
In Deutschland steht mit 365 Metern die höchste Windenergieanlage der Welt – ein Pilotprojekt, das künftig deutlich mehr Energie aus bestehenden Windparks holen soll.
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Nach schwierigen Wetterbedingungen und einigen Verzögerungen steht in Südbrandenburg in Deutschland die höchste Windenergieanlage der Welt. 365 Meter misst der Turm in Schipkau in der Lausitz. Die Region in der ehemaligen DDR ist eher bekannt als traditionelles Braunkohlegebiet, setzt aber angesichts des vereinbarten Kohleausstiegs auf den Ausbau erneuerbarer Energien.
Bisher ist der Windrad-Koloss, eine Pilotanlage, die das Dresdner Unternehmen Gicon entwickelt hat. In den kommenden Jahren muss sich zeigen, ob der XXL-Prototyp mit dem Ziel eines höheren Stromertrags Interessenten findet und weitere Windparks damit aufgerüstet werden. Heute will Gicon in Schipkau über das anspruchsvolle Pilotprojekt informieren, das Ingenieure als Pionierleistung bezeichnen. Eine wichtige Etappe steht auch noch bevor: Die offizielle Inbetriebnahme des Höhenwindturms ist im November geplant, wie das Unternehmen ankündigte.
Das Windrad, das in einem bestehenden Windpark hochgezogen wurde, gilt als technische Innovation. Sie besteht aus einer Art Gitterturm und einer Stahlkonstruktion, die eher an Strommasten erinnert. „Mit über 2.000 Tonnen verbautem Stahl und 22.000 Einzelteilen ist der Gittermast ein ingenieurtechnisches Meisterstück“, schwärmt Gicon. Die Turbine wurde zunächst in gut erreichbarer Höhe montiert. Dann musste sie mit dem Innenturm mit einem Teleskopmechanismus in die finale Position gehoben werden, Rotorblätter kamen dazu. Die Nabenhöhe der Anlage beträgt laut Gicon 300 Meter, die Gesamthöhe erreicht dann 365 Meter. Ein Vergleich: Der Berliner Fernsehturm ist nur 3 Meter höher und gilt als das höchste Bauwerk Deutschlands. Windenergieanlagen herkömmlicher Art haben eine Nabenhöhe von deutlich unter 200 Metern.
Die Gicon Gruppe mit Hauptsitz in Dresden baut den Windturm im Auftrag der 2019 gegründeten Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind). Sie soll bahnbrechenden Ideen zum Durchbruch verhelfen und kann sie staatlich fördern. „Sprind will die Brücke bauen zwischen Forschergeist und Unternehmertum“, schreibt die Bundesagentur in Leipzig. Die Höhe der Investitionskosten für den Höhenwindturm nennt Gicon aber nicht.
In größeren Höhen herrschen in der Regel stärkere und gleichmäßigere Windverhältnisse. Dadurch könne der riesige Windturm bei gleichem Rotordurchmesser etwa den doppelten Energieertrag einer konventionellen Windenergieanlage erzielen, heißt es von Gicon. Zudem könnten Höhenwindtürme künftig innerhalb bereits bestehender Windparks errichtet werden und so zusätzliche Energie liefern, ohne neue Flächen außerhalb dieser Parks in Anspruch zu nehmen. Erneuerbare Energie soll so auch an Standorten mit geringem Windaufkommen besser erzeugt werden können.
Der Höhenwindturm soll einmal Strom für bis zu 7.500 Haushalte produzieren können. Die Pilotanlage wird dem Unternehmen zufolge mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt in Betrieb genommen. Zukünftige Anlagen sollen laut Unternehmen mehr als 7 Megawatt erreichen.
Gicon nennt Pläne, Anfang der 2030er Jahre mit der Serienfertigung zu beginnen. Allein in Deutschland bestehe derzeit das Potenzial, bis zu 4.000 Höhenwindtürme in bestehenden Windparks als sogenannte „zweite Etage“ nachzurüsten, so der Entwickler.
Ob ein Höhenwindrad auch in Österreich geplant ist, ist derzeit nicht bekannt.