Verbesserter Ausbildung sei Dank: Der Beruf Immo-Makler gewinnt an Professionalität

Die Immobranche setzt auf Professionalisierung: Fundierte Ausbildung, praktische Erfahrung und soziale Kompetenz sollen Grundpfeiler für eine neue Generation von Maklern werden.

Lange Zeit hatten Immobilienmakler einen fürchterlichen Ruf. Sie galten als unseriöse Abzocker, die allein schon für das bloße Aufsperren der Wohnungstür ein Honorar stellten. Bei einer Imagestudie von Marketagent attestierten die Befragten den Mitgliedern der Maklerzunft ebenso wenig Vertrauen wie Autoverkäufern und Politikern. Das Trio rangiert damit ex aequo auf dem letzten Platz. „Das schlechte Image – verursacht durch wenige schwarze Schafe – haftete jahrelang an unserer Branche“, sagt Alois Reikersdorfer, Chef des internationalen Franchisenetzwerks Re/Max. Weshalb Re/Max laufend die Beratungsleistung der Makler testen lässt und in interne Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen investiert. Einerseits, um eine einheitliche Qualitätssicherung zu gewährleisten. Und andererseits, um den komplexen Anforderungen des Jobs Rechnung zu tragen.

Innerbetriebliche Ausbildung  
Bei Re/Max werden in der firmeninternen Akademie Neu- und Quereinsteiger von Beginn an professionell geschult, um als eigenständige Immobilienmakler tätig zu sein. Denn schließlich besteht das Geschäft des modernen Maklers nicht nur in der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. Vielmehr übernimmt ein gelernter Profi auch die Rolle eines Beraters und Dienstleisters, der neben Grundkenntnissen im Bau- und Mietrecht über fundierte Marktkenntnisse verfügen muss. Darüber hinaus gilt es häufig, Kunden bei der Finan­zierung einer Immobilie beratend unter die Arme zu greifen. Diesen Anforderungen wird das vier­stufige Re/Max-Karriereprogramm laut Geschäftsleitung gerecht. Die Mitarbeiter starten als Trainees und können sich bis zum akademischen Immobilienmanager ausbilden lassen. „Unsere Kunden können daher auf qualifizierte und kompetente Makler vertrauen“, versichert Reikersdorfer. Aber auch andere Immobilienunter­nehmen, wie die ÖRAG-Gruppe, die 144 Mitarbeiter in Wien, Linz und Salzburg beschäftigt, setzen auf berufliche Quali­fizierung. „Jeder, der bei uns arbeitet, hat laufend die Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung“, erzählt Johannes Endl, der als Jurist vor sieben Jahren im Unternehmen seine Karriere startete und mittlerweile Mitglied der Geschäftsführung des Bereichs Immobilienvermittlung ist.

Über Module zum Zertifikat
Neben innerbetrieblichen ­Ausbildungen stehen Immobilieninteressierten externe Bildungseinrichtungen zur Wahl. Die Immobilienakademie des Österreichischen Verbands der Immobilientreuhänder (ÖVI), bildet nicht nur Makler, sondern auch Verwalter und Bauträger aus. Sie bietet somit eine optimale Möglichkeit, sich stufenweise auf den Job als Makler vorzubereiten. „Unser modularer Aufbau eröffnet einen strukturierten Weg, der vom Basistraining für Makler und Verwalter über Professional Trainings bis hin zu Vorbereitungskursen auf die Konzessionsprüfung reicht“, erklärt Anton Holzapfel, ÖVI-Geschäftsführer, das umfassende Programm der Immobilienakademie (siehe auch Immobilienausbildung in und um Wien herum ) . Starke Nachfrage verzeichnet er zurzeit bei Schulungen und Kursen, die sich der Zertifizierung von Branchenanfängern widmen. Die jeweilige Personenzertifizierung zum Maklerassistenten oder Immo-Be­rater, die das ÖVI in Zusammenarbeit mit dem ÖNORM-Institut erarbeitet hat, ­lie­­fert den Absolventen nicht nur fundiertes Basiswissen in Sachen Immobilien­vermittlung, sondern dient zudem dazu, ­einheitliche Standards für strukturierte Karrierelaufbahnen sicherzustellen. Bei der ÖRAG-Gruppe wird Mitarbeitern zusätzlich zu der Grundausbildung nahegelegt, eine Konzessionsprüfung abzulegen. „Wer die gewerbliche Prüfung besteht, hat schon ein ziemlich fundiertes Wissen über die Materie“, erklärt Endl.

Ab ins Gewerbe  
Der Wunsch nach Selbständigkeit in der Branche wächst. Insgesamt gibt es in Österreich 7.500 Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Die Hälfte davon sind konzessionierte Makler. Jahr für Jahr kommen zudem noch rund 500 neue Immo-Vermittler hinzu. Um jedoch als selbständiger Makler tätig zu sein, braucht man den entsprechenden Befähigungsnachweis. Hier gibt es zwei Varianten, um den Gewerbeschein in Händen zu halten. Die erste Option: „Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Studienganges an einer Fachhochschule oder eines Universitätslehrganges und einer darauf folgenden einjährigen Praxiszeit kann die Gewerbeberechtigung ohne Konzessionsprüfung bei der Wirtschaftskammer beantragt werden“, erklärt Thomas Malloth, Obmann des Fachverbandes der österreichischen Immobilien- und Vermögentreuhänder. Bereits 70 bis 80 Prozent der Makler entscheiden sich für diesen Weg. Vor allem die Fachhochschulen wie die FH Wien oder die FH Wiener Neustadt und auch die Donau-Universität Krems sowie die TU Wien haben sich diesbezüglich hervorgetan und bieten hochwertige Lehrgänge an (siehe auch Immobilienausbildung ) . Die traditionelle Variante: „Man erlangt die Gewerbeberechtigung durch eine fachliche Tätigkeit und durch das ­Ablegen einer Befähigungsprüfung“, ­er­gänzt der Experte. Die Praxisvoraussetzungen variieren hier je nachdem, welche Vorbildung man hat. So müssen etwa ­Maturanten vier Jahre in der Immobilienbranche tätig sein, und Absolventen eines wirtschafts- oder rechtswissenschaftlichen Studiums müssen zwei Jahre Arbeitser­fahrung aufweisen, bevor sie zur Prüfung antreten dürfen.

Erfolg durch Soft Skills  
Aber egal, wie man seine Konzession zum Makler erwirbt, soziale Kompetenzen sind das A und O, um sich in diesem Job gut zu ­bewähren. Dabei sind Kommunikationstalent, Offenheit und Konfliktmanagement-Skills enorm wichtig. „Die ­Fähigkeit, sich in den Kunden hineinzuversetzen und dessen Bedürfnisse zu verstehen, steht an oberster Stelle“, präzisiert Malloth. Wor­auf kommt es nun also wirklich an? Branchendurchstarter Johannes Endl hat für Frischlinge den passenden Tipp parat: „Man sollte es nicht tun, nur weil man glaubt, dass man damit schnell viel Geld verdienen kann.“ Allerdings gibt er auch gleich sanfte Entwarnung: „Wer Spaß am Umgang mit Menschen hat und Abwechslung im Beruf schätzt, ist in der Makler-Zunft sicher gut aufgehoben.“ Der berufliche und wirtschaftliche Erfolg stellt sich dann fast von alleine ein.

Von Birgitt Kohl

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