Lagarde in Wien: Europa muss rasch in KI investieren

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Ein neuer Blick auf Europa in der KI-Ära: EZB-Chefin Christine Lagarde in Wien.

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Ein schneller Einsatz von KI könnte das Produktivitätswachstum über ein Jahrzehnt um bis zu vier Prozent steigern, so die EZB-Präsidentin.

Zum Auftakt der Veranstaltung „Hofburg im Dialog" am Montag ließ Hausherr Alexander Van der Bellen demonstrativ seinen Blick über die imperialen Gemäuer der Hofburg schweifen und meinte dann launig: „Wir sind zwar der alte Kontinent, aber wir müssen nicht neue Ballrooms wie in Washington bauen."

Der Rest des späten Nachmittags handelte jedoch davon, wo Europa gegenüber den USA und China ins Hintertreffen geraten ist: bei KI-Modellen und KI-Infrastruktur. In den letzten Jahren, führte Christine Lagarde aus, sei in Europa viel vom Draghi- und vom Letta-Report die Rede gewesen, wenn es um Wettbewerbsfähigkeit ging. Seitdem seien jedoch einige Jahre vergangenen, Top-Priorität müsse nun die KI-Finanzierung haben. Dann sei es auch möglich, die Produktivität über ein Jahrzehnt um bis zu 4 Prozent steigern, so die EZB-Präsidentin in ihrer Keynote, die auch auf der EZB-Homepage veröffentlicht wurde.

Der Rückstand in Zahlen: In den USA wurden 2025 59 relevante KI-Modelle entwickelt, in China 35, in Frankreich und Großbritannien jedoch nur eines. Dabei finanzierten die Europäer über Spareinlagen den Boom, „egal ob wir daran partizipieren oder nicht."

Neben der allgemeinen Schlussfolgerung, dass Europa eigene Modelle entwickeln müsse, forderte Lagarde auch dezidiert einen Ausbau der Rechenzentrenkapazitäten. Bis zu 600 Milliarden Euro fehlen jedoch, um die Lücke zu schließen. Sie stimmt mit Van der Bellen überein, dass nur ein integrierter europäischer Kapitalmarkt das private Ersparte mobilisieren kann, um die notwendigen Investitionen auszulösen.

Dass US-Präsident Donald Trump jüngste Appelle der CEOs von US-KI-Unternehmen, durch Regulierung das Tempo der KI-Entwicklung zugunsten von Sicherheit zu drosseln, zurückgewiesen habe, wollte Lagarde in der Diskussion danach nicht kommentieren. „Natürlich braucht es ein Regelwerk", sagte sie vorsichtig, zweifelte aber die Motive des Vorstoßes von Dario Amodei (Anthropic), Sam Altman (Open AI) und Elon Musk (Space X) an. „Ich glaube nicht an die Statements der letzten Tage".

Industriepolitisch fordert Lagarde, sich in den KI-Lieferketten unverzichtbar zu machen. Als Beispiel nannte sie den niederländischen Chipmaschinenhersteller ASML. In diese Kerbe schlug auch Sabine Herlitschka, CEO von Infineon Österreich. Europa verfüge etwa in der Mikroelektronik über globale Stärken, dürfe aber nicht davor zurückscheuen, diese Stärke auch zu demonstrieren. Johannes Brandstetter von Emmi AI, einem in Linz angesiedelten, in zwischen zum französischen KI-Riesen Mistral gehörenden Start-up, hält eine Vereinheitlichung der in in Europa zerklüfteten Defence-Forschung, wesentlicher Treiber von KI-Anwendungen, für wünschenswert. OeNB-Gouverneur Kocher meinte, Regulierung müsse künftig konsequenter darauf ausgerichtet werden, Innovationen zu fördern statt sie zu hemmen.

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