Immofinanz: Petrikovics und Leitgeb vor Gericht

Immofinanz: Petrikovics und Leitgeb vor Gericht

Der ehemalige Immofinanz-Chef Karl Petrikovics, der Ex-Tennismanager Ronald Leitgeb und drei weitere frühere Immofinanz-Manager stehen ab Freitag vor Gericht. Im Zentrum des Prozesses steht die "Villa Esmara" in Monte Carlo, ein am Ende gescheitertes Trainingszentrum für Spitzensportler. Der Vorwurf: Untreue. Die Beschuldigten dementieren.

Durch das Immobilienprojekt soll ein Schaden von 1 Mio. Euro entstanden sein, so die Anklage. Die börsennotierte Immofinanz soll einer Firma Leitgebs den Kauf der Villa sowie Renovierungsarbeiten 5,4 Mio. Euro finanziert haben. Die Immofinanz hat das Anwesen an Leitgeb zurückvermietet.

Ab 2005 soll Leitgebs Firma jedoch Mietzahlungen eingestellt haben, da das Trainingszentrum de facto nicht benützbar war. Leitgebs Anwalt Thomas Kralik sprach am Dienstag in einer Aussendung von "Bauschäden in wesentlichen Bereichen". Daher sei der Mietvertrag einvernehmlich vorzeitig beendet worden. "Zur Vermeidung langwieriger und aufwendiger Rechtsstreitigkeiten schlossen Leitgeb und die Immofinanz einen Vergleich über eine gemeinsame Abwicklung", erklärte der Rechtsvertreter. Im Wesentlichen sei der Verkauf der Immobilie zu einem festgelegten Preis vorgesehen gewesen. Dank Bemühungen seines Mandanten sei ein guter Preis erzielt worden - die Villa ging 2006 für rund 5,8 Mio. Euro an einen Käufer aus Schweden, Leitgeb bekam dafür eine Provision. Laut Kralik floss ein "Mieterlös" von je 400.000 Euro an die Immofinanz und Leitgeb.

Immofinanz überwies eine Million Euro

Die Staatsanwalt wertet den Deal als Untreue, da die Immofinanz zu Schaden gekommen sei. Der Konzern soll unterm Strich mehr als 1 Mio. Euro an Leitgeb, seine Stiftung und seine Wiener Firma überwiesen haben.

Leitgebs Anwalt Kralik sieht das anders. Der Vergleich sei rechtlich zulässig gewesen und "tägliche Praxis im Wirtschaftsleben". "Leitgeb war Kunde der Bank und hat im Rahmen der Abwicklung sogar persönliche Haftungen übernommen, die garantieren, dass der Immofinanz auf jeden Fall ein fixer Kaufpreis zukommt." Für die Immofinanz sei die Abwicklung letzten Endes ein Geschäft und kein Verlust gewesen, so der Anwalt mit Verweis auf ein Gutachten.

Petrikovics hat die Vorwürfe in Bezug auf die Villa Esmara bereits in der Vergangenheit zurückgewiesen. Sein Anwalt Otto Dietrich war am Dienstagnachmittag für die APA kurzfristig nicht erreichbar, da er in einer Verhandlung war, wie es aus seiner Kanzlei hieß. Der frühere Immofinanz-Chef Petrikovics wurde in einer anderen Causa rechtskräftig wegen Untreue zu sechs Jahren Haft verurteilt. Es ging um ein Konglomerat aus Firmen, fiktive Aktienkäufe und fiktive Bewertungen. Er hat seine Haftstrafe noch nicht angetreten, Anfang Jänner 2016 hat er Vollzugsuntauglichkeit aus gesundheitlichen Gründen geltend gemacht.

Der Prozess rund um die Villa Esmara findet am Wiener Straflandesgericht statt, Richterin ist Marion Hochenecker.

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