
Von Porsche zu Panzer: VW-Werk in Osnabrück.
©APA/APA/dpa/Hauke-Christian DittrichLand Niedersachsen und ein Investor übernehmen. Der Großteil der Beschäftigten kann bleiben.
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Das VW-Werk Osnabrück soll mit Rüstungsaufträgen eine Zukunft bekommen. Volkswagen, das Land Niedersachsen und der Investor Aurelius Capital haben Eckpunkte für einen Verkauf vereinbart, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Nach dem Ende der Auto-Produktion im Sommer 2027 soll der Standort schrittweise zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen entwickelt werden.
Der Plan sieht vor, dass Aurelius als Mehrheitseigentümer gemeinsam mit dem Land die Volkswagen Osnabrück GmbH übernimmt. Das Ziel der Transaktion sei, den Standort langfristig zu erhalten. Der mögliche Kaufpreis war zunächst nicht bekannt. Die nun angesteuerte Lösung bietet dem Betriebsrat zufolge eine Zukunft für knapp 1.400 der derzeit 1.800 Beschäftigten. Damit zeichnet sich für rund drei Viertel der Belegschaft eine Anschlussperspektive ab.
VW-Vorstandschef Oliver Blume sprach von einem wichtigen Schritt, um dem Standort eine industrielle Zukunft zu eröffnen. „Volkswagen steht zu seiner Verantwortung für Osnabrück", sagte Blume. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) betonte, dass Deutschland und Europa angesichts der veränderten Sicherheitslage ihre Fähigkeiten stärken und unabhängiger werden müssten. „Niedersachsen will dazu beitragen, dass daraus Wertschöpfung und sichere Beschäftigung entstehen", sagte Lies, der Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist.
Als erstes Ankerprojekt ist den Angaben nach eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael vorgesehen. Das Unternehmen fertigt unter anderem Luftverteidigungssysteme und Lenkflugkörper sowie Anlagen für den elektronischen Kampf. Bekannt ist Rafael als Hersteller des „Iron Dome", mit dem Israel Raketen, Marschflugkörper und Drohnen bekämpft.
Zunächst wird sich die Zusammenarbeit demnach auf die mögliche Entwicklung und Produktion von Komponenten für Luftabwehrsysteme konzentrieren. Rafael habe die technologische Kompetenz, die Belegschaft in Osnabrück solle beim Aufbau der Fertigung und der Industrialisierung eine zentrale Rolle spielen.
Der Autohersteller führt den Standort Osnabrück als kleines Mehrmarken-Werk - spezialisiert auf Klein- und Kleinstserien sowie auf Überlaufproduktionen aus anderen Konzern-Fabriken. Doch zuletzt blickten die dortigen Beschäftigten in eine ungewisse Zukunft: Wegen der geringen Nachfrage sind viele VW-Werke nicht ausgelastet - und der Konzern will diese Überkapazitäten abbauen. Die Produktion der in Osnabrück gefertigten Porsche-Modelle ist daher bereits Ende vergangenen Jahres ausgelaufen.
Das Modell in Osnabrück könnte über den Standort hinaus Bedeutung bekommen. Denn konzernweit stehen auch die Standorte Emden, Hannover und Zwickau sowie das Werk der Tochter Audi in Neckarsulm unter Druck. Bisher fehlen für sie ab Anfang der 2030er-Jahre Nachfolgeprodukte, da die Produktion dort laut VW zu teuer und nicht wettbewerbsfähig ist. Für die Werke werden aktuell „alternative Verwendungsmöglichkeiten" geprüft.