Nowotny: "Niedrigzinsen entlasten den Immobilienmarkt"

Ex-OeNB Gouverneur Ewald Nowotny, heute Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), hat zum Auftakt der WU-Talk-Reihe "WU matters. WU talks.“ die Hintergründe steigender Immobilienpreise analysiert.

Ewald Nowotny

Ewald Nowotny, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE)

Europaweit werden derzeit astronomische Summen in die Hand genommen um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. Auch Österreich ist dabei keine Ausnahme und Wirtschaftsforscher sind sich einig, dass diese Maßnahmen durchaus legitim sind.

Die Staaten verschulden sich damit allerdings weiter weiter. Schon um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen, wurden in der Europäischen Union 5.000 Milliarden Euro aufgewendet. Mit erheblichen Auswirkungen auf die Zinsen von Sparbüchern und Renditen zehnjähriger Staatsanleihen. Mitte Oktober hat zum Beispiel Österreich erstmals in der Geschichte eine 20-jährige Anleihe mit einer negativen Rendite begeben.

"Die wirtschaftlichen Umstände, machen eine solche Entwicklung zwar notwendig, wünschenswert ist diese aber auf lange Sicht sicher nicht“, erläuterte der frühere Chef der österreichischen Notenbank, Ewald Nowotny, im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur neuen Talk-Reihe "WU matters. WU talks.“ der Wirtschaftsuniversität Wien zum Thema "Die Folgen dauerhafter Niedrigzinspolitik."

Auswirkungen auf den Immobilienmarkt

Aber sind die Niedrigzinsen auch mit verantwortlich für die steigenden Immobilienpreise? Darüber diskutierte Nowotny im Rahmen der Auftaktveranstaltung mit Christoph Badelt, Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) und Miriam Rehm, WU Forscherin am Forschungsinstitut für Verteilungsfragen der WU. Sind die Niedrigzinsen auch mit eine Ursache dafür, dass der Traum vom Eigenheim für die junge Generation bereits sehr getrübt ist?

Christoph Badelt, Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), merkt an, dass der Traum vom Eigenheim aber angesichts der hohen Preise selbst für so manchen Gutverdiener mittlerweile kaum oder gar nicht mehr leistbar ist. „Kein wünschenswerter Zustand", bemerkt Badelt.

Nowotny argumentierte hingegen, dass Preise von Immobilien zwar steigen, allerdings nicht so stark wie viele empfinden: "In den vergangenen Jahren sind die Preise für Wohnimmobilien mit herkömmlichen Standard nur im Ausmaß der Inflationsrate gestiegen." Eine Ausnahme seien Luxusimmobilien, ein Segment bei dem es in den vergangenen Jahren einen massiven Preisanstieg gab.

Hintergründe steigender Immobilienpreise

Entscheidend wäre für Nowotny vielmehr die Entwicklung der Wohnungspreise in Relation zu den Einkommen. Und hier habe sich in den letzten 20 Jahren eine größere Lücke aufgetan. Eine Studie der OeNB habe gezeigt, dass die Nettojahreseinkommen seit dem Jahr 2000 nur noch geringfügig gestiegen, die Immobilienpreise aber angezogen haben. Seit 2015 sind die Immobilienpreise der Studie zufolge deutlich gestiegen als die Einkommen.

Die Niedrigzinsen wertet Nowotny dabei nicht als belastenden, sondern sogar als entlastenden Faktor, da sie sich positiv auf das Angebot auswirken. Sowohl im öffentlichen als im privaten Wohnbau werden mehr Objekte errichtet. "Problematisch wäre es hingegen, wenn die Zinspolitik das Angebot verknappen würde", so Nowotny. "Primär hängt der Traum vom Eigenheim jedoch vom Einkommen und nicht von der Zinspolitik ab."

Steigende Immobilienpreise ließen sich demnach aus einer Reihe anderer Gründe erklären.

  • Angebot. Ein knappes Angebot lässt die Preise steigen.
  • Größe. Steigende Einkommen wecken den Wunsch nach größeren, schöneren Wohnungen und treiben somit die Preise.
  • Standards. Verbesserte ökologische Standards wie Wärmedämmung oder wesentlich aufwendige Fenster mit Dreifachverglasung steigern den Wert der Immobilien.
  • Verhältnis Eigentum : Mieten Eigentum-Preise sind rascher gestiegen als Mietpreise. Die Rendite von Mietimmobilien sinkt. Nowotny: "Anleger, sind schon bei niedrigen Renditen bereit zu investieren.“

Entlastung oder doch nicht?

Nowotny sieht aber auch einige Punkte, die Entspannung in den Markt bringen könnten. Besonders in Wien, wo heuer 24.000 neue geförderte Wohnungen auf den Markt kommen. Zusätzlich erwartet er, dass viele der 25.000 für Teilzeitnutzung zurückgehaltenen Wohnungen auf den Markt kommen werden. „Wohnungen, die etwa zur Airbnb-Vermietung genutzt wurden werden wohl demnächst auf den Markt kommen, schließlich existiert das Geschäftsmodell wegen Corona nicht mehr."

Ob diese Entlastung auf den Markt durchschlägt hängt dann letztlich vom Bevölkerungswachstum ab - dem für Nowotny wichtigsten Faktor bei der Entwicklung der Immobilienpreise.

Für die Bundeshauptstadt Wien wird ein anhaltend hohes Bevölkerungswachstum prognostiziert. Man geht davon aus, dass die Bevölkerung in den nächsten sieben Jahren um 100.000 zunimmt und 2027 die Zwei-Millionen-Einwohner-Marke knacken wird. Dort wo es massive Abwanderung gibt, gibt es hingegen Leerstände und sinkende Preise.

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