
Die Stress-Helfer. Christoph Schnedlitz, Geschäftsführer Mavie Work, Lukas Mayrl, Geschäftsführer Mavie, und Michaela Hack, psychosoziale Beraterin Mavie Work (v. l.), präsentieren die dritte Stress-Studie für Österreich.
Viele Mitarbeitende arbeiten trotz Erschöpfung und Überlastung weiter. Das beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und den Unternehmenserfolg. Der betriebliche Gesundheitsanbieter Mavie Work will mit gezielten Angeboten die mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken.
Christoph Schnedlitz bahnt sich den Weg durch eine ungewöhnliche Bürolandschaft. Dutzende Sessel stehen dicht an dicht, auf jedem klebt ein gelber Zettel mit Wörtern wie „erledigt“ „schlapp“ oder „ausgebrannt“. Die Installation macht sichtbar, was in der Arbeitswelt zunehmend zum Problem wird: Insolvenzen, Restrukturierungen und Personalabbau setzen Beschäftigte unter Druck – und die Folgen sind auch psychisch spürbar: Der Großteil der österreichischen Angestellten geht trotz Erschöpfung zur Arbeit.
Das Problem dabei: Mentale Gesundheit verursacht über die individuellen Auswirkungen hinaus erhebliche Kosten für die Unternehmen und für die Volkswirtschaft: Einer internationalen Studie zufolge sind die Produktivitätsverluste des so genannten Präsentismus – Mitarbeitende arbeiten, sind aber nicht voll leistungsfähig – um 1,5-mal höher als die Kosten von Krankenständen. Und in Österreich gehen 51,7 Milliarden Euro pro Jahr an Produktivität durch „Quiet Quitting“ verloren, wenn Mitarbeitende zwar körperlich da sind, aber mental abwesend. „Stress am Arbeitsplatz ist längst kein individuelles Problem mehr, sondern eine wirtschaftliche Herausforderung“, sagt Schnedlitz, Geschäftsführer von Mavie Work, und ergänzt: „Daher ist es wichtig, dass Unternehmen frühzeitig handeln und nicht erst, wenn Mitarbeitende ausfallen.“
83 %
gehen trotz Erschöpfung zur Arbeit – und führen dafür vor allem finanzielle Gründe, das Fehlen einer Vertretung und das Argument, sonst Schwäche zu zeigen, an.
Trotz erschöpfung zur Arbeit.
Mavie Work als der führende Anbieter für betriebliche Gesundheitsförderung in Österreich, Deutschland und CEE hat heuer zum dritten Mal in einer groß angelegten Studie untersuchen lassen, wie es um die mentale Gesundheit in Österreichs Arbeitswelt bestellt ist. Die Ergebnisse sind alarmierend: „Die Stresshäufigkeit ist zwar im Vergleich zum Vorjahr nicht weiter gestiegen, aber sie verharrt auf hohem Niveau“, sagt Schnedlitz. Laut Studie fühlen sich zwei von drei Menschen in Österreich oft oder sehr oft gestresst. Frauen, insbesondere in Teilzeit oder mit Führungsverantwortung, sind stärker betroffen als Männer. Erschöpfung und Schlafprobleme gehören zu den meistgenannten Gesundheitsthemen in Folge von Stress.
In der aktuell schwierigen Wirtschaftslage zeichnet sich darüber hinaus eine weitere besorgniserregende Entwicklung ab: Demnach gehen 83 Prozent der Befragten trotz Erschöpfung und Burn-out-Symptomen weiter zur Arbeit. Als Gründe geben sie an, dass finanzieller Druck auf ihnen lastet oder eine Vertretung fehlt. „Was auf den ersten Blick wie Durchhaltevermögen aussieht, ist tatsächlich ein Warnsignal. Denn Stress beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit“, sagt Lukas Mayrl, Geschäftsführer des Gesundheitsanbieters Mavie. Mavie Work ist der betriebliche Gesundheitsbereich von Mavie.
