
Ausbau, Sanierung, Neubau: Der Markt für Einfamilienhäuser wächst, jeder Dritte plant einen Neubau oder eine Sanierung. Der Fokus liegt dabei auf Qualität und Nachhaltigkeit.
von
Der Wohnpark der Zukunft entsteht jetzt: In Sitzenberg-Reidling in der Nähe von Tulln errichtet Fertigteilhaus-Marktführer Elk eine ganze Wohnsiedlung für Häuslbauer. Diese können zwischen vielen Haustypen und Grundstücksgrößen wählen und entscheiden, wie viel Hand sie selbst anlegen wollen – die Häuser sind in allen Ausbaustufen von belags- bis schlüsselfertig zu haben. „Bauen soll wieder Spaß machen!“, so Stefan Anderl, Geschäftsführer bei Elk, über das innovative Konzept: „Mit einem Paket aus Grundstück, Einfamilienhaus und Nebenleistungen ermöglichen wir unseren Kunden, sich sorgenfrei den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Planbarkeit, Leistbarkeit und Lebensqualität stehen dabei im Mittelpunkt.“ Dazu kommen Nachhaltigkeit und Regionalität: Über 90 Prozent der Wertschöpfung werden von niederösterreichischen Betrieben erbracht.
Das Konzept geht auf. Elk berichtet über rege Nachfrage: Regional und leistbar den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen, liegt in Österreich im Trend. Je unsicherer die Zeiten, desto stärker der Fokus auf die eigenen vier Wände. Eine aktuelle Studie für die Österreich-Tochter des deutschen Tondachziegelherstellers Erlus zeigt: Rund 2,4 Millionen Menschen in Österreich planen bis 2030 Investitionen in Bau- oder Wohnprojekte.
„Nach einer längeren Phase der Zurückhaltung investieren die Menschen jetzt wieder: Die Zahlen deuten darauf hin, dass in den kommenden Jahren gebaut, saniert und renoviert wird“, sagt Guido Hörer, Prokurist Österreich und Vertriebsleitung Dach bei Erlus: „Das Thema Wohnen bewegt, und fast jeder Dritte wird sein Geld in ein Bau- und Immobilienprojekt anlegen. Das ist keineswegs nur ein bauliches Thema, sondern auch ein wirtschaftlicher und klimapolitischer Aspekt.“
Mehr Bauherren und Hausverkäufe
Die Baubranche freut sich auf mehr Aufträge. Denn die vergangenen Jahre waren nicht einfach, die Umsatzrückgänge gingen quer durch alle Bereiche vom Ziegel bis zu Transportbeton und Betonfertigteilen, sie betrugen zeitweise bis zu 40 Prozent. „Seit dem zweiten Halbjahr 2025 erlebt der Neubau ein Revival“, so Christian Wimberger, Geschäftsführer des gleichnamigen Familienunternehmens aus Oberösterreich, das von Salzburg bis Wien im Gewerbe- und Privatbau sowie als Bauträger tätig ist. „Vor allem zieht das Geschäft rund ums Sanieren, Umbauen und Aufstocken an, weil das Investitionsvolumen bei Wohnraumerneuerung oder -erweiterung überschaubarerer ist.“
Auch die Verkäufe gebrauchter Einfamilienhäuser haben aus diesem Grund stark zugenommen: Die meisten, die ein altes Einfamilienhaus erwerben, wollen es nachhaltig sanieren, mit PV-Anlagen und Wärmepumpenheizung aufwerten und durch Zubauten fit für die Bedürfnisse der kommenden Generationen machen.
In sämtlichen Bundesländern sind im Vorjahr die Einfamilienhausverkäufe laut Daten der Grundbuchexperten von Immounited stark gestiegen – am stärksten in Wien mit plus 31 Prozent und in Niederösterreich, wo um ganze 600 Häuser mehr verkauft wurden als im Jahr zuvor. „Die Entwicklung am Einfamilienhausmarkt ist insgesamt sehr erfreulich“, sagt Bernhard Reikersdorfer, Managing Director des im Einfamilienhausbereich führenden Maklerverbands Remax. „Die Mengendynamik hat unsere Erwartungen sogar übertroffen.“
Aufgrund der Ausgangslage mit Transaktionen über dem Zehnjahresmittel sind große Mengensprünge nach oben heuer laut Remax heuer zwar eher unwahrscheinlich. Dass Bauen und Finanzieren nach dem Anstieg der Energiepreise infolge des Irankriegs und aufgrund der wieder steigenden Zinsen wieder teurer würden, werde sich aber weniger auf die Kauf-, Bau- und Sanierungsbereitschaft auswirken – vielmehr würden die Käufer ihre Projekte auf einer niedrigen Preisbasis starten, sprich beim Kauf des Grundstücks oder des Hauses härtere Preisverhandlungen mit den Abgebern führen: „Die deshalb geringere finanzielle Gesamtbelastung und die vergleichsweise günstige Preisentwicklung sind wohl wesentliche Treiber für die außerordentlichen Zuwachsraten bei Einfamilienhäusern“, meint Reikersdorfer.
Auch die Baubranche bleibt zuversichtlich, was die Aufträge der privaten Häuslbauer angeht. „Trotz aller bestehenden Herausforderungen blickt die österreichische Betonfertigteilindustrie mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft“, sagt Michael Wardian, Geschäftsführer der Kirchdorfer Fertigteilholding GmbH und Präsident des Verbands der österreichischen Betonfertigteile (VÖB): „Konkret erwarten etwa zwei Drittel der befragten Mitgliedsbetriebe für das laufende Geschäftsjahr 2026 eine stabilere Umsatzentwicklung in der gesamten Branche.“
Großes Zukunftspotenzial sehen 85 Prozent der befragten Mitgliedsbetriebe in der Fertigteilbauweise im Hochbau. Denn Fertiggaragen, Keller und Wände aus Beton können entscheidend dazu beitragen, mittels höherer Planungsqualität und höherer Vorfertigungsgrade teure Bau- und Montagezeiten zu reduzieren und damit das Leben der Häuslbauer zu vereinfachen.
Beton und Ziegel gefragt
Ein wichtiger Aspekt, denn während private Bauherren bei den Gesamtkosten ihrer Projekte sparen wollen, greifen sie bei der Auswahl der Materialien aus dem Vollen und setzen auf höchste Qualität – schließlich baut man ein Haus ja nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Kinder und Enkelkinder. Gefragt sind laut Erlus-Studie langlebige Baustoffe wie Beton und Tonziegel. „Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich, dass Bauherren auf bewährte Lösungen und langlebige Materialien setzen“, so Hörer. „Diese Baustoffe stehen für Sicherheit, Beständigkeit und Wertstabilität. Die Wetterphänomene werden weiterhin zunehmen, Dächer müssen bei Wind und Hagel einiges aushalten, auch Wärmedämmung und Energieeffizienz sind immer wichtigere Themen.“
Bürokratie bremst
Während Elk auch das mittlere Preissegment bedient, ist das Familienunternehmen Glorit der unangefochtene Marktführer bei besonders hochwertigen Massivbau-Einfamilienhäusern. Das Unternehmen, das auch ein eigenes Betonfertigteilwerk betreibt, schraubt aufgrund der enormen Nachfrage – der Auftragseingang stieg im Vorjahr im zweistelligen Prozentbereich – seine Produktionskapazität heuer um ein Drittel nach oben und verstärkt die Bauabteilung auch personell. „Wir setzen auf Konsolidierung, investieren gezielt und bereiten uns auf den nächsten Aufschwung vor“, erläutert Glorit-Eigentümer Stefan Messar die Unternehmensstrategie.
Aktuell hat Glorit rund 100 Projekte. Es könnten aufgrund der Nachfrage auch mehr sein, doch die Behördenwege sind viel zu langsam. „Der Markt entwickelt sich positiv, aber er braucht verbesserte Rahmenbedingungen, um das Potenzial voll zu entfalten“, hofft auch Bauunternehmer Wimberger auf weniger bürokratische Hürden. „Wichtig wäre eine wesentliche Straffung der Abläufe, damit wir nicht Monate oder gar Jahre auf einen Baubescheid warten müssen: Wir wollen bauen, und auch die Gesellschaft will das. Jetzt muss uns die Politik unterstützen, damit der Aufschwung schneller und nachhaltiger gelingt.“ Denn auch wenn ein neues Einfamilienhaus 100 Jahre oder noch länger steht: Die Konjunktur 2026 kann es nur ankurbeln, wenn der Spaten noch heuer gesetzt wird.
Dieser Artikel ist in der trend.EDITION vom 26. Juni 2026 erschienen.