
Sebastian Scholda serviciert mit seinem Team bei Weilburg 25 vermögende Familien.
©Michael Rausch-SchottNiedrigere Kosten, höhere Flexibilität: Family Offices, in denen diskret Milliarden vermögender Familien schlummern, entwickeln sich zur echten Privatbanken-Alternative. Immer öfter glänzen sie auch mit Deals am Private-Equity-Markt.
Für gute, langjährige Kunden kann man schon einmal den Extrameter gehen. Etwa für den KI-Entwickler Peter Steinberger, der, in den USA weilend, für sein Auto neue Winterreifen brauchte und kurzerhand seinen Vermögensberater Sebastian Scholda kontaktierte. „Wir kümmern uns darum, dass bei unseren Kunden alles rennt. Und das 24/7. Ich arbeite pro Woche sicher 80 Stunden“, sagt Scholda, Geschäftsführer und Gesellschafter des Weilburg Family Office mit Sitz in Baden. Üblicherweise ist er mit seinem Team von neun Leuten aber weniger für Reifenwechsel zuständig, sondern für die Vermögensplanung seiner Kunden, von der Erstellung eines Vermögensplans bis hin zur Errichtung einer Stiftung, der steuerlichen Begleitung und der Auswahl von möglichen Investments.
Insgesamt betreut Scholda, dessen Familie durch den Verkauf einer Blutlaborkette reich wurde, neben dem Vermögen seiner eigenen Familie noch 24 weitere. Auch jenes von Steinberger. Multi-Family-Office nennt sich das im Fachjargon. Der 34-jährige Betriebswirt gründete das Family Office vor sieben Jahren und weitete es sukzessive aus. „Unsere Kunden kommen ausschließlich auf Empfehlung zu uns. Die Nachfrage ist riesig“, schildert Scholda, der vorwiegend jüngere, techaffine Mandanten betreut. Ab einem Vermögen von 50 Millionen ist man mit dabei. Insgesamt betreut das Weilburg Family Office ein Vermögen von rund einer Milliarde Euro.
In Österreich wird die Zahl der Family Offices auf bis zu 200 geschätzt. Tendenz steigend, schließlich hat ja auch die Zahl der Millionäre hierzulande stetig zugenommen. Capgemini zählte 2025 196.000 Austro-Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 564 Milliarden Euro. Der Großteil der Family Offices sind sogenannte Single-Family-Offices, die sich ausschließlich um die finanziellen Belange einer einzigen Familie kümmern.
Gerade in den letzten Jahren hat aber auch die Zahl der Multi-Family-Offices, wie Weilburg eines ist, zugenommen. Schätzungen reichen bis über 60 solcher MFOs. Exakte Zahlen sind deswegen schwer zu bekommen, weil die Begrifflichkeiten oft verschwimmen: Die Vermögensverwaltung von vermögenden Familien findet oft im Rahmen einer Privatstiftung statt, wird aber nicht eigens als Family Office tituliert. Außerdem gilt in allen Family Offices die Prämisse: äußerste Diskretion. Wie viel Geld verwaltet wird, wie das Portfolio genau ausgestaltet ist oder gar die Rendite, die damit erzielt wird, wird praktisch nie verraten.
Was man aber aus anonymisierten Zahlen gut ablesen kann, ist, dass reiche Familien ihr Geld heute deutlich fortschrittlicher veranlagen lassen als noch vor einigen Jahren. Laut PwC flossen im Jahr 2018 noch 89 Prozent der österreichischen Family-Office-Investitionen in Immobilien, 2024 waren es hingegen nur mehr 59 Prozent. Im Portfolio befinden sich heute neben dem guten alten Betongold und Blue Chips immer öfter direkte Private-Equity-Beteiligungen oder Beteiligungen an PE-Fonds. Statt vieler kleiner Transaktionen rücken dabei laut PwC gezielte größere Investments stärker in den Vordergrund. Besonders gefragt waren bei heimischen Family Offices zuletzt Start-ups, deren Anteil an den Investitionen von sieben auf 36 Prozent anstieg. Bevorzugte Branchen sind Software, Medizin, aber auch immer stärker Industrie.