Doch nur ein kleiner Teil der Befragten holt sich psychologische Hilfe. Dass mentale Gesundheit immer noch ein Tabuthema ist, belegt die Studie: Demnach sprechen 75 Prozent der Arbeitnehmer:innen am Arbeitsplatz nicht über ihre mentale Gesundheit. Wer sich durch den Job gestresst und psychisch belastet fühlt, tauscht sich in erster Linie mit dem privaten Umfeld aus. Das Vertrauen in die direkte Führungskraft (30 Prozent) liegt nur knapp über der KI. Einem Tool wie ChatGPT würden sich rund 27 Prozent der Befragten anvertrauen.
67 %
der Menschen in Österreich fühlen sich oft oder sehr oft gestresst. Konflikte, Leistungsdruck und unklare Erwartungen sind die häufigsten Auslöser.
Stress am Arbeitsplatz ist kein individuelles Problem, sondern eine wirtschaftliche Herausforderung.
Führungskräfte prägen Stresserlebnis.
Stress ist mittlerweile auch ein verbreitetes Phänomen in der Führungsetage. Rund 55 Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen spüren den Stress ihrer Vorgesetzten – und das hat Auswirkungen auf ihre eigene Arbeit und ihre Jobmotivation: Während bei rund einem Drittel die Freude an der Arbeit leidet, vermeiden 28 Prozent die Kommunikation mit ihrem Chef. Und der Jobfrust steigt: Rund 20 Prozent der Befragten, die mit einem gestressten Vorgesetzten konfrontiert sind, denken häufiger über Jobwechsel nach.
„Starker Druck kann das Verhalten von Führungskräften deutlich verändern“, sagt Michaela Hack, psychosoziale Beraterin bei Mavie Work. Für die Unternehmen ist es daher wichtig, bereits bei der Auswahl von Führungskräften das Thema Umgang mit Belastungssituationen abzufragen. Dafür bieten sich fundierte Persönlichkeitstests wie Hogan Assessments an, die zeigen können, welche persönlichen Stärken unter Druck zum potenziellen Risiko werden können. Schnedlitz: „Fast jede Führungskraft hat solche Schattenseiten unter Stress. Deckt man diese im Rahmen von Hogan Assessments auf, kann man darauf gezielt im Rahmen von Coachings eingehen.“
75 %
der Arbeit:nehmerinnen sprechen im Job nicht über ihre mentale Gesundheit. Wer sich öffnet, macht das bevorzugt im privaten Umfeld. Das Vertrauen in Chefs (30 %) und jenes in KI-Tools (27 %) liegen fast gleich auf.
Niederschwellige Beratungsangebote.
Psychische Erkrankungen verursachen in Österreich hohe Kosten: rund 15 Milliarden Euro pro Jahr, getrieben durch Produktivitätsverluste, Krankenstände und frühes Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. Unternehmen, die gezielt die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden fördern und verbessern wollen, müssen nicht selbst entsprechende Programme aufsetzen, sondern können sich von externen Dienstleistern mit anonymen und niederschwelligen Angeboten unterstützen lassen.
Über das Employee Assistance Program (EAP) von Mavie Work können sich Mitarbeitende und Führungskräfte kostenlos zu privaten und beruflichen Problemen beraten lassen. Die Gespräche mit den psychosozialen Berater:innen können persönlich, aber auch online oder telefonisch stattfinden – und dies rund um die Uhr. „Wir bieten unser EAP mittlerweile in acht Ländern an und verzeichnen hier auch auf Grund der steigenden Stressbelastung eine steigende Nachfrage“, sagt Schnedlitz.
Einer der EAP-Kunden ist der Sporthändler Bründl Sports mit Sitz in Kaprun. Das Unternehmen betreibt 30 Standorte und beschäftigt rund 550 Mitarbeiter. Auf Grund der hohen saisonalen Belastungen und der teils entlegenen Standorte kam es dort zu Erschöpfungsthemen und hohen Krankenständen. Da sich trotz interner Angebote keine Besserung abzeichnete, führte Bründl Sports das EAP von Mavie Work ein – mit Erfolg. Die EAP-Nutzung stieg innerhalb eines Jahres um rund zwanzig Prozent, Fehltage gingen zurück.
Aktuell betreut Mavie Work rund 1.000 Unternehmen in Österreich, Deutschland und CEE. „Gesundheit ist längst ein Wettbewerbsfaktor“, resümiert Schnedlitz, „mit unserem ganzheitlichen Angebot helfen wir Unternehmen, ihre Resilienz zu stärken und ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern.“