Miete: Wo in Wien noch Lagezuschläge erlaubt sind

Miete: Wo in Wien noch Lagezuschläge erlaubt sind

Nur weil ein Supermarkt ums Eck ist oder eine U-Bahn rechtfertigt das laut OGH nicht mehr einen Lagezuschlag.

In Wien dürfen nach einem Urteil des OGH für Altbau-Mietwohnungen nur noch in ganz wenigen Gebieten Lagezuschläge verlangt werden. Nun wurde erstmals eine online kostenfrei abrufbare Lagezuschlagskarte erstellt. Wo solche Zuschläge nun wegfallen und warum.

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs (OGH) Ende 2017 erlaubt nur noch in seltenen Fällen Lagezuschläge für Mietwohnungen zu verlangen. Dadurch ist es in Wien in vielen Stadtgebieten nicht mehr zulässig einen solchen Zuschlag zu verlangen. Wo jedoch solche Zuschläge noch erlaubt sind und wo nicht, ist vielen jedoch nicht ganz klar.

Rund um den Gürtel, im grünen Westen keine Aufschläge mehr erlaubt

Das zuständige Magistrat hat deshalb die gesamte Stadt nach den geänderten Kriterien für die Bewertung, ob zusätzliches Geld für eine bestimmte Wohnlage verlangt werden kann oder nicht, analysiert. Die Ergebnisse werden in einer neuen Lagezuschlagskarte abgebildet, online ab 1. Oktober auf www.mieterhilfe.at kostenfrei abrufbar. Im Vergleich zu bisher fällt auf, dass vor allem rund um den Gürtel und in äußeren Lagen der Westbezirke wohl kein Aufpreis mehr eingehoben werden darf. Die Stadtareale jenseits der Donau sowie der Süden Wiens, also in großen Teilen Favoritens und Simmerings, gab es schon bisher keinen Zuschlag.

Für fast 70 Prozent der Gebiete Wiens darf kein Aufschlag mehr verlangt werden

Laut Arthur Mannsbarth von der MA 25 (Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser) hat man das ganze Stadtgebiet in 1.364 Zählgebiete eingeteilt. "Bisher gab es in 42 Prozent aller Zählgebiete keinen Zuschlag, jetzt sind es 67 Prozent." Geht man von einer 80 Quadratmeter und einem - im Durchschnitt liegenden - Zuschlag von 2,18 Euro pro Quadratmeter aus, wäre das eine Ersparnis von etwa 180 Euro im Monat, rechnete Mannsbarth vor.

Für die Beurteilung einer Lage zählen Öffi-Anbindung, Schulen, Nahversorgung und Grünraum

Basis für die neue Zuschlagskarte ist eine Feststellung des OGH im Jänner. Das Höchstgericht war wegen eines konkreten Anlasses - ein Mieter in Wien-Margareten hatte sich gegen einen Lagezuschlag gewehrt - zu dem Schluss gekommen, dass für die Zulässigkeit eines Lagezuschlags nicht ausschließlich der Grundkostenanteil - also die Grundstückskosten - herangezogen werden könne. Vielmehr sollen zur Beurteilung einer Lage Faktoren wie Öffi-Anbindung, Bildungseinrichtungen, Nahversorgung und etwa Grünraum einfließen, erklärte Christian Bartok von der Mieterhilfe. Außerdem dürften nur mehr ähnliche Wohngebiete miteinander verglichen werden und nicht jeder einzelne Fall mit dem ganzen Stadtgebiet. So kann beispielsweise in einigen Stadtteilen eine U-Bahn-Station oder ein Supermarkt ums Eck inzwischen normal angesehen werden und nicht mehr als überdurchschnittlich.

Für welche Wohnungen die Neuregelung gilt

Betroffen von der Regelung sind Mieter in Altbauten - also wenn man in vor 1945 errichteten Häusern lebt und der Mietvertrag nicht vor dem 1. März 1993 abgeschlossen worden ist. Ausgenommen sind Gründerzeitviertel, wo aktuell kein Lagezuschlag erlaubt ist. Die Zielgruppe sind demnach rund 120.000 Wiener. Wer sich die Karte - sie ist rechtlich freilich nicht verbindlich, sondern dient Mietern und Vermietern als Orientierungshilfe - ansieht und der Meinung ist, zu Unrecht Zuschläge zu bezahlen, kann sich gratis an die Mieterhilfe wenden. Nach Prüfung wird die Sache dann gegebenenfalls an die Schichtungsstelle weitergeleitet.

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