
500 Euro Startkapital für jedes ab 2027 in Österreich geborene Kind für das neue Zukunftsdepot. Das Geld soll bis zum 18. Geburtstag gebunden bleiben.
Zu dem geplanten Zukunftsdepot gab Familienministerin Claudia Bauer neue Details bekannt: Für alle Kinder, die ab 2027 in Österreich geboren werden, will der Staat 500 Euro Startkapital bereitstellen. Im Doppelbudget 2027/28 sind für das Startkapital bereits 40 Millionen Euro eingeplant, die politische Einigung darüber bestehe laut Bauer seit den Budgetverhandlungen.
Mit dem geplanten Zukunftsdepot sollen Eltern langfristig Kapital für ihre Kinder aufbauen können. Wie viele Familien es tatsächlich nutzen werden, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Eine belastbare Schätzung zur sogenannten Take-up-Rate gibt es nicht. Auch die tatsächlichen Auswirkungen auf das Budget hängen davon ab, wie viele Familien das Angebot nutzen, welche Summen sie einzahlen und wie sich die Veranlagungen entwickeln. Entscheidet sich ein junger Erwachsener mit 18 Jahren, sein Depot weiterzuführen muss er danach KESt bezahlen. Der Geburtstag wird somit zum Stichtag, denn der dann bestehende Depotwert soll die neue Bemessungsgrundlage für die KESt bilden.
Mit dem Modell will die Regierung auch das langfristige Investieren in Wertpapiere fördern. Österreich gilt traditionell als Land der Sparer, bei Wertpapieren sieht die Regierung dagegen Aufholbedarf. Das Zukunftsdepot soll deshalb auch zur Finanzbildung beitragen. Möglich sein sollen unterschiedliche Anlagestrategien: von einem höheren Anleihenanteil bis zu einer stärker aktienorientierten Veranlagung. Aber besonders spekulative Produkte sollen ausgeschlossen werden.
Eine vorzeitige Auszahlung soll grundsätzlich nicht möglich sein. Das Geld soll bis zum 18. Geburtstag gebunden bleiben, weil gerade der langfristige Anlagehorizont ein zentraler Bestandteil des Modells ist. Ausnahmen für eine frühere Entnahme sind nach dem derzeitigen Stand nicht vorgesehen.
Sparen muss man sich leisten
Familien mit wenig verfügbarem Einkommen können möglicherweise kaum oder gar nichts für ihre Kinder zurücklegen. Wohlhabendere Haushalte könnten dagegen über 18 Jahre deutlich größere Summen investieren. Damit könnte das Modell – so der zentrale Kritikpunkt – bestehende Vermögensunterschiede verstärken. Wer bereits heute mehr Geld zur Seite legen kann, könnte von der steuerlichen Begünstigung stärker profitieren.
Dem hält die Regierung entgegen, dass das Zukunftsdepot allen Familien offenstehe und bereits mit kleinen Beträgen langfristiger Vermögensaufbau möglich sein soll. Bei einer angenommenen Rendite von sieben Prozent über 18 Jahre sollen laut den vorgelegten Rechenbeispielen 25 Euro monatlich auf rund 12.600 Euro anwachsen, 50 Euro auf rund 23.400 Euro und 100 Euro auf rund 45.000 Euro. Bei einer Einzahlung von jährlich 5.000 Euro wären demnach rund 180.000 Euro möglich. Die Berechnungen sind allerdings keine Garantie für eine tatsächliche Rendite.
Das Zukunftsdepot ist mehr als ein neues Sparprodukt und das politische Ziel klar formuliert: Kindern soll möglichst früh ein finanzielles Fundament für den Start ins Erwachsenenleben mitgegeben werden. Gleichzeitig sollen Familien an eine Form des langfristigen Investierens herangeführt werden, die in Österreich bislang deutlich weniger verbreitet ist als das klassische Sparen.
Wichtige Details noch offen
In gewisser Weise ähnelt das Zukunftsdepot einer „Behaltefrist light“. Trotzdem verweist Familienministerin Bauer darauf, dass eine tatsächliche Behaltefrist nicht im Regierungsprogramm steht.
Auch einige Details des Zukunftsdepots sind noch Gegenstand der Verhandlungen. Insbesondere offen ist eine mögliche Mindestliegedauer: Noch wird verhandelt, ob Einzahlungen eine bestimmte Zeit im Depot bleiben müssen. Das ist vor allem für Jugendliche relevant, die bei Einführung des Zukunftsdepots bereits kurz vor ihrem 18. Geburtstag stehen. Ohne Mindestliegedauer könnte noch kurz vor der Volljährigkeit Geld eingezahlt werden.
Auch die Mündelsicherheit soll neu geregelt werden. Dabei geht es darum, einen ausreichenden Schutz für das Vermögen Minderjähriger sicherzustellen und besonders spekulative Veranlagungen auszuschließen, ohne die möglichen Anlageformen zu stark einzuschränken. Genaue Details gibt es noch nicht.
Ob das Zukunftsdepot tatsächlich möglichst vielen Kindern ein finanzielles Sprungbrett ins Erwachsenenleben bietet oder vor allem jenen zugutekommt, deren Familien sich das regelmäßige Investieren leisten können, wird sich letztlich erst in der Praxis zeigen.