
Monika Köppl-Turyna bringt als Chefin des industrienahen Instituts Eco Austria Farbe in die mitunter fade Welt der Wirtschaftswissenschaften. Die neoliberale Ökonomin mit Zug zur Öffentlichkeit wird aber von der Kollegenschaft durchwegs kritisch beäugt.
Eigentlich wollte Monika Köppl-Turyna ihre Social-Media-Aktivitäten stark zurückfahren. „Ich brauche das alles nicht mehr, das nimmt sehr viel Zeit weg“, sagt die Chefin des Wirtschaftsforschungsinstituts Eco Austria. „Ich bin inzwischen so gut etabliert, dass ich das nicht dauernd bespielen muss.“ Tatsächlich setzte sie noch vor einigen Monaten nahezu täglich einen Tweet ab, zuletzt aber nur sporadisch.
Doch vor einigen Tagen sah sich die Ökonomin gezwungen, ihre selbst auferlegte Social-Media-Abstinenz zu unterbrechen. Denn ihre im Auftrag der Industriellenvereinigung Oberösterreich verfasste Studie zur Klimaneutralität, die zum Schluss kam, dass in Österreich 40.000 Jobs verloren gingen, wenn man am Klimaziel 2040 festhielte, ließ die Wogen hochgehen. Kritik hagelte es nicht nur von Klimaforschern, sondern auch vom Konkurrenzinstitut IHS und vom Umweltbundesamt. Die Studie sei zu einseitig und ließe wesentliche Aspekte aus, lautete die Kritik im wesentlichen. Also sah sich Köppl-Turyna gezwungen, die Studie auf Linkedin zu verteidigen.
Warum die Ökonomin eine dicke Haut braucht
Die gebürtige Polin, die vor sechs Jahren die Leitung des industrienahen Wirtschaftsforschungsinstituts Eco Austria übertragen bekommen hat, hat gelernt, mit Kritik umzugehen. Diese kommt des öfteren nicht nur von Vertretern des linken Lagers wie dem ÖGB oder dem Momentum Institut, sondern auch von anderen Ökonomen wie zuletzt bei der Klimaneutralitätsstudie. „Die Kritik ist oft sehr oberflächlich und dogmatisch“, verteidigt sich Köppl-Turyna, „oft macht man sich nicht die Mühe, die Studie zu lesen, sonst wären 80 Prozent der kritisierten Punkte schon einmal weg.“
Für die neoliberale Ökonomin lebt der wissenschaftliche Diskurs jedenfalls von gegenseitiger Kritik, „man muss also eine dicke Haut entwickeln“. Und ausreichend Selbstbewusstsein haben. Beides scheint die 41-jährige Tochter zweier Wissenschaftler auch zu besitzen, denn befragt nach etwaigen Fehlern in der Vergangenheit, sagt sie: „Richtig daneben gelegen sind wir noch nicht.“
Eco Austria wurde im Jahr 2011 auf Initiative der Industriellenvereinigung aus der Taufe gehoben, weil ihr die beiden großen Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS zu weit nach links abdrifteten. Inzwischen finanziert sich Eco Austria zu rund 30 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen, wobei die IV nach wie vor größter Financier ist, und zu 70 Prozent über Forschungsmittel und Auftragsforschung mit Aufträgen vor allem von der öffentlichen Hand. Das Institut, das nur zwischen sieben und acht Vollzeitmitarbeiter beschäftigt, verfügt über ein stattliches Jahresbudget von knapp 1,5 Millionen Euro.
Viel davon ist auf die umtriebige und auch oft konfrontative Art der Chefin zurückzuführen. So wurde in ihrer Amtszeit die Zahl der Clippings verfünffacht, was sich auch, so Köppl-Turyna, in der Auftragslage niederschlage. Auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayr gesteht seiner Kollegin zu, dass sie viel bewegt: „Sie ist eine sehr umtriebige Kollegin, die die Dinge gerne beim Namen nennt und sich auch nicht scheut, in Konflikte zu gehen“, sagt er und ergänzt: „Generell sehe ich die Existenz des Eco Austria als etwas Positives.“ Dies, obwohl sein Institut regelmäßig mit Eco Austria um Aufträge ringen muss und manchmal auch den Kürzeren zieht.
Köppl-Turyna sieht die Konkurrenzsituation der diversen Institute untereinander ebenfalls sehr entspannt: „Es geht uns allen gut, aber es ist in letzter Zeit allgemein schwieriger geworden, an Aufträge zu kommen.“ Das gilt im Fall von Eco Austria speziell für Aufträge des Finanzministeriums, die vor der Übernahme durch den SP-Mann Markus Marterbauer einen Gutteil der Finanzierung ausmachten. Das hat sich schlagartig geändert: „Seit März 2025 gab es aus dem Finanzministerium keine Überweisungen mehr an Eco Austria“, heißt es aus dem Haus in der Wiener Himmelpfortgasse. Überhaupt scheint der Finanzminister kein großer Fan des als neoliberal geltenden Instituts zu sein, hat er sich doch im Jahr 2013, damals noch in der Arbeiterkammer, in einem Aufsatz sehr kritisch über die Unabhängigkeit von Eco Austria geäußert.
