
Kein Sommer wie damals: Stadtwerke-Chef Peter Weinelt.
©Sebastian ReichWiener-Stadtwerke-Chef Peter Weinelt über den Stromverbrauch an Hitzetagen, Investitionen zur Kälteversorgung der Stadt und das Risiko verformter Weichen und Gleise.
Vor uns liegen wieder jede Menge Hitzetage und Tropennächte. Wie organisiert Wien die Kälteversorgung für seine Bevölkerung?
Plakativ ausgedrückt könnte Wien im Jahr 2050 laut einer Studie das Klima haben, das Skopje in Nordmazedonien jetzt hat. Das Thema Kühlung wird also ein großes Thema, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftspolitisch. Es geht um Lebensqualität und Bewohnbarkeit. Wir haben zur Kühlung derzeit 250 Megawatt Leistung installiert, darunter sind acht Fernkältezentralen. Bis 2030 wollen wir auf 370 Megawatt kommen. Das bedeutet ein Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro.
In den Genuss der Fernkälte komme ich als Normalverbraucher aber wohl nicht?
Wenn man ein Haus wirklich total saniert, dann kann man vielleicht auch über Fernkälteinstallation nachdenken. Bei einzelnen Wohnungen nachzuinstallieren, das ist sicher zu teuer. Derzeit werden mit Fernkälte rund 300 Gebäude versorgt, das geht von sehr repräsentativen Objekten wie der Staatsoper über die Theater bis zu wichtigen medizinischen Infrastrukturen wie das AKH.
Welchen Strom-Mehrbedarf bedeutet die wachsende Zahl der Klimaanlagen?
Wir haben da permanent neue Rekorde, vielleicht nächste Woche schon wieder. Im Juni lagen wir an einzelnen Tagen 20 Prozent über dem üblichen Niveau. An einem normalen Werktag, wenn die Schulen und die Betriebe noch in voller Fahrt sind, haben wir 30 Gigawattstunden. Zuletzt hatten wir 36 Gigawattstunden.
Wird Wien im Sommer einmal mehr Energie verbrauchen als im Winter?
Noch ist es nicht so weit, aber es wird sich angleichen. Die Wien Energie hat zum Beispiel eine Aktion gemacht, bei der man sich individuelle Klimaanlagen kaufen kann. Das merkt man natürlich auch beim Stromverbrauch.
Zu den Wiener Stadtwerken gehören auch die Wiener Linien. Es gab im Juni eine durch Hitze verformte Weiche bei einer Straßenbahnlinie – wie machen Sie diesen Teil der Infrastruktur hitzebeständig?
Die eine Weiche war wirklich ein Pech. Sie war schon im Austauschprogramm vorgesehen und dann hat diese 14 Tage dauernde letzte Hitzewelle dazu geführt, dass es zu einem Schaden gekommen ist. Die Wiener Linen haben das dann natürlich vorgezogen und ausgetauscht. Es wäre jedoch zu spät, wenn wir erst jetzt mit der Planung beginnen. Wir haben eine Modernisierungsoffensive und sind vorbereitet. Die Wiener Linien investieren pro Jahr einen zweistelligen Millionen Euro-Betrag in Erneuerungen, um noch hitzeresistenter zu werden.
Ein durch Hitze beschädigtes Gleis oder eine Weiche – melden die sich heute automatisch?
Es gibt Überwachungssensoren. Aber ein Hitzerekord heißt natürlich auch, dass Sie in einem permanenten Lernprozess inklusive der Hersteller sind – auch was die Prioritätensetzung betrifft. Aus der Hitzewelle im Juni haben wir gelernt, dass wir in Zukunft eine Welche, die man schon vorhatte zu reparieren, vielleicht etwas vorziehen könnte.