Die Rückkehr des Hausmeisters

Die Rückkehr des Hausmeisters

Immer mehr Wohnprojekte wollen mit Concierge-Service punkten. Dabei handelt es sich allerdings nicht immer nur um Immobilien für die oberen Zehntausend.

Statt beladen mit Kind und Kegel im Regen hektisch in der Tasche nach dem Haustorschlüssel zu kramen, öffnet ein guter Geist die Tür und nimmt einem beim Eintreten das Gepäck ab. Hinter dem Portierpult grüßt der Concierge und berichtet, dass das überdimensionierte Online-Versand-Packerl schon den Weg in die Wohnung gefunden hat. Kaum sperrt man die Wohnung auf, schlägt einem der betörende Duft frischer Lilien entgegen, die wie von Zauberhand in einer Vase auf der Vorzimmerkommode arrangiert wurden. Die Wohnung ist frisch geputzt, die Hemden aus der Wäscherei hängen im Schrank, und der Kühlschrank ist gut gefüllt - und das alles, ohne selbst einen Handgriff getan zu haben. Es bleibt also Zeit genug, um im hauseigenen Pool ein paar Bahnen zu schwimmen, bevor man sich um das Abendessen kümmert - oder es sich aus dem Hausrestaurant liefern lässt.

Den Wohntraum, über solch eine Schar dienstbarer Geister zu verfügen, würde man allenfalls in Luxusappartements an der New Yorker Park Avenue vermuten. Ab kommendem Jahr ist das aber auch in den Residences Sans Souci im siebenten Wiener Bezirk möglich, die bei den Wohnungseigentümern mit Hotelservice punkten wollen. In der US-Metropole, in London oder Paris schätzt man solchen Service hingegen bereits seit Jahrzehnten nicht nur in High-End-Immobilien, sondern in beinahe jedem besseren Mietshaus. Ein Concierge oder Portier, der den Bewohnern des Hauses das Leben erleichtert, indem er sich um die Haussicherheit ebenso kümmert wie um das Annehmen von Paketen, das Gießen der Blumen oder notwendige Reparaturen, gehört schlicht und einfach dazu. Je nach Preisklasse erfüllt er Hausmeistertätigkeiten oder zeigt sich zudem auch als Vollprofi im Organisieren von Diensten jeder Art.

Steigende Nachfrage

Der Bedarf wächst, wie auch der alle zwei Jahre veröffentlichte "Global Serviced Apartments Industry Report“ von Apartment Service Worldwide festhält. So stieg das Angebot in den vergangenen drei Jahren weltweit um 34, in den USA und Kanada sogar um 58 Prozent. Österreich wurde im Marktbericht nicht berücksichtigt. Zu klein war das Angebot bisher, doch Rundumservice für Hausbewohner wird auch bei uns immer öfter angeboten - in Luxuswohnungen, die über einer der neuen Wiener Nobelherbergen wie dem Sans Souci in der Burggasse oder dem Hotel Kempinski am Schottenring entstehen sollen, aber auch in ganz normalen Immobilien, für die man kein Krösus sein muss, um all die Annehmlichkeiten servicierten Wohnens zu genießen.

Vorgezeigt hat das die Siedlung OrchideenPark der IG Immobilien in Wien-Döbling, wo Langzeitmieter neben Boarding-House-Bewohnern, die oft nur drei bis vier Monate bleiben, leben. "Damit das Konzept funktioniert, braucht die Liegenschaft eine Mindestgröße von 7000 Quadratmetern. Sonst werden die Kosten für die einzelnen Hausbewohner zu hoch“, sagt IG-Immobilien-Geschäftsführer Hermann Klein. Denn oft scheitert es an der mangelnden Größe eines Objekts, dass sich der Concierge-Service auf Dauer nicht rentiert. "In Ländern, in denen der Concierge Tradition hat, teilen sich mehr Mieter oder Eigentümer die Kosten als hierzulande“, erklärt Martin Müller, Geschäftsführer von Jelitzka und Partner Immobilien in Wien. "Gibt es in einem Haus gerade einmal zehn oder zwanzig Parteien, wird das selbst wohlhabenden Bewohnern auf Dauer einfach zu teuer.“ Kein Wunder, können sich die Kosten zusätzlich zu den Betriebskosten schnell einmal auf 350 Euro im Monat belaufen.