Individuelle Lösungen
Wie kürzlich, als Weilburg und das Hansmann Family Office gemeinsam beim oberösterreichischen Unternehmen Hofmann Industrieofenbau einstiegen oder die Industriellenfamilie Knill bei Pankl Racing. Für Ulrich Kallausch, Drahtzieher hinter dem Hofmann-Deal, ist das wachsende Interesse von Family Offices an Private-Equity-Investments gut nachvollziehbar: „Aktienkurse sind zum Teil absurd hoch.“ Und, so Scholda: „Wenn man am Private-Equity-Markt Beteiligungen eingeht, ist man nicht Spielball der Märkte.“ Man kann mit den Unternehmen individuelle Vereinbarungen treffen und sich auch als Organ einbringen. Nikolaus Hulatsch, Partner bei PwC Österreich, ortet noch ein weiteres Spezifikum von Family Offices als Investoren: „Im Unterschied zu vielen anderen Private-Equity-Investoren stehen Family Offices typischerweise unter geringerem Druck, Kapital nach einem Exit rasch wieder zu investieren. Dadurch können sie Investitionsmöglichkeiten langfristiger prüfen und bewerten.“
Investieren wie Trump
Sven Rischko, der das Multi-Family-Office Kronos bereits im Jahr 2009 gegründet hat, spürt auch wachsendes Interesse seiner Kunden an Direktbeteiligungen. „Manche sind heute bis zu 40, 50 Prozent in Private Markets investiert“, erzählt der Finanzmann, der seine Zelte inzwischen auf Zypern aufgeschlagen hat und von dort seine zwölf vermögenden Kunden in Österreich, darunter auch die Boston Consulting Group, betreut. Er ortet den Hauptvorteil von Family Offices gegenüber Privatbanken in den oftmals geringeren Kosten. Außerdem unterliegen Family Offices meist weniger strengen Regularien als Banken. Mit acht Mitarbeitern verwaltet Rischko heute ein Vermögen von knapp 800 Millionen Euro. Essenziell sind für ihn vor allem gute internationale Kontakte, um auch an gute Investments zu gelangen. Dabei behilflich ist ihm sein Beirat, der bekannte deutsche Investor Christian Angermayer. „Über Christian haben wir ein vermutlich einzigartiges Netzwerk zur Private-Equity-Szene, speziell in den USA, da Christian neben Donald Trump Junior auch mit Peter Thiel bestens vernetzt ist und gemeinsame Investments für unsere Kunden ermöglicht.“ Zum Service von Kronos gehören aber nicht nur die Suche nach geeigneten Angeboten, die Auswahl der Anbieter und ständiges Reporting. Rischko: „Wir sind ständiger Sparringpartner für unsere Kunden.“
Im Flick Family Office in der Wiener City stehen neben drei Geschäftsführern gleich 20 Mitarbeiter als Sparringpartner für die Familie Flick zur Verfügung. „Wir haben uns als Minderheitsaktionär bei kleineren Wachstumsunternehmen im D-A-CH-Raum beteiligt“, erzählt Geschäftsführer und Anwalt Konrad Gröller. Als Beispiele nennt er die Pflegesoftware Cogvis, das Blockchain-Unternehmen Riddle & Code und den Medikamentenentwickler Delta 4. Man sei aber, so Gröller, von dem Geschäftsfeld der Direktinvestments zuletzt wieder etwas abgerückt, denn: „Solche Beteiligungen sind relativ aufwendig verglichen mit dem geringen Kapitaleinsatz. Es ist schwer, dass sich das rechnet.“ Stattdessen setzt das Flick Family Office jetzt verstärkt auf Co-Investments mit anderen Offices, um die Kosten geringer zu halten.
Und gelegentlich können solche Investments auch schiefgehen. Sogar bei den bemühtesten Family Offices wie Weilburg. „Zwei Start-ups mussten wir in den letzten sieben Jahren abschreiben. Aber wir gehen auch nie mit signifikanten Größen rein“, sagt Scholda. Nachsatz: „Bei uns ist noch nie ein Kunde weggegangen.“
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 9. November 2026 erschienen.