Leere Büros: die Corona-Krise trifft den Immobilienmarkt

Die Folgen der Corona-Krise lassen sich auch am Immobilienmarkt ablesen. Die Nachfrage nach Büroimmobilien ist durch weit verbreitetes Homeoffice deutlich zurückgegangen. Das trifft auch die Aktien der börsenotierten Immobilienkonzerne.

Leere Büros: die Corona-Krise trifft den Immobilienmarkt

Am sichersten ist es im Homeoffice: das Corona-Virus bremst den Büro-Immobilienmarkt aus.

"Stay home" - das Leitmotto des Corona-Lockdown im Frühjahr gilt in vielen Unternehmen immer noch. Seit Mitte März haben viele Arbeitnehmer ihr Büro nur von außen gesehen. Mit dem Ausbruch der Coronakrise verfrachteten Firmen ihre Angestellten von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice. Branchenkenner gehen mittlerweile davon aus, dass das Arbeiten von zu Hause aus auch nach der Krise en vogue bleiben wird. Auf dem jahrelang boomenden Büroimmobilienmarkt wird das deutliche Spuren hinterlassen.

"Wir gehen davon aus, dass Unternehmen künftig 20 bis 30 Prozent weniger Fläche benötigen werden", sagt Andreas Wende, Geschäftsführer der Immobilienberatungsgruppe NAI Apollo. Vor allem Büros an Stadträndern und in ländlichen Gebieten werden wohl künftig nicht mehr so gefragt sein.

Tiefschlag für Immobilien-Aktien

Auch Anleger gehen bereits auf Abstand zu auf Gewerbeimmobilien spezialisierten Unternehmen. So haben die Aktien von Aroundtown (LU1673108939) und DIC Asset (DE000A1X3XX4) seit Jahresbeginn um rund 30 Prozent an Wert verloren. Die Titel der Aareal Bank (DE0005408116), die auf die Finanzierung von Gewerbeimmobilien spezialisiert ist, sackten um 40 Prozent ab. Dagegen stehen Wohnungsimmobilienkonzerne hoch im Kurs. Die beiden deutschen börsennotierten Konzerne Vonovia (DE000A1ML7J1), zu der mittlerweile auch die österreichischen Immo-Unternehmen Buwog (AT00BUWOG001) und conwert (AT0000697750) gehören, sowie die Deutsche Wohnen (DE000A0HN5C6) legten im selben Zeitraum um mehr als ein Fünftel zu.

Die großen Auswirkungen am Markt für Gewerbeimmobilien wird man wohl erst in ein paar Jahren sehen. Viele Unternehmen hätten lang laufende Mietverträge und könnten im Moment nichts an ihrer Bürosituation ändern, beschreibt Wende die Situation. Aber künftig setzen die Unternehmen auf neue Modelle für mehr Flexibilität beim Arbeitsort. Unter dem Motto "Working Anywhere - arbeiten, wo es am produktivsten ist" bietet etwa Telefonica Deutschland seinen Mitarbeitern schon jetzt die Möglichkeit, zwischen Büro, Homeoffice oder einem anderen Ort zu wählen. "Es wird eine Mischung geben aus Homeoffice und Präsenz im Büro", ist sich Vonovia-Chef Rolf Buch sicher. "Wir werden nicht wieder in eine Situation kommen, in der jeder fünf Tage in der Woche im Büro arbeiten muss."

Immobilienexperte Ulrich Höller, Chef der ABG Real Estate Group, erwartet einen Boom bei Coworking-Räumen. "Die Arbeitswelt wird flexibler und mobiler werden. Auch Führungskräfte werden vielleicht keinen eigenen Schreibtisch mehr haben." Firmen würden Büros in der Peripherie, den sogenannten B-Lagen, verringern. "Die Nachfrage nach repräsentativen Räumen in Stadtzentren wird dagegen hoch bleiben oder sogar noch größer werden." Durch die vermehrte Heimarbeit steige der Bedarf an Gemeinschaftsräumen für einen persönlichen Austausch im Büro.