Derzeit plant die IG Immobilien mit der Campus Lodge beim Wiener Prater in der Nähe der neuen Wirtschaftsuniversität ein neues Wohn-und Boarding-Haus mit 111 Mietwohnungen und 36 möblierten Apartments. In den Betriebskosten werden nicht nur die Kosten für einen Concierge, sondern auch für Fitnessbereich, Pool und andere Gemeinschaftseinrichtungen enthalten sein. Über die monatlichen Kosten wird derzeit noch gegrübelt, man kann aber annehmen, dass sie sich in einer ähnlichen Preisklasse wie im OrchideenPark (siehe Angebotsliste ) bewegen. Bezugsfertig sind die Wohnungen ab dem Sommer 2013. Auch weitere servicierte Projekte sind geplant, allerdings müssten dafür erst Grundstücke gefunden werden, die entsprechende Projektgröße gewährleisten.

In Linz fand die Real-Treuhand Immobilien im Viertel zwischen Hauptbahnhof, Wissensturm und Volksgarten bereits den idealen Standort, um ein solches Projekt zu realisieren. Am "LINZ.punkt“ werden 110 Wohnungen zwischen 69 und 236 Quadratmeter errichtet. Sie befinden sich in einem 20-stöckigen Wohnturm, der freie Sicht auf die Alpen verspricht, und in drei "PLUS.punkt-Häusern“ in einer parkähnlichen Anlage. Betreut wird der Komplex von einem Portierdienst, der sich unter anderem um Wartung, Organisation von Reparaturen, Sicherheit und Schlüsselübergaben, etwa für Babysitter oder Reinigungsdienste, kümmert. Die monatlichen Mietkosten starten bei 595 Euro. Der Concierge-Service wird - wie bei dem Gros der Projekte - über die Betriebskosten abgerechnet. Die Eigentumswohnungen sind aufgrund der hohen Nachfrage bereits vergeben.

Maßgeschneiderter Service

Auf Wohnen mit Service setzt man auch in der steirischen Kurgemeinde Bad Gleichenberg. Neben dem Kurpark werden vom Bauträger Mandlbauer auf dem Gelände des ehemaligen Kur-und des Parkhotels 41 Wohnungen - von der Ein-Zimmer-Garçonnière bis zum Penthouse - errichtet. Sie sind je nach Größe und Ausstattung zwischen 2600 und 4000 Euro pro Quadratmeter zu haben (www.wohnenamkurpark.at). "Die meisten Interessenten sind im beginnenden Pensionsalter und wollen hier - auch aufgrund der nahe liegenden Therme - ihren Hauptwohnsitz errichten. Sie schätzen es, einen Ansprechpartner für alle Belange im Haus zu haben, der sich um Reinigungsdienste ebenso kümmert wie um Organisatorisches“, sagt Jörg Siegel, geschäftsführender Gesellschafter von Mandlbauer. Wer will, kann die verschiedenen Dienste beanspruchen, muss aber nicht. Denn abgerechnet wird je nach Leistung oder nach einem maßgeschneiderten Servicepaket.

Beim Österreichischen Siedlungswerk (ÖSW) sind hingegen bereits alle Leistungen im Mietpreis inkludiert. Der Wiener Bauträger wagt sich derzeit gleich an zwei servicierte Projekte für Kurzzeitwohnen zwischen zwei Monaten und zwei Jahren. So entstehen am Storchengrund im 15. Wiener Bezirk nahe der U-Bahn-Station Längenfeldgasse 63 Wohneinheiten, das Projekt Messecarrée Nord beim Prater verfügt sogar über 190 möblierte Wohnungen mit Loggien und Terrassen. Die Mietkosten bewegen sich bei rund 580 Euro monatlich. Dafür unterstützt ein Concierge die Bewohner in allen Belangen: Buchung der Sauna oder des Fitnessraums im Haus, Reinigung, Pflanzenpflege, Reiseplanung und Apothekenservice. Am Storchengrund werden bereits im kommenden Frühjahr die ersten Mieter einziehen, im Messecarrée Nord müssen sie sich noch bis Sommer 2014 gedulden. "Die Nachfrage stieg in den vergangenen Jahren so stark, dass das ÖSW nun sogar darüber nachdenkt, eine eigens darauf spezialisierte Wohnlinie anzubieten“, so Unternehmenssprecherin Daniela Fiedler.