Köppl-Turyna und die Neos
Dafür ist die Expertise Köppl-Turynas im ÖVP-geführten Wirtschaftsministerium und bei den Neos mehr gefragt denn je. Wie aus der Bundesforschungsdatenbank hervorgeht, bezahlte das Wirtschaftsministerium 2025 jedenfalls für zwei größere Aufträge an Eco Austria mit den Titeln „Förderung wissenschaftlicher Kompetenzaufbau“ und „Technischer Wandel durch KI“ mit einem Gesamtvolumen von knapp 70.000 Euro. Anfang des Sommers präsentierte die Eco-Austria-Chefin gemeinsam mit Neos-Staatssekretär Sepp Schellhorn einen von ihrem Institut verfassten Entbürokratisierungsbericht.
Überhaupt scheint Köppl-Turyna zu den Neos besonders enge Kontakte zu pflegen. So soll die Ökonomin wiederholt bei Parteichefin Beate Meinl-Reisinger privat zu Gast gewesen sein, und mit Bildungsminister Christoph Wiederkehr bildete die generell sehr sportliche Mutter von zwei Kindern kürzlich ein unschlagbares Doppel, das das Tennisturnier „Neos Open“ glatt gewann. Sogar als mögliche Neos-Kandidatin für das Finanzministerium wurde Köppl-Turyna bei den letzten Regierungsverhandlungen gehandelt. „Monika agiert politisch sehr geschickt. Sie hat zu vielen in der Politik ein gutes Verhältnis und überhaupt ein sehr großes Netzwerk“, weiß auch ihr früherer Arbeitgeber bei der Agenda Austria Franz Schellhorn.
Die Eco-Austria-Chefin sieht ihre vielen freundschaftlichen Kontakte in die Politik nicht als Problem für die Unabhängigkeit ihres Instituts an: „Man muss zu dem stehen, was man macht. Wenn eine Freundschaft es nicht übersteht, dass man unterschiedlicher Meinung ist, war es auch keine gute Freundschaft“, meint die Anhängerin von Friedrich Hayek pragmatisch.
Ein Ministeramt will sie auf Anfrage jedenfalls nicht ausschließen, denn: „Da kann man ultimativ zeigen, dass man etwas bewegen kann.“ Nachsatz: „Das würde ich aber nicht aus einem Ego-Motiv heraus machen, sondern nur in einer Konstellation, in der ich etwas bewegen kann.“
Bis es so weit ist, wird Köppl-Turyna mit ihren zahlreichen öffentlichen und medialen Auftritten vor teils großem Publikum wie etwa diesen Sommer am Europäischen Forum Alpbach oder am Salzburg Summit die Massen bewegen. Beobachter führen Köppl-Turynas starke Präsenz auch darauf zurück, dass sie eine der wenigen Frauen in der Ökonomie ist, die nicht links der politischen Mitte steht. Das will sie so aber nicht stehen lassen: „Die Frauenkarte steht mir öfter im Weg, als sie mir nützt“, sagt sie. Denn nach wie vor werde sie von älteren Kollegen nicht ernst genommen oder teils auch respektlos behandelt.
Dies liege weniger an ihrem Geschlecht oder Alter, sondern daran, dass ihre wissenschaftliche Arbeit zum Teil dürftig ausfalle, meinen Kritiker hinter vorgehaltener Hand. Zu Recht belege sie auch deshalb im anerkannten Wissenschaftsranking „Repec“ österreichweit den eher bescheidenen 78. Platz. Auf dem ersten Platz liegt übrigens Wifo-Chef Felbermayr. Außerdem habe sich Köppl-Turyna keine Freunde in der Wissenschaft gemacht, als sie einen von der nicht gerade gut beleumundeten Uni Seeburg an sie verliehenen Professorentitel bejubelte.
Ein besonders scharfer Kritiker ihrer Arbeit ist aber Peter Brandner, Experte für Wirtschaftsforschung und Ökonom, der regelmäßig in Eco-Austria-Studien wissenschaftliche Mängel zu entdecken glaubt, etwa in jener über Vermögensteuern: „Es mag gute Gründe gegen eine Vermögensteuer geben. Berechnungen mit einem Modell ohne Vermögen und Vermögensteuern sind es nicht.“
Nur gut, dass Köppl-Turyna über das nötige Rüstzeug verfügt, auch mit scharfer Kritik umzugehen und die Karriereleiter unbeirrt weiter hinaufklettern zu können. Auch wenn dies in ihrer Karriereplanung gar nicht vorgesehen ist. Nur eines hat die passionierte Windsurferin noch fix vor: „Ich möchte in diesem Leben noch einen Physik-Abschluss machen.“
Zur Person
Monika Köppl-Turyna, geb. 1985 in Warschau, leitet seit 2020 das Wirtschaftsforschungsinstitut Eco Austria. Davor war die studierte Ökonomin im Thinktank Agenda Austria tätig. Sie ist Mitglied vieler beratender Gremien, u. a. des Beirats zur Entbürokratisierung, der Erste-Bank-Stiftung und des Salzburg Summits.
Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 14. August 2026 erschienen.