„Jeder Entrepreneur braucht eine Vision“

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 © ROBERT HERBST

Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich, und Florian Wimmer, CEO Blockpit (v. l.).

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Florian Wimmer, Co-Gründer des Kryptosteuern-Spezialisten Blockpit, Preisträger in der Kategorie „Start-ups“ beim Wettbewerb EY Entrepreur Of The Year, und Florian Haas, EY, über Ideen, ihre Umsetzung und die Potenziale von KI.

TREND: Was bringt Blockpit die Auszeichnung als Entrepreneur Of The Year?

FLORIAN WIMMER: Den Award bekommen alle mit, und eine Auszeichnung durch EY ist gerade für ein Unternehmen wie Blockpit, das im Bereich Steuern tätig ist, ein wichtiges Zeichen und ein Vertrauensbeweis. Wir haben bereits seit Jahren beim Wettbewerb mitgemacht und dadurch ein Netzwerk auf­gebaut, das uns sehr viel weiter bringt.

FLORIAN HAAS: Durch die Präsenz in rund 60 Ländern ist der Entrepreneur Of The Year das größte internationale Netzwerk erfolgreicher Unternehmerpersönlichkeiten und agiert als eine Art „Club“, den sie erfolgreich nutzen – bei der Expansion, aber auch beim Kontaktaufbau.

Was verbindet gute Entrepreneure?

WIMMER: Jeder Entrepreneur braucht eine Vision. Wichtig ist auch ein Team mit komplementären Stärken: Wenn der CEO Mut zum Risiko hat, muss der CFO vorsichtiger sein. Auch sind viele Gründer „Techies“, die gut entwickeln können, sie brauchen aber auch jemanden mit Verkaufstalent. Wir haben rund 150 Aktionäre und damit ­einen großen Talentepool, um Bereiche vom Business Development bis Finanzierungen abzudecken.

HAAS: In der Praxis sind Team und Netzwerk fast genauso wichtig wie Produkt oder Dienstleistung. Denn Gründer müssen Aufgaben auch aus der Hand geben können: Es gilt, ein erfolgreiches Team zu orchestrieren.

Blockpit feiert bald das zehnjährige Firmenjubiläum. Wie wird ein Start-up nachhaltig erfolgreich?

WIMMER: Für den Erfolg braucht es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: die Idee, den Business Case, den Markt. Sehr wichtig ist es auch, das richtige Team und Durchhaltevermögen zu ­haben. Denn gerade in Europa müssen Start-ups so schnell wie möglich profi­tabel werden. Mit Milliarden an aufgebrauchtem Kapital bis zum Börsengang zu gelangen und erst danach irgendwann profitabel zu werden wie in den USA, ist hier nicht möglich.

HAAS: Eine gute Idee ist erst der Anfang – was zählt, ist die Umsetzung. Die meisten erfolgreichen Start-ups haben mindestens einmal ihr Geschäftsmodell nachgebessert und Strukturen nachjustiert. Das gelingt nur mit Menschen, die am selben Strang ziehen und die Nerven und die „Leidensfähigkeit“ dafür haben, auch wenn es durch KI möglich ist, mit weniger Kapitaleinsatz als früher erfolgreich zu werden.

Welche Vorteile hat KI noch?

WIMMER: KI halte ich für die größte Erfindung der Menschheit seit der Elektrizität. Auch bei uns steigert sie die Produktivität um ein Vielfaches, wir fühlen uns mit rund 30 Mitarbeitenden an wie mit 100. Nicht nur bei der täglichen Arbeit, auch beim Umsatz und im Betriebsergebnis wird sich diese virtuelle Verdreifachung bemerkbar machen.

HAAS: Wir investieren Milliarden in KI und rollen die Technologie quer über unser gesamtes Geschäft aus. Sie steigert die Produktivität, erhöht die Qualität und schafft mehr Zeit für jene Tätigkeiten, bei denen menschliche Expertise den Unterschied macht. So wird KI zum Gamechanger in Beratung, Wirtschaftsprüfung und vielen weiteren Bereichen. Gleichzeitig braucht es auch künftig Menschen, die ­Ergebnisse einordnen, Verantwortung übernehmen und die KI überwachen.

Start-ups zu fördern, ist ein Wunsch der Politik. Was würde helfen?

WIMMER: Bürokratieabbau oder Lohnnebenkostensenkung sind wichtig, aber nicht alles. Es braucht auch einen Kulturwandel: Statt Unternehmerba­shing müssen Erfolgsstories her, die andere inspirieren – Werte, die bereits in der Schule vermittelt werden müssen.

HAAS: Auch mit dem Entrepreneur Of The Year ist es unser erklärtes Ziel, das Image des Unternehmertums in Österreich zu stärken. Denn Unternehmerinnen und Unternehmer werden in der öffentlichen Debatte – bewusst zugespitzt formuliert – oft entweder als „Nieten“ oder als „Turbokapitalisten“ gesehen. Dabei schaffen erfolgreiche Entrepreneure Arbeitsplätze, ziehen Talente an und leisten einen wichtigen Beitrag zu Wohlstand und Wertschöpfung in Österreich.

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