Freunde des exklusiveren Wohnens werden beim Projekt "Das Hamerling“ fündig, das die Soravia-Gruppe bis Ende 2014 in Wien errichtet. In dem Gebäude, in dem einst das Militärgeographische Institut und später das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen untergebracht war, entstehen direkt neben dem Hamerlingpark bis Ende 2014 ein Restaurant, Seniorenwohnungen und bis zu 60 freifinanzierte Eigentumswohnungen ab 70 Quadratmetern, darunter auch einige Penthouse-Wohnungen mit spektakulärem Wien-Blick. Für die Architektur zeichnet das Schweizer Büro Marazzi + Paul verantwortlich.

Eigentliches Asset ist die Anwesenheit eines Concierge in der Lobby. "Er wird wochentags von sieben bis 21 Uhr, am Wochenende bis 20 Uhr ständiger Ansprechpartner für die Hausbewohner sein. Bei ihm laufen die Kommunikationssysteme des Hauses zusammen, er kümmert sich um die Sicherheit im Haus, befüllt den Kühlschrank, übernimmt Haustiersitting und steht für sämtliche Dienstleistungen zur Verfügung“, erklärt Bernhard Holper, Projektleiter der Soravia Group. Wer in den Genuss dieser Annehmlichkeiten kommen möchte, muss mit Preisen von rund 4000 Euro pro Quadratmeter rechnen. Durch die Nutzfläche von rund 20.000 Quadratmetern halten sich aber die Zusatzkosten für den Concierge-Service in Grenzen. Die Projektentwickler rechnen mit vergleichsweise moderaten Mehrkosten zwischen 40 und 60 Cent pro Quadratmeter.

Kurzes Zwischenspiel

Besonders beliebt sind die Dienste eines Concierge auch in Kurzzeitapartments. Letztere werden einerseits gern von Geschäftsleuten genützt, die für einen mehrmonatigen Aufenthalt in einer fremden Stadt weder in einem Hotel logieren noch eine Wohnung bürokratisch anmieten wollen. "Aber auch als Übergangswohnung nach einer Trennung, einem Brand- oder Wasserschaden in den eigenen vier Wänden oder als Zwischenlösung, bis die eigene Wohnung endlich fertiggestellt ist, sind sie immer gefragter“, weiß Moe Mahmoodian, Geschäftsführer von "Viennaresidence - Business Rental Apartments“ in Wien. Der Vorteil: Man spart sich aufwändige Besichtigungen, zieht lediglich mit einem Koffer ein, Möbel, Bettwäsche und Handtücher sind vorhanden. Um Reinigung und Organisation kümmern sich die Anbieter.

"Serviced Apartments“ finden sich vor allem am Wiener Markt, vereinzelt aber auch in Graz oder Salzburg, etwa in den Wolf-Dietrich-Appartements in der Salzburger Altstadt. Wer hier einzieht, legt vor allem Wert auf eine gediegene bis originell gestaltete Bleibe, die alle Stückerln spielt - Aussichtsterrasse inklusive. Dafür muss allerdings auch tief in die Tasche gegriffen werden. Ein Monat Aufenthalt mit Hotelservice schlägt mit Kosten ab 2560 Euro zu Buche.

Auch Jelitzka und Partner Immobilien bieten seit fünf Jahren hochwertige Apartments mit Rundumbetreuung. "Die Wohnungen sind nicht einfach mit Möbeln aus dem schwedischen Möbelhaus ausgestattet, sondern von Architekten wie Denis Košutiæ oder Einwaller gestaltet. Keine gleicht der anderen, und für die kurze Zeit, die die Gäste bleiben, genießen sie das originelle Design“, erläutert Geschäftsführer Martin Müller. Das muss man sich aber auch einiges kosten lassen. So kommt ein 70 Quadratmeter großes Apartment gut und gern auf 3240 Euro pro Monat. Dafür residiert man auch in bester Lage im ersten, sechsten oder neunten Bezirk.

Allerdings geht es auch deutlich günstiger. In den Aldano Serviced Apartments im 3. Bezirk ist man schon ab 1355 Euro pro Monat dabei. Und auch bei Viennaresidences lässt es sich ab 1185 Euro gut mit allen Annehmlichkeiten eines Hotelservice leben - und man genießt das vielleicht so sehr, dass man sich beim nächsten Umzug gleich nach einer Bleibe mit Concierge umschaut.

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