einer geförderten Eigentumswohnung im Vergleich zu einer frei finanzierten besteht in zweifacher Hinsicht: Zum einen liegt der Preis pro Quadratmeter deutlich unter den aktuellen Marktpreisen. Während sich frei finanziertes Eigentum im Wien im Schnitt auf 4270 Euro pro Quadratmeter verteuert hat, bieten die Gemeinnützigen einen Quadratmeter für 1500 und 2800 Euro an, je nach Lage und Ausstattung. Zudem kann ein Teil des Kaufpreises über ein zinsgestütztes Darlehen mit 30-jähriger Laufzeit durchaus attraktiv finanziert werden.

Mietkauf

Wer unsicher ist, ob er einmal Eigentümer werden oder lieber Mieter bleiben möchte, kann bei den Gemeinnützigen auf eine Mischform ausweichen, im Fachjargon Mietkauf genannt. Für diese Variante hat sich das Ehepaar Christiane und Klaus Schraffl entschieden. Beim Mietkauf mietet man die Wohnung zunächst an und hat nach Ablauf einer zehnjährigen Frist die Möglichkeit zu kaufen. Die finanzielle Belastung in der ersten Phase besteht aus einem sofort zahlbaren Baukostenzuschuss, der bei einem Auszug abzüglich der Abnutzung wieder zurückbezahlt wird, und der monatlichen vergünstigten Miete.

Für die Schraffls ein attraktives Modell: "Natürlich sind die 40.000 Euro Baukostenzuschuss nicht gerade wenig, aber die Miete ist mit 530 Euro gut vertretbar“, sagt Christiane Schraffl.

Wer schneller die Eigentumskarte ziehen will, kann sich auch bei bestehenden Objekten als Nachmieter bewerben. Das ist insofern vorteilhaft, weil die Jahre des Vormieters angerechnet werden. Je später man also einsteigt, umso eher flattert einem das Kaufoffert des Bauträgers in den Briefkasten. Einziger Nachteil: Die Auswahl ist vergleichsweise gering. Pro Jahr werden in Wien nur rund 400 Übernehmer für Mietkauf-Wohnungen gesucht.

Spindelegger hat zehn Jahre lang in einer geförderten Mietwohnung gelebt. Wer sich heute für ein solches Objekt entscheidet, sollte seine Nachbarn also ruhig mal eines Blickes würdigen. Denn vielleicht lebt er ja Tür an Tür mit jemandem, der es später einmal zu etwas bringt.

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