
Co-Founder und CEO Franz Tretter (2. v. l.) mit Hello-Again-Gründerteam
©Hello AgainHello Again sichert sich ein zweistelliges Millioneninvestment und will zur Nummer eins für digitale Kundenbindung in Europa werden.
Das oberösterreichische Scale-Up Hello Again ist ein Lichtblick am grauen Investmenthimmel, denn dem Unternehmen gelingt einer der größeren Finanzierungsabschlüsse des Jahres. Die Münchner Investmentgesellschaft Emeram beteiligt sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag an der Kundenbindungsplattform – die genaue Summe wird nicht bekanntgegeben.
Für Hello Again ist es die dritte Finanzierungsrunde seit der Gründung 2017. Zu Beginn stand ein sechsstelliges Seed-Investment, danach folgte eine siebenstellige Expansionsfinanzierung für den deutschen Markt. „Jetzt sind wir in der Champions League”, sagt Franz Tretter, Gründer und CEO von Hello Again. Das Scale-up entwickelt digitale Treueprogramme für Unternehmen, vom Friseur und Bäcker ums Eck, bis zu großen Ketten wie L'Osteria. Jeder Betrieb bekommt eine eigens entwickelte App passend zum Markendesign, die Technik im Hintergrund liefert Hello Again. In der App sammeln die Kund:innen der Unternehmen Punkte, lösen Prämien ein, erhalten Rabatte oder Einladungen zu Events und können je nach Betrieb auch Termine buchen. Mehr als 1.000 Unternehmen nutzen die White-Label-Lösung, insgesamt kommen die Apps auf rund 18 Millionen Nutzer:innen in 28 Ländern.
Mit der Investition übernimmt Emeram eine signifikante Minderheitsbeteiligung, die Kontrolle bleibt jedoch in Oberösterreich. Tretter: „Wir sind die Gründer von Hello Again und bleiben im Driver Seat. Wir haben die Mehrheit.” Die bisherigen Hauptinvestoren – unter ihnen die Runtastic-Gründer rund um Florian Gschwandtner und Investment-Legende Hansi Hansmann – bleiben weiterhin an Bord. Einzelne kleinere Gesellschafter:innen stiegen jedoch aus. Tretter: „Wir hatten mehrere Angebote auf dem Tisch.” Den Ausschlag hätten die kulturelle Übereinstimmung und der gemeinsame Fokus auf den Mittelstand in der D-A-CH-Region gegeben. Das Ziel formuliert er selbstbewusst: Emeram sei der perfekte Partner, um Hello Again zum europäischen „Player #1” in der digitalen Kundenbindung aufzubauen.
Mit dem frischen Kapital setzt das Unternehmen auf drei Schwerpunkte. Der erste ist künstliche Intelligenz. Ein neuer „AI-Autopilot” soll für jede App-Nutzer:in individuelle Push-Nachrichten verfassen und den passenden Versandzeitpunkt wählen. Laut Unternehmen solle der Umsatz dadurch um durchschnittlich acht Prozent steigen. Die Idee dahinter ist altmodisch: „Kund:innen sollen so persönlich abgeholt werden wie früher beim Greißler ums Eck. Das können wir mittlerweile technisch ganz gut nachbilden”, so Tretter.
Der zweite Schwerpunkt ist die Vernetzung der mehr als 1.000 Unternehmen zu einer „Mittelstands-Allianz“. Ein Unternehmen kann künftig nicht nur Stammkund:innen in der eigenen App belohnen, sondern auch Neukundenangebote im gesamten Netzwerk platzieren. Wer etwa die App einer Restaurantkette öffnet, findet vielleicht einen Rabatt für den Friseur oder ein Gratisabo.
Der dritte Schwerpunkt ist die Auslandsexpansion, entweder nach Spanien oder Polen. Auf welches Land man sich stärker konzentriert, sei noch nicht entschieden.
Doch Hello Again wächst nicht nur finanziell, sondern auch das derzeit 100-köpfige Team wird größer, vor allem im Bereich der KI-Entwickler:innen, im Vertrieb, im Business Development und im Marketing. Wirtschaftlich sieht sich das Unternehmen gut aufgestellt. Im Vorjahr überschritt der wiederkehrende Jahresumsatz die Marke von zehn Millionen Euro, seither sei man um rund 40 Prozent gewachsen. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage spiele Hello Again sogar in die Hände, denn dadurch sei es für Unternehmen umso wichtiger, bereits bestehende Kund:innen zu binden. Tretters Botschaft an die heimische Wirtschaft: „Nicht jammern, Gas geben. Mindset macht Realität.“