
Gastkommentar: Die von der Stadt Wien geplante, gerade noch abgeblasene Kultursteuer hätte die Bundeshauptstadt zur Wurstsemmel-Destination gemacht, meint der Gründer des Schloss Schönbrunn Orchesters, Peter Hosek. Ein Warnruf für die Zukunft.
von
Die nebulosen Pläne der Wiener Kulturstadträtin für einen (oder mehrere …) „Kultureuros“ pro Ticket machten der Kulturszene große Sorgen und wurden erfreulicherweise vom Wiener Bürgermeister abgeblasen.
Auch ich – nach über 10.000 veranstalteten Konzerten im In- und Ausland, mehreren Auszeichnungen und mit Freude an der Arbeit und an der Weiterentwicklung touristischer Angebote am Standort Wien – hatte deshalb einige schlaflose Nächte und hektische Telefonate.
Warum? Seit der Covid-Pandemie und diversen politischen und wirtschaftlichen Krisen in den Herkunftsmärkten ist es hier bedeutend schwerer erfolgreich zu wirtschaften.
Eines ist klar: Das wunderschöne und historisch bedeutende Wien wird vom globalen Tourismus niemals „umfahren“ werden.
Allerdings zeichnete sich durch die Ticketsteuer-Pläne ein Szenario ab: Durch das verteuerte Abendprogramm wären Veranstalter und Gruppen auf andere Städte (Prag, Budapest) ausgewichen. Es hätte weniger Gründe gegeben hier zu übernachten. Wien drohte damit zur „Wurstsemmel-Destination“ zu werden, wo man sich die Mittagsjause beim Spar oder Billa bei der Opre kauft und diese in einem Park nebenan konsumiert. Um sich dann vor dem renovierten Café Central oder dem Sacher in der Schlange anstellen. Dann wäre es weiter gegangen in die nächste europäische Stadt – mit dem Bus, dem Schiff oder der Eisenbahn. Abendprogramm inklusive.
Was wären dann Alternativen für uns private unsubventionierte Konzertveranstalter gewesen? Wir haben einiges durchgedacht und teilweise durchgerechnet. Nichts davon war besonders attraktiv:
• Ausweichen auf attraktive Konzertlocations in Niederösterreich im Umfeld Wiens (dann hätten sich Bus-Unternehmen gefreut)?
• Sich nur auf internationale Touren konzentrieren (das könnte man auch vom Standort Bratislava aus)?
• Oder ganz aufhören?
Wir beschäftigen seit Jahrzehnten hoch qualifizierte Musikerinnen und Musiker, die meisten davon haben an Wiens renommierten Hochschulen studiert … Die Spätfolgen dieser geplanten Steuer auf den touristisch-künstlerischen Arbeitsmarkt und den Ruf Österreichs als Ausbildungsstandort wären nicht auszudenken gewesen. Ein Schuss ins kulturelle Herz, selbst verursacht.
Für die heimische Bevölkerung wäre die staatlich co-finanzierte Hochkultur und das von der Stadt Wien finanzierte „Gratis“-Angebot geblieben.
Spiele. Ohne Brot. Erfreulicherweise abgesagt.
Zur Person
Peter Hosek ist Gründer des Schloss Schönbrunn Orchesters. Er organisiert mit seinem Orchester auch internationale Tourneen.