Fallbeispiel Frankfurt

In Frankfurt schlug die Coronakrise im ersten Halbjahr voll ins Kontor. Die in dem Zeitraum vermietete Bürofläche lag laut NAI Apollo mit 116.100 Quadratmetern um rund 50 Prozent unter dem zehnjährigen Mittel - es war das niedrigste Niveau seit zwei Jahrzehnten. "Der mehrwöchige Lockdown hat zu Beginn des zweiten Quartals für ein nahezu völliges Erliegen des Büromarktes gesorgt", sagt Stephan Bräuning, Manager beim Gewerbeimmobilien-Spezialisten Colliers. Auch neue Bauprojekte liegen auf Eis. "Die Zurückhaltung der Investoren ist spürbar", erläutert Oliver Schwebel von der Wirtschaftsförderung Frankfurt. "Seit Ausbruch der Pandemie sind die Planungen deutlich verlangsamt worden und es sind kaum noch nennenswerte Flächen neu dazugekommen."

Bisher gab es in der Bankenmetropole jedes Jahr mehrere neue Projekte, denn die Nachfrage nach Büroräumen war hoch. In den kommenden Jahren werden zwei Dutzend Hochhäuser fertiggestellt, alleine 2020 wird sich die Bürofläche auf 290.000 Quadratmeter mehr als verdoppeln. Leer standen Büros in deutschen Metropolen kaum noch, vor allem größere, zusammenhängende Arbeitsräume waren schwer zu finden. "Vor Corona war Flächenknappheit das Hauptthema des Büromarktes", sagt DZ-Bank-Volkswirt Thorsten Lange. Nun habe sich das Blatt gewendet. "Die niedrigen Leerstandsquoten dürften sichtbar zunehmen, während die teils hohen Büromieten wohl nachgeben."

Obwohl immer mehr Unternehmen wie die Allianz (DE0008404005) oder Siemens (DE0007236101) nach Corona das Homeoffice zum Standard machen und die Angestellten auch gar nicht mehr so gerne in überfüllten Zügen und vollen Autobahnen in die Innenstädte zum Arbeiten pendeln wollen, wird das Büro nicht zum Auslaufmodell mutieren, ist sich Lange sicher. "Der Mensch ist ein soziales Wesen, direkte Kommunikation und Teamarbeit führen auf Dauer zu besseren Ergebnissen als 100 Prozent Homeoffice."

Wiener Markt

In Österreich, besonders in Wien, zeigt sich ein tendenziell ähnliches Bild wie in Frankfurt. Im ersten Halbjahr wurden dem Immobilien-Spezialisten CBRE zufolge hierzulande rund 1,6 Milliarden Euro in Immobilien investiert, um 30 Prozent weniger als voriges Jahr, rund zwei Drittel aller Investments sind in Wien erfolgt. Die beliebteste Assetklasse waren mit einem Anteil von 34 Prozent Wohnimmobilien, der Büromarkt hat sich bis Juni halbiert.

Dennoch ist CBRE-Österreich-Chef Andreas Ridder zuversichtlich. Zwar seien alle Sektoren im ersten Halbjahr mehr oder weniger durch die Krise betroffen gewesen - Immobilieninvestments hätten sich wegen des Lockdown verzögert oder verschoben. Befürchtungen, die Krise könnte sich massiv auf das Preisgefüge oder die Renditen auswirken hätten sich nur teils bewahrheitet. "Österreich ist für Immo-Investments nach wie vor ein sicherer Hafen", betont Ridder.

Andreas Wimmer, Vorstand C-Quadrat

Immobilienfinanzierung: Endgültiger Abschied vom Eigenheim

Die angekündigte Verschärfung der Vergabekriterien für Immobilienkredite …

trend.real estate - Immobilien in Österreich

Bestellen Sie hier Ihr Exemplar der Premium-Community-Ausgabe!

Immobilien-Investments: Hausgemachte Renditen

Von vielen unbemerkt haben sich die Immobilienpreise in Österreich binnen …

Neues Maklergersetz: Plausibilität oder Irrelevanz?

Gastkommentar von Marlon Possard zur Kontroverse rund um das neue …