Warum die Kirche ihre Kirchen verkauft

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Das Kapuzinerkloster im Zentrum von Linz
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Das Kapuzinerkloster im Zentrum von Linz wurde bereits 2016 profaniert und bis 2024 umfassend renoviert. Heute beherbergt das Areal u.a. die Steuerberatungskanzlei LeitnerLeitner und die Rechtsanwaltskanzlei LeitnerLaw.

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Weniger Gläubige, knappe Budgets: Die Kirche antwortet auf ihre strukturelle Krise mit einer neuartigen Verwertung ihrer Immobilien, von Kooperation bis hin zu Verkauf.

„Selbstverständlich war ich bei der letzten Messe mit dabei“, erzählt Walter Asmus. „Die Entweihung einer Kirche ist ein würdevolles Abschiednehmen. Es wird noch ein letztes Mal eine liturgische Feier abgehalten, am Ende das Profanierungsdekret vorgelesen“, rekapituliert er, was Anfang März beim letzten Gottesdienst in der Hirschwanger Pfarrkirche an der Rax geschah. Alles Heilige wurde entfernt: die Monstranz hinausgetragen, das ewige Licht gelöscht. Danach war die Kirche profaniert. God has left the building. 

Warum der Wiener Immobilienentwickler bei der Profanierung einer kleinen Dorfkirche dabei war? Weil sie ihm gehört. Asmus hatte in der Zeitung gelesen, dass ein Käufer für das Gebäude gesucht wurde, Mitte Februar erwarb
er das Kirchengebäude samt Pfarrhaus: „Im besten Einvernehmen und in Abstimmung mit der Erzdiözese Wien“, wie er betont. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. 

Gemeinsam mit seiner Frau Maria Rennhofer führt er City Loft Art und ist spezialisiert auf kulturelle Sonderprojekte. Die Expedithalle in der Ankerbrotfabrik zeigt, wie aus alten Strukturen neue Kulturorte werden. 

Seit Jahren ist das Paar mit der Region rund um den Semmering verbunden. „Wir haben hautnah miterlebt, wie die alte Sommerfrischegegend kulturell wiederbelebt wurde“, sagt er. Nun wird die rund 70 Jahre alte, frisch profanierte Kirche selbst Teil davon: Unter dem Namen „Raxworx“ entsteht ein Ort für zeitgenössische Kunst. Eröffnung ist Ende Juni, den Auftakt macht Philip Hochmair mit „Jedermann Reloaded“.

Dass es der katholischen Kirche in Österreich zunehmend schwerfällt, ihre Gebäude zu erhalten, ist kein neuer Befund. Es ist vor allem eine Kostenfrage (...)

Lesen Sie den ganzen Artikel im trend.PREMIUM vom 8. Mai 2026.

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