„Die Entwicklung geht in Richtung Innovationsstandort“

IN KOOPERATION MIT OBERSTEIERSTARK
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 © Regionalmanagement Obersteiermark Ost/Paller

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Jochen Werderitsch, Geschäftsführer der Regionalmanagement Obersteiermark Ost GmbH, über den Wandel der Region zum Innovationsstandort, neue Chancen durch den Semmering-Basistunnel und die Frage, wie Fachkräfte in der Obersteiermark gehalten werden können.

trend: Wofür steht die Obersteiermark heute wirtschaftlich?

Jochen Werderitsch: Für eine ungewöhnlich starke Verbindung aus Industrie, Innovation und Lebensqualität. Unsere industrielle Kompetenz ist über Jahrhunderte gewachsen und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark in Richtung Hochtechnologie entwickelt. Gleichzeitig haben wir international erfolgreiche Unternehmen und Weltmarktführer in der Region. Dazu kommt ein enges Netzwerk aus Wirtschaft, Forschung und Ausbildung von der Montanuniversität Leoben über die FH Joanneum bis zu HTLs und weiteren höheren Schulen. Diese Verzahnung macht den Standort besonders.

Also weg vom Image der klassischen Industrieregion? Ganz klar in Richtung Innovationsstandort. Neue Produktionstechnologien, neue Werkstoffe, Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern die Industrie massiv. Unternehmen wie AT&S oder voest­alpine sind Teil internationaler Technologie- und Innovationsnetzwerke. Und das verändert auch die Außenwahrnehmung. Früher wurde die Region stärker als peripher gesehen. Heute werden mit ihr wesentlich stärker wirtschaftliche Stärke, Innovation und Lebensqualität verbunden.

Was bringen die großen Investi­tionen von AT&S und voestalpine der Region? Sie haben eine enorme Hebelwirkung. Sie sichern hochwertige Arbeitsplätze, stärken Zulieferer, Forschung und Ausbildung und führen die industrielle Basis in die Zukunft. Die Elektrolicht­bogenöfen von voestalpine in Donawitz und voestalpine Böhler Edelstahl in Kapfenberg sind dafür gute Beispiele: Diese Investitionen tragen dazu bei, die Produktion international wettbewerbsfähig zu halten und gleichzeitig die CO2-Emissionen maßgeblich zu reduzieren. AT&S wiederum ist mit dem Standort Leoben bei IC-Substraten in einem Technologiebereich führend, der bisher stark von Asien geprägt war. Solche Investitionen beeinflussen die Wahrnehmung und die Zukunftsfähigkeit des gesamten Standorts.

Ihr Slogan lautet „Spitzen-Jobs in einem Spitzen-Lebensraum“. Was ist daran mehr als Werbung? Die Kombination ist tatsächlich außergewöhnlich. Wir haben viele hoch qualifizierte und gut bezahlte Jobs, beim Einkommensniveau liegen wir im österreichischen Vergleich immer wieder im Spitzenfeld. Gleichzeitig gibt es Natur direkt vor der Haustür, kurze Wege und vergleichsweise leistbaren Wohnraum.

Trotzdem zieht es viele Junge nach Wien oder Graz. Wie hält man sie in der Region? Zunächst ist mir wichtig: Wir sind keine Abwanderungsregion. Wir haben eine herausfordernde demografische Entwicklung, die vor allem mit niedrigen Geburtenraten und dem Übergang der Babyboomer ins Pensionsalter zusammenhängt. Bei den Wanderungsbewegungen haben wir seit 2015 mit wenigen Ausnahmen positive Salden. Unsere Aufgabe ist es, jungen Menschen die guten Jobs, Wohnmöglichkeiten, Freizeitangebote und Zukunftsperspektiven zu zeigen und mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Auch wenn jemand nach der Ausbildung nach Wien, Graz oder ins Ausland geht, soll die Obersteiermark etwa bei einer späteren Familiengründung wieder als mögliche Option im Kopf sein.

Für uns ist der Semmering-Basistunnel weit mehr als ein Verkehrsprojekt.

Jochen Werderitsch, Regionalmanagement Obersteiermark Ost

Die Kampagne „Obersteierstark“ soll die Region als attraktiven Wirtschafts- und Lebensraum positionieren. Sie haben die Kampagne evaluieren lassen. Was hat sie gebracht? Die wichtigste Erkenntnis ist: Die Kampagne wirkt. Von Menschen außerhalb der Region, die die Obersteiermark nicht kennen, können sich 24 Prozent gut vorstellen, hier zu leben. Bei jenen, die mit der Kampagne über unsere Kanäle in Kontakt gekommen sind, steigt dieser Wert auf 57 Prozent. Gleichzeitig sehen wir sehr klar, wo wir noch arbeiten müssen. Lebensqualität ist bereits stark mit der Region verbunden. Bei Innovation, Dynamik und vor allem Weltoffenheit müssen wir diese Verbindung noch stärker schaffen.

Der Semmering-Basistunnel verkürzt ab 2030 die Verbindung nach Wien deutlich. Was verändert das? Sehr viel. Für uns ist der Basistunnel weit mehr als ein Verkehrsprojekt. Die Fahrzeit Richtung Wien verkürzt sich aus Teilen der Region um rund 30 Minuten. Damit verändern sich Arbeitsmärkte, Pendlerbeziehungen und die Attraktivität als Wohn- und Unternehmensstandort. In unserer Befragung erwarten rund 85 Prozent Vorteile für Berufstätige, Pendler und junge Menschen, 78 Prozent sehen Vorteile für die wirtschaftliche Zukunft. Aber natürlich hat ein Tunnel zwei Ausgänge. Es kann auch eine Sogwirkung geben. Deshalb bereiten wir uns gemeinsam mit 35 Gemeinden schon jetzt auf diese neue Situation vor.

Warum braucht eine Industrieregion daneben Projekte wie „GründerRaum“ oder E-Carsharing? Weil Standortqualität nicht nur aus großen Industriebetrieben besteht. Beim „GründerRaum“ geht es darum, Leerstände in Ortszentren zu nutzen und gleichzeitig leistbare Flächen für Gründer und kleine Unternehmen zu schaffen. Seit 2018 wurden 32 Projekte in 13 Gemeinden umgesetzt, rund 6.700 Quadratmeter adaptiert und 53 neue Unternehmen beziehungsweise Mieter angesiedelt. Das E-Carsharing-Projekt CARO setzt bei der Mobilität im Alltag an. Gerade im ländlichen Raum brauchen wir Alternativen zum Zweit- oder Drittauto. Auch solche Angebote entscheiden mit darüber, ob ein Standort für junge Menschen und Fachkräfte attraktiv ist.

Wie soll die Obersteiermark 2035 wahrgenommen werden? Ganz selbstverständlich als innovativer Wirtschaftsraum und als attraktiver Lebensraum innerhalb und außerhalb der Region. Junge Menschen sollen hier gerne bleiben oder neu herziehen. Gleichzeitig sollen Unternehmen aufgrund der Standortqualität weiterhin investieren und der Region langfristig verbunden bleiben. Und wir müssen die Chancen des Semmering-Basistunnels so nutzen, dass Innovation, Dynamik und Offenheit noch stärker werden.

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Unterstützt aus Mitteln des Steiermärkischen Landes- und Regionalentwicklungsgesetzes.

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