Niedrige Zinsen: Weniger Neuverträge bei Bausparern

Niedrige Zinsen: Weniger Neuverträge bei Bausparern

Die niedrigen Zinsen wirken sich auch bei den Bausparkassen aus, die Zahl der Neuverträge ist 2015 gesunken. Einlagen und Ausleihungen blieben relativ stabil. Gestiegen sind die Finanzierungen. Probleme machen hochverzinste Altverträge. Das System Bausparkassen sei weiterhin stabil, betonten am Dienstag Bausparkassen-Chefs bei einer Pressekonferenz.

Bausparen sei trotz der niedrigen Zinsen ein Produkt, das die Österreicher noch immer abschließen, so Josef Schmidinger, Generaldirektor der s Bausparkasse und Vorsitzender des Arbeitsforum Österreichischer Bausparkassen (ABÖ). Die Sparleistung gehe generell zurück. Die Menschen müssen auch Möglichkeit haben, Sparen zu können. Die Sparquote ist im Vorjahr laut Bausparkassen auf ein Rekordtief von 6,7 Prozent gesunken. Angesichts der Niedrigzinsen würden auch Kredite zurückgezahlt und auch konsumiert. Verwiesen wird auch auf Änderungen bei den Vertriebswegen und den Sparkurs bei den Banken. Hauptargument beim Bausparen sei Sicherheit, eine wichtige Rolle spiele auch, auf eine leistbare Finanzierung ansparen zu können.

Schweizer Franken schärfte Bewusstsein für Bausparen

Das Neugeschäft bei den vier heimischen Bausparkassen sank 2015 um 8,3 Prozent auf 831.827 Verträge. Die Bauspareinlagen gingen um 0,9 Prozent auf 20,48 Mrd. Euro zurück, die Ausleihungen um 0,2 Prozent auf 18,98 Mrd. Euro. Das zeige, dass das System stabil sei und sich einen guten Platz bewahren habe können. Bausparen ist laut Umfragen nach wie vor die beliebteste Anlageform. Die Finanzierungsleistung (Auszahlungen) stieg um 11,3 Prozent auf rund 2,7 Mrd. Euro. Nach dem Franken-Schock Anfang 2015 seien die Vorteile der Bausparfinanzierung mit Zinsobergrenze und langen Laufzeiten zur Finanzierung von leistbarem Wohnen offenbar wieder stärker ins Bewusstsein gerückt, so die Bausparkassen. Heuer will man an die Vorjahresergebnisse anknüpfen, man sieht sich hier auf einem guten Weg.

Die Bausparprämie liegt aktuell bei 1,5 Prozent und betrug im Vorjahr insgesamt 52 Mio. Euro (nach 53 Mio. Euro 2014). Damit sei das 50-Fache der vom Staat eingesetzten Prämie an Finanzierungsleistung erzielt worden, so Schmidinger.

50 bis 60 Prozent für Neubau oder Sanierung

Zur Verwendung des Bausparers sagte Raiffeisen-Bausparkasse-Chef Manfred Url, es seien keine Messungen möglich, es dürften aber 50 bis 60 Prozent des angesparten Geldes in Neubau oder Sanierung von Wohnbau fließen. Rund 20 Prozent der Guthaben dürften länger liegen als die steuerliche Bindungsfrist.

Zum Thema hochverzinste Altverträge wies Schmidinger heute erneut auf den Systemwechsel im Jahr 1999 hin: Bis dahin gab es Fixzinszusagen, seither gibt es nur mehr variable Zinsen.

"Kollektiv" will sich gegen hohe Altzinsen wehren

Die s Bausparkasse habe Kunden mit Altverträgen mit hohen Fixzinsen eingeladen, auf das variable System umzusteigen. Wenn jemand hohe Beträge in einen solchen Altvertrag stecke, sei das nicht der Sinn eines Bausparsystems. Die Bausparkassen hätten das Kollektiv zu schützen, und das müsse sich auch gegen eine Überdehnung des Systems wehren können. Bei der s Bausparkasse gebe es 44 Bausparkonten mit mehr als 300.000 Euro Einlagen, und rund 400 mit mehr als 50.000 Euro. In einem Fall habe es kürzlich eine Auszahlung von 3,6 Mio. Euro zu 3,5 Prozent Zinsen gegeben.

Die start-Bausparkasse habe ebenfalls rund 40 bis 50 Stück solcher Altverträge, liege vom Volumen aber unter der s Bausparkasse, so Vorstandsvorsitzender Peter Klingenbrunner. Die Raiffeisen-Bausparkasse ist laut Url in einer Abwarteposition und prüfe rechtliche Möglichkeiten. Verträge gekündigt haben die beiden Bausparkassen demnach nicht. Die Kündigung von Altverträgen beschäftigt auch die Gerichte. Die Arbeiterkammer hat laut Medienberichten 2014 eine Verbandsklage gegen Wüstenrot eingebracht. Laut dem ORF-Konsumentenmagazin "help" ist das Verfahren in dritter Instanz beim Obersten Gerichtshof (OGH) anhängig.

Abgewickelt wurden von den Bausparkassen auch Sanierungsschecks. Beim Handwerkerbonus, der seit Mitte August ausgeschöpft ist, lag die Zahl der eingereichten Anträge 2014/15 bei 69.106, die durchschnittliche Fördersumme betrug 434 Euro. Die dadurch ausgelösten Arbeitsleistungen werden mit 126,2 Mio. Euro beziffert. Beim Sanierungsscheck gab es 16.449 thermische Sanierungen. Die Fördersumme lag bei 60 Mio. Euro (2014: 64 Mio. Euro) wodurch ein Investitionsvolumen von 473 (461) Mio. Euro ausgelöst wurde.

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