
Gediegene Eleganz, wohin man blickt: Dass am Ort des Mandarin Oriental früher einmal ein Gericht war, scheint jedoch nachzuwirken.
©beigestelltHinter der Fassade des neuen Mandarin Oriental Hotels in Wien tobt ein Streit zwischen dem Generalunternehmer und dem Projektentwickler um offene Forderungen. Es geht um Millionen.
Als das Mandarin Oriental Hotel in Wien im ehemaligen Handelsgericht letzten Dezember mit einigen Monaten Verspätung seine Pforten öffnete, überschlugen sich die Kritiker. Dezenter Luxus mit Lokalkolorit auf 136 Zimmern, so der Tenor. Swimmingpool, großzügiger Spabereich und begrünter Innenhof – alles inklusive.
Doch hinter den Kulissen des neuen Fünf-Sterne-Hotels gehen die Wogen hoch. Zwischen dem Generalunternehmer, der Firma Hagenauer, und den Entwicklern, dem russischen Ehepaar Vallen, tobt ein exzessiver Rechtsstreit, der zuletzt darin gipfelte, dass Hagenauer seinem einstigen Auftraggeber das Du-Wort entzog. „Ich kann bestätigen, dass mein Mandant beträchtliche Außenstände hat und gesetzlich verpflichtende Sicherheiten von Seiten des Auftraggebers nicht geleistet wurden“, bestätigt Alfred Nemetschke, Rechtsanwalt von Hagenauer Österreich. Deshalb sei dieser vom Vertrag mit Brisen Development, die im Besitz der Vallens steht, zurückgetreten. 15 bis 23 Millionen Euro an Forderungen seien offen.
Inzwischen zieht der Streit weitere Kreise. Auch Finanziers des Projekts, ein deutsches Fondshaus und die Mandarin Oriental Group in London, wurden über die Differenzen in Kenntnis gesetzt.
Die Darstellung von Brisen zu den Vorwürfen klingt deutlich anders: Man habe alle fälligen Rechnungen bezahlt, heißt es in einem Schreiben der Brisen Development GmbH. Und: „Brisen hat erhebliche, dokumentierte Gegenforderungen gegenüber dem Generalunternehmer.“ Weiter: „Das Projekt wurde mit einer Verzögerung von über fünf Monaten übergeben. Zum Zeitpunkt der Übergabe bestanden über zweitausend offene Mängelpunkte. Darüber hinaus sind Arbeiten bis heute nicht fertiggestellt.“ Ansonsten sei das Hotel aber in vollem Betrieb, Gäste müssen nicht um den gewohnten Standard bangen. Von 25 Luxusresidenzen, die auf dem Hotel errichtet wurden, sind 16 bereits verkauft.
Wahrscheinlich ist es dennoch ratsam, den Rechtsstreit mit dem Generalunternehmer bald zu beenden, denn dieser scheint willens, die Sache weiter eskalieren zu lassen.
Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 20. März 2026 erschienen.
