Boomerang Hire: Zurück zum Ex

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Fachkräfte verlassen ihren Arbeitgeber – und kommen Jahre später zurück. Was früher als Ausnahme galt, wird für Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels zunehmend interessant. Warum sogenannte Boomerang Hires gefragt sind und weshalb ein guter Abschied zur Rekrutierungsstrategie gehört.

Es klingt fast wie in „Charlie und die Schokoladenfabrik“: Auf Linkedin berichtet eine Recruiting-Leiterin der ÖBB von der Verabschiedung von Mitarbeiter Dominik L. und wie sie ihm ein symbolisches goldenes Ticket überreicht hat. Doch anders als in der berühmten Geschichte von Roald Dahl ist das goldene Ticket nicht in einer Schokoladentafel versteckt, sondern ist eine Fahrkarte mit der Aufschrift „Rückfahrschein“. Und dem Gewinner winkt auch keine abenteuerreiche Führung durch die Schokoladenfabrik von Willy Wonka, sondern die Einladung, irgendwann wieder als Mitarbeiter zum Unternehmen zurückzukehren.

Tatsächlich existiert dieses goldene Ticket bei den ÖBB nicht nur als Social-Media-Gag. Alle Mitarbeiter:innen der ÖBB-Infrastruktur erhalten beim Austritt diesen symbolischen Rückfahrschein, der eine spätere Rückkehr ins Unternehmen – bei beidseitigem Interesse – avisieren soll.

Immer mehr Unternehmen entdecken ehemalige Beschäftigte als wertvolle Zielgruppe für die Personalgewinnung. Das Konzept dahinter heißt Boomerang Recruiting. Der Begriff beschreibt Mitarbeitende, die nach beruflichen Stationen bei anderen Arbeitgebern wieder zu ihrem früheren Unternehmen zurückkehren. Was lange als Ausnahme galt, entwickelt sich angesichts des Fachkräftemangels und zunehmend vielfältiger Karrierewege für einige Unternehmen zu einer attraktiven Rekrutierungsstrategie.

Dass Beschäftigte überhaupt zurückkehren, zeigt, wie sehr sich Karrierewege verändern. Laut einer deutschen Studie vom Marktforschungsinstitut Bilendi ist die Rückkehrbereitschaft von Mitarbeitenden zu einem alten Arbeitgeber auf ein Rekordhoch von 43 Prozent gestiegen. Für den österreichischen Arbeitsmarkt gibt es bis dato keine vergleichbaren Zahlen, doch es ist von ähnlichen Werten auszugehen. Das betrifft vor allem die jüngere Generation, in der die prinzi­pielle Bereitschaft, seinen Arbeitgeber zu wechseln, besonders hoch ist: Laut der Xing Wechselwilligkeitsstudie 2025 sind 59 Prozent der 18- bis 29-Jährigen in Österreich offen für einen Jobwechsel oder planen diesen bereits konkret.

Das Beste aus beiden Welten

Für Siemens Österreich ist Boomerang Recruiting jedenfalls eine sinnvolle Ergänzung zu den klassischen Rekrutierungswegen: „Rückkehrende Mitarbeitende verbinden das Beste aus beiden Welten: Sie kennen Siemens bereits und bringen gleichzeitig neue Erfahrungen, Methoden und Netzwerke aus anderen Organisationen mit“, sagt Lara Pyko, Head of People & Organization bei Siemens. Diese Kombination könne Innovation sowie Produktivität fördern und bewährte Prozesse um externe Perspektiven ergänzen.

Auch für die ÖBB ist diese Kombination wertvoll. „Rückkehrer:innen können sich oft rascher orientieren, Abläufe besser einordnen und durch die externe Erfahrung noch viel eher neue Impulse einbringen“, sagt Martina Hacker, Konzernpersonalchefin der ÖBB.

Für das Eisenbahnunternehmen hat die Rekrutierungsstrategie aber auch mit der Offenheit des Unternehmens zu tun: „Eine Rückkehr zeigt, dass ein Austritt nicht zwingend ein endgültiger Bruch sein muss. Menschen entwickeln sich weiter, sammeln neue Erfahrungen und können zu einem späteren Zeitpunkt wieder gut zur Organisation passen.“

Tatsächlich wird Boomerang Recruiting vor allem in Bereichen interessant, in denen qualifizierte Spezialist:innen schwer zu finden sind. Siemens beobachtet den Trend insbesondere in technischen und spezialisierten Funktionen wie Digitalisierung, Softwareentwicklung, Automatisierung, Engineering, Projektmanagement und Vertrieb. Bei den ÖBB sind Rückkehrer:innen vor allem dort willkommen, wo spezifisches Fachwissen und Betriebserfahrung eine große Rolle spielen. Dazu zählen insbesondere eisenbahnspezifische Berufe, technische Funktionen, der Postbus-Bereich, die IT sowie betriebliche Aufgaben.

Lass und Freunde bleiben

Siemens setzt ebenfalls auf einen wertschätzenden Offboarding-Prozess. „Viele ehemalige Kolleg:innen bleiben über berufliche Netzwerke, persönliche Kontakte oder Alumni-Initiativen mit Siemens verbuntzt ebenfalls auf einen wertschätzenden“, sagt Pyko.

Für die ÖBB wird die Grundlage für erfolgreiches Boomerang Recruiting allerdings lange vor einer möglichen Rückkehr gelegt – nämlich schon während der gesamten Arbeitsbeziehung. „Wir wollen, dass Menschen die ÖBB in guter Erinnerung behalten – auch dann, wenn sie das Unternehmen verlassen“, sagt die ÖBB-HR-Chefin.

Deshalb verstehen die ÖBB den gesamten Mitarbeiter:innen-Lebenszyklus als zusammenhängenden Prozess – vom Recruiting über Onboarding und Entwicklung bis zum Off boarding. Zu Letzterem gehören Austrittsgespräche, Feedbackbögen und Alumni-Angebote. Ehemalige Praktikant:innen erhalten einen Karriere-Newsletter, bei der ÖBB-Infrastruktur gibt es zudem ein Netzwerk für backbögen und Alumni-Angebote. Ehemalige Praktikant:innen erhalten einen ehemalige Mitarbeiter:innen.

„Das goldene Ticket der ÖBB ist dabei eher als symbolisches Element im Rahmen des Offboardings vorgesehen“, so Hacker. Doch in manchen Fällen sei das Ticket durchaus auch verbindlich: „In einzelnen Bereichen, nämlich bei Fahrdienstleiter:innen oder im Verschub, wird individuell entschieden, ob eine echte Wiedereinstellungszusage ausgesprochen wird. Diese ist dann tatsächlich rechtlich bindend und für zwei Jahre ab Austritt gültig.“

Der Artikel ist in der trend.EDITION am 14. August 2026 erschienen.

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