Van-der-Bellen-Rede: „Das Leben ist kein Fußballmatch"

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Egal ob Container, Barcode oder Raumstation - nur wenn man sich auf gemeinsame Regeln einigt, entsteht Sicherheit für die Wirtschaft, so Van der Bellen.

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Das Staatsoberhaupt sprach in Wien vor internationalen CEOs über Wirtschaftsprinzipien im Trump-Zeitalter: Wer die Welt in Gewinner und Verlierer einteile, könne nicht die für die Wirtschaft notwendigen Kompromisse schließen, so Alexander Van der Bellen.

„Sorry für die Hitze". Mit seiner Entschuldigung für die heißen Temperaturen vor dem Austria Center Vienna war Alexander Van der Bellen am Mittwochmorgen der erste Lacher sicher. Doch trotz aller Pointen vor den zahlreichen internationalen CEO's des Comsumer Goods Forum Global Summit – von Tesco über L'Orèal bis Danone – war der Charakter seiner Rede ernst. Sie war direkt gegen die Trumpisierung der internationalen Beziehungen gerichtet, ohne den Namen des US-Präsidenten je zu nennen. Der trend war als einziger deutschsprachiger Medienvertreter vor Ort.

Es kommt höchst selten vor, dass sich der Bundespräsident, ein früherer Wirtschaftsprofessor, gezielt an die Business-Community richtet. Schon der Titel „Die Macht gemeinsamer Regeln“ ließ erahnen, dass Van der Bellen den Wirtschaftsvertretern das mitgeben wollte, was er ansonsten der Nation in seinen Reden als Staatsoberhaupt ausrichtet: Zusammenarbeit sollte auch im Wirtschaftsleben Vorrang haben. Den anderen oder die andere über den Tisch ziehen kann keine dauerhafte Geschäftsgrundlage sein.

Dazu brauche es aber erst einmal gemeinsame Regeln: Ein Container, der auf einem Schiff Schanghai verlässt, passt später auf einen Lkw in Hamburg - weil sich die Branche auf einen Container-Standard geeinigt hat. Ebenso verhalte es sich, so Van der Bellen, beim Barcode-System, das heute auf Produkten Selbstverständlichkeit sei. „Gemeinsame Regeln sind keine Bürokratie oder eine unbequeme Eintrittsbarriere für illegale Absprachen“, konnte er sich einen kleinen Seitenhieb auf die Turbo-Deregulierer nicht verkneifen. Letzten Endes gehe es für die Wirtschaft immer um Sicherheit und Vorhersagbarkeit als Voraussetzung für Investitionen.

„Der gute Kompromiss ist österreichisches Kulturgut“, hatte der Bundespräsident in seiner Ansprache zum Nationalfeiertag 2025 geworben. Nun überträgt er den Appell an die Wirtschaftslenker:innen. „Egal ob es Koalitionsregierungen, Staatenbünde oder Barcodes sind“, so Van der Bellen, „sie sind auf Kompromisse gebaut“.

Wenn die Unsicherheit als Folge geopolitischer und technologischer Disruptionen wächst, haben allerdings auch Raubtiere leichte Beute. Es war jedem klar, wer im Folgenden gemeint war: „Wer die Welt in Freund und Feind, in Gewinner und Verlierer einteilt“, so der Bundespräsident, „ist unfähig, so einen Kompromiss zu erreichen. Nachsatz: „Das Leben ist kein Fußballmatch oder ein MMA-Kampf vor dem Weißen Haus“. Zu Ehren Donald Trumps hatte ein solches Kampfsportspektakel Mitte Juni in Washington D.C. statt gefunden.

Noch unmissverständlicher waren die Anspielungen im letzten Drittel: „Wir leben in einer Zeit, in der Zölle als ‚schönstes Wort im Wörterbuch‘ bezeichnet werden, und Handelskriege als ‚gut, und leicht zu gewinnen‘. Beides Aussagen, die dem US-Präsidenten direkt zugeschrieben werden. Dabei sei bislang jeder Ökonom, der versucht habe, die Berechnungslogik hinter den Zöllen zu erkennen, daran gescheitert, so der Ökonom in der Hofburg.

Die politische Mission hinter den Worten ist klar. Van der Bellen, dessen Amtszeit 2028 endet, bleibt auf seiner Linie, für ein Miteinander zu werben. So wie die EU-Gründerstaaten durch die Vergemeinschaftung der Stahproduktion die Kriegszeiten hinter sich gelassen haben, sei auch das Einverständnis auf gemeinsame Normen Grundlage für gemeinsames Wirtschaften, „egal ob es ein Container, ein Rechteck mit Streifen, eine Polio-Impfung, eine Ozon-Vertrag oder auch eine Raumstation ist.“ Im Klimaschutz sei Kooperation ohnehin das Um und Auf.

Am Ende zitierte Van der Bellen „einen US-Präsidenten aus einer Zeit, als US-Präsidenten noch zitierbar waren“, nämlich John F. Kennedy. Sinngemäß: „Getrennt gibt es wenig, was wir tun können. Vereint gibt es wenig, was wir nicht tun können.“ Der Lacher der CEOs war ihm definitiv sicher.